Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Simon Helbling dreht einen Kurzfilm über eine Bäuerin im Toggenburg – Er handelt von der Schwere eines Landes

Der St.Galler Regisseur Simon Helbling macht in London seinen Master und dreht als Abschlussarbeit im Toggenburg den Kurzfilm «The Weight Of The Land». Für die Finanzierung setzen er und sein Team auf Crowdfunding. Das sei nicht unüblich, erklärt der junge Filmemacher.
Sascha Erni
Derzeit wird im Toggenburg nach geeigneten Drehplätzen gesucht. Der Film von Simon Helbling soll bewusst in einem «kühlen» Look erscheinen. (Bild: PD)

Derzeit wird im Toggenburg nach geeigneten Drehplätzen gesucht. Der Film von Simon Helbling soll bewusst in einem «kühlen» Look erscheinen. (Bild: PD)

Just als wir telefonieren, schafft Ihre Crowdfunding-Kampagne auch dank einer grosszügigen Einzelspende das Ziel. Wie fühlt sich das an?

Simon Helbling. (Bild: PD)

Simon Helbling. (Bild: PD)

Das ist der Best-Case bei Kickstarter: Ein Gönner, der gleich eine ganze Reihe Kurzfilme und Kunstprojekte auf einen Rutsch mit Beiträgen bedenkt. Diese Spende hat uns dann ins Ziel gebracht, glücklicherweise haben wir aber mit bisher 76 Unterstützenden bereits ordentlich etwas zusammen bekommen, für den Fall, dass es ein Versehen gewesen ist. Wir klären das noch ab.

Ist es denn üblich, einen Kurzfilm über Crowdfunding zu finanzieren?

Für uns junge Filmemacherinnen und Filmemacher sind Kurzfilme der einzige Weg, um zu zeigen, was wir können und so einen Job zu finden. Aber in der Allgemeinheit haben Kurzfilme wenig Bedeutung. Kaum jemand kennt sie, also generieren sie auch kein Geld etwa durch Kino-Eintritte. Wir sind also auf solche Wege der Finanzierung angewiesen.

Das Crowdfunding-Ziel ist übertroffen, was machen 
Sie mit den zusätzlichen Spenden?

Wir haben mit den angepeilten 12'000 Franken sehr knapp budgetiert. Der Film soll 15 Minuten lang werden, 30 Menschen sind in der Produktion involviert. Im Verhältnis gesehen ist es eine winzige Produktion, wir hatten mit rund sechs Drehtagen kalkuliert.

Es hängt also sehr direkt vom Ergebnis des Crowdfundings ab, was genau wir wie umsetzen können. Je mehr Mittel zusammen kommen, desto technisch aufwendigere Szenen können wir drehen oder noch ein, zwei Drehtage dranhängen, denn jeder Tag extra kostet Geld.

Das Team stammt aus aller Welt. Wie koordiniert man so ein Projekt?

Die Crew ist 30 Prozent international, 70 Prozent aus der Schweiz, ich selbst bin zur Zeit mit einem Teil des Teams in London. Die Kommunikationskanäle offen zu halten und gut zu koordinieren, ist eine echte Herausforderung.

Englisch ist unsere gemeinsame Sprache, so können wir alle im Loop behalten. Technisch setzen wir auf die üblichen Kommunikationsmittel wie Videokonferenzen, E-Mail, Whatsapp und so weiter. Hie und da treffen wir uns sogar. (lacht)

Der Dreh soll im September im Toggenburg beginnen. Was geschieht bis dann?

Wir sind jetzt in der Preproduction, das ist eine wahnsinnig schöne Zeit. Als Regisseur kommst du auf ein Team aus guten Leuten zu und sagst: Das ist meine Idee, meine Vision. Und diese talentierten Menschen machen etwas daraus, worauf du selbst nie gekommen wärst.

Man geht im Kreativen in die Tiefe, denn beim Film geht es um jedes Detail. Man will ja beim Geschichtenerzählen die Konsistenz halten, vom Ton über die Kamera bis zum Spiel. Die Vorproduktion bedeutet aber auch immer das Schaffen von «Hard Facts».

Nur ein Beispiel, wir haben eine Szene in einem Auto. Das ist fürs Produktionsteam ein gigantischer Aufwand. Strasse finden, Bewilligungen einholen, Versicherung klären, Auto für Kamera und Ton präparieren …

… Und dann muss auch noch das Wetter passen.

Das Wetter, oh, Mann, Mann, Mann. Da werden wir dann schauen müssen. Wir drehen die Filmszenen ja nicht der Reihe nach. Der Bauernhof von aussen und von innen, das sind dann vielleicht zwei ganz verschiedene Drehorte. Und wenn es in der Küchenszene regnet, sollte bei der anschliessenden Aussenszene nicht gerade die Sonne scheinen.

Weshalb möchten Sie überhaupt im Toggenburg drehen?

Ich komme aus Andwil, das Toggenburg lag im wahrsten Sinne des Wortes nahe. Wir kamen darauf, als sich beim Schreiben der Story der Charakter der Hauptfigur herauskristallisierte.

Das Toggenburg bringt alles an Natur mit, was wir erzähltechnisch für den Film suchen. Zum Beispiel vereinzelte Höfe mit Distanzen dazwischen, jeder Hof ein Mikrokosmos. Das passt perfekt. Und dann sind da natürlich die Berge. Je nachdem, wo man steht, sind sie einfach nur unglaublich mächtig. Aber man kann sich auch eingekesselt fühlen.

Wir brauchen für die Story solche Berge, die nicht nur hübsch sind, sondern auch eine Wand sein könnten. Und nicht zuletzt erscheinen uns die Toggenburgerinnen und Toggenburger bisher als sehr unkompliziert. Das macht so ein Projekt gleich viel angenehmer.

Premiere im Januar

Der Kurzfilm «The Weight Of The Land» erzählt die Geschichte der Bäuerin Marta. Sie kämpft mit dem hinterlassenen Schuldenberg des verstorbenen Vaters. Zuerst mit Erfolg, aber dann taucht ihr Bruder Richard auf und die Situation eskaliert. Die Dreharbeiten für den Film sollen im September im Toggenburg starten, die Premiere ist für Januar 2020 geplant.

Simon Helbling lebt in London. Der 33-jährige Andwiler schliesst an der London Film School seinen Master in Filmmaking ab. «The Weight Of The Land» stellt seine Abschlussarbeit dar.

Weitere Informationen und Crowdfunding bis zum 17. Juli über die Website.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.