Der Nesslauer Finanzverwalter Paul Gmür geht in Pension: Ende Jahr kam jeweils sein «Heuen»

In fast 40 Jahren Berufsleben auf der Gemeinde Nesslau hat Paul Gmür viel erlebt: Fusionen, Umzüge und unzählige schöne Momente. «Die Zeit war schnell vorbei», resümiert er.

Sabine Camedda
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39 Jahre und drei Monate lang arbeitete Paul Gmür als Finanzverwalter der Gemeinde Nesslau.

39 Jahre und drei Monate lang arbeitete Paul Gmür als Finanzverwalter der Gemeinde Nesslau.

Bild: Sabine Camedda

Es war eine andere Zeit, im Februar 1981, als Paul Gmür aus Amden – der Ende April in Pension geht – seine Stelle als Finanzverwalter von Nesslau antrat. Die Gemeindeverwaltung zählte mit Gemeindepräsident Jürg Scherrer fünf Mitarbeiter und war im ersten Stock des damaligen Amtshauses untergebracht.

Paul Gmür kümmerte sich um die Finanzen der Gemeinde, führte daneben das Steueramt und übernahm mehrere kleinere Tätigkeiten, beispielsweise die des Sektionschefs. «An einem Nachmittag im Jahr konnten die Hundebesitzer die Marke lösen. Sie mussten mit dem Tier ins Gemeindehaus kommen. Ein Tierarzt kontrollierte die Hunde, ein Polizist sorgte für Ordnung und ich erledigte den Verwaltungsaufwand», erzählt Paul Gmür. Ähnlich, jedoch ohne Tierarzt, war das Prozedere bei der Lösung von Velos und Töffli.

«Damals war die Schreibmaschine mein Hauptarbeitsinstrument.»

Paul Gmür erinnert sich zurück und erwähnt einen Buchungsautomaten, der auf der Gemeinde eingesetzt wurde. «Wir waren zwar stolz auf den, aber mehr als zusammenzählen und abzählen konnte der nicht. Ich musste die Daten selber eintragen.»

«Alles ist komplizierter geworden»

Längst hat der Computer alle Schreibmaschinen und Buchungsautomaten abgelöst. «Die EDV war ein grosser Schritt. Sie hat viel Massenarbeit abgenommen, im Gegenzug ist auch alles komplizierter geworden», findet Paul Gmür. Sein Arbeitsalltag hat sich auch nebst den Arbeitsinstrumenten völlig verändert, wie er gleich beispielhaft ausführt.

«Zu Beginn meiner Arbeit in Nesslau sassen der Gemeindepräsident Jürg Scherrer, der Gemeinderatsschreiber Bernhard Graf und ich als Finanzverwalter einen Nachmittag lang zusammen und haben den Voranschlag der Gemeinde erstellt. Heute ist dies ein Prozess, der mehrere Wochen dauert und in den alle Amtsstellen eingebunden sind.»

Es gebe zu viele Vorschriften, sodass man den gesunden Menschenverstand teilweise nicht mehr anwenden könne. «Ja, ich war immer ein Kritischer gegenüber dem Kanton und habe gewisse Anweisungen hinterfragt», gibt er zu.

«In St.Gallen kennt man den Gmür von Nesslau.»

Rechnungsmodell als letzte Herausforderung im Berufsleben

So erstaunt es nicht, dass er kein grosser Freund des neuen Rechnungsmodells (RMSG) ist. Dennoch habe er die Herausforderung gerne angenommen und das RMSG in Nesslau eingeführt. Dies sollte die letzte Veränderung in Paul Gmürs Karriere sein.

Die wohl wichtigsten waren die beiden Gemeindeverschmelzungen, erst von Nesslau und Krummenau, dann von Nesslau-Krummenau und Stein. Die erste blieb ihm als sehr arbeitsintensiv in Erinnerung. «Bei der zweiten Fusion haben wir gewusst, was auf uns zukommt. Aber weil die Gemeinde ihren Namen abermals änderte, waren trotzdem viele Anpassungen notwendig.»

Fleissarbeit brauchte es auch bei der Zusammenführung der Dorfkorporationen Nesslau und Neu St.Johann sowie der Wasserversorgung Stein mit der Gemeinde. Und dazu zügelte die Gemeindeverwaltung 2014 provisorisch ins alte Krummenauer Gemeindehaus respektive ins ehemalige Steiner Gemeindehaus und 2015 zurück ins neue Gemeindehaus in Nesslau.

Pingelig, aber weder eintönig noch langweilig

«Mir hat meine Arbeit an jedem Tag Spass gemacht. Darum sind diese fast 40 Jahre schnell vorbei gegangen.» Und auch wenn sich seine Arbeit fast ausschliesslich um Zahlen gedreht hat, sei sie nicht eintönig gewesen. «Ich übergebe meinem Nachfolger – nebst dem Tagesgeschäft wie zum Beispiel das Bearbeiten und Verbuchen von rund 6000 Belegen pro Jahr, oder rund 4500 zu fakturierenden Rechnungen – 260 wiederkehrende Arbeiten, die er übers Jahr verteilt machen muss», erklärt Paul Gmür.

Die intensivste Zeit begann für ihn im Herbst mit der Vorbereitung des Voranschlags. Den Gipfel erreichte sie in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn noch viele Rechnungen gestellt und bezahlt werden müssen. «Ich sagte jeweils, das ist mein Heuen, das die Bauern bei schönem Sommerwetter machen müssen.»

Seinem Nachfolger Ralf Baumann gibt Paul Gmür zwei Dinge mit auf den Weg: Er solle alle Leute gleich behandeln und er solle die Fehlerquelle tief halten. Auf der Gemeinde müsse man noch genauer arbeiten als anderswo, denn man stehe mehr in der Öffentlichkeit, zitiert Paul Gmür seinen eigenen Lehrmeister.

«Finanzverwalter sind von Berufs wegen pingelig», umschreibt er es mit anderen Worten. Das bringe die Materie mit sich. Wenn die Rechnung nicht stimme oder etwas vergessen gehe, hole die Revision einen ein.

Die jungen Berufsleute ans genaue Arbeiten gewöhnen

Diese Genauigkeit gab Paul Gmür seinen Lernenden mit auf den Weg. «Deswegen galt ich als streng», sagt er mit einem Blick, der nicht so recht zu dieser Aussage passen will. Es kamen jeweils die Lernenden im ersten Jahr zu ihm auf die Finanzverwaltung.

«Manch einer meiner Kollegen profitierte dann davon, dass ich aufs genaue Arbeiten geachtet habe.»

Er habe immer gerne mit den jungen Leuten gearbeitet und ihm ist die Ausbildung sehr am Herzen gelegen. Er habe ihnen viel zugetraut und sie vieles machen lassen, was Lernende in anderen Gemeinden nicht hätten machen dürfen. «Das Unbeschwerte der Lernenden half mir selber, frisch zu bleiben.»