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«openOhr» Kirchberg: Der Tod ist doppelt so teuer

Mit Strohmann & Kauz brachte «openOhr» satirisch-saftiges Unterhaltungstheater ins Depot.
Michael Hug
Der Sargverkäufer im Altersheim auf Hausbesuch: Matthias Kunz (links) und Rhaban Straumann. (Bild: Michael Hug)

Der Sargverkäufer im Altersheim auf Hausbesuch: Matthias Kunz (links) und Rhaban Straumann. (Bild: Michael Hug)

«Häsch ghört?» fragt Ruedi. «Waas?», will Heinz wissen. «Jetz heisi d’Beärdigung vom Hässig vom Mändig uf de Donnschtig verschobe». «Wiso, geitz ihm besser?»

Die kleinen und grossen Sorgen im Alltag zweier Pensionäre im Altersheim. Heinz und Ruedi, der Stänkerer und die Frohnatur, beide im fortgeschrittenen Zustand zwischen abgelebt und scheintot, warten im gemeinsamen Zimmer im Altersheim auf die letzten Tage ihres Lebens. Grundverschieden, wie sie sind, haben sie sich doch aneinander gewöhnt. Helfen einander am Morgen aus den Federn, ziehen sich gegenseitig Hemd und Hosenträger über. Auch bei den Socken hilft der Eine dem Anderen, obwohl der Gestank fast nicht auszuhalten ist. Die «Milchbüechlirächnig» war für das Publikum am Samstagabend in Kirchberg eine Entdeckung.

Schon ein bisschen ab der Welt

«I schriibe denn no äs Chärtli», meint Heinz zum Ableben von Hässig. «Äh, muesch nid extra, i telefonier em denn no», meint Ruedi dazu. Ein bisschen ab der Welt sind sie schon, die beiden, doch für Galgenhumor reicht es noch allemal. Ruedi (Rhaban Straumann) und Heinz (Matthias Kunz) nehmen in ihrem Stück «Milchbüechlirächnig» das Grauen des Altersheimalltags aufs Korn. Sie rechnen nicht mehr mit grossen Ereignissen in ihrem Leben, dafür rechnen sie jetzt ab. Mit Withold, dem polnischen Pfleger (gespielt von Straumann), mit dem Bestattungsunternehmer (Kunz), mit Telefonverkäufern, mit Bischof Huonder, mit den Mitbewohnern, ob tot oder lebendig, mit sich selber und gegenseitig.

Im «Milchbüechli», dem kleinen roten in Heinz’ Schublade, wird abgerechnet. Und zwar fadengerade: «I sett go schiffe», sagt Heinz. «I bi schon draa», meint Ruedi. «Das letzte Hemd hat keine Sak» – selbst das Tageshoroskop wird vom polnischen Pflegepersonal geschrieben: «Heute ist Zeit, den Schlussstrik zu ziehen.» Fatalerweise nimmt Heinz dies als Zeichen, dass es nun vorbei ist mit ihm. Gemeinsam trifft er mit Ruedi die Vorbereitungen zur letzten gemeinsamen Nacht im Doppelzimmer. «De Tod isch dopplet so tüür wie zwei Monät hie im Heim», so das Resümee nach dem Besuch des Sargverkäufers: «Vör die wo schtärbe isch de Tod gliich nie billig gnue.» Dann lassen wirs halt sein, meint darauf Ruedi.

Doch das Horoskop will es so, den nächsten Tag wird Heinz nicht mehr erleben. Da sieht auch Ruedi keinen Sinn mehr, weiterzuleben und legt sich mit seinem Zimmerfreund ins Bett. Aber oha – das letzte Stündlein hat noch nicht geschlagen.

Köstliche und intelligente Unterhaltung

«Milchbüechlirächnig» ist ein Theaterstück mit zwei Haupt- und zwei Nebendarstellern. Es könnte auch als Bauernschwank durchgehen, wenn da nicht ab und an recht intelligente Alltagsphilosophie durchscheinen würde. «Schlagen ja, aber nicht an den Kopf», habe schon der Papst gesagt. Doch Strohmann und Kunz schlagen nicht unter die Gürtellinie. Flache Comedy und doofer Slang liegen ihnen fern. Man spürt die feine Feder der Autoren Franz Hohler und Rolf Strub.

«Milchbüechlirächnig» mit Strohmann & Kauz ist eine Entdeckung, theatralisches Kabarett und köstliche Unterhaltung, von den Programmverantwortlichen von «openOhr» an den Thuner Kleinkunsttagen aufgestöbert. Gut, dass es in der Schweiz auch noch intelligente Unterhaltung gibt.

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