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Der Mann, der den Sinnepark erfunden hat

Reto Zingg ist in vielerlei Hinsicht ein Pionier. In Ebnat-Kappel hat der 76-Jährige mit dem Sinnepark ein Projekt initiiert und umgesetzt, das der Natur nützt und die Menschen erfreut.
Sabine Schmid
Reto Zingg (links) lässt keine Gelegenheit aus, um Besuchern des Sinneparks Auskunft zu geben. (Bild: Urs M. Hemm)

Reto Zingg (links) lässt keine Gelegenheit aus, um Besuchern des Sinneparks Auskunft zu geben. (Bild: Urs M. Hemm)

Ausgerüstet mit Spazierstock und Feldstecher macht sich Reto Zingg auf den Weg. Es soll ein Spaziergang im Sinnepark in Ebnat-Kappel werden. Zingg, ehemaliger Drogist, Sekundarlehrer und jetziger Inhaber eines Büros für Ökoberatungen, hat den Sinnepark initiiert und umgesetzt.

In den vier Jahren seit der Eröffnung hat sich eine Fangemeinde gebildet. Lehrpersonen halten Schullektionen dort ab oder besuchen den Sinnepark auf der Schulreise. Familien, Hundebesitzer und Personen, die Ruhe suchen, kehren zu jeder Tageszeit immer wieder ins Eichtobel zurück. Reto Zingg freut diese Erfolgsgeschichte des Sinneparks, für den er auch die Wörter «Gesundheitsbrunnen» und «Wohlfühloase» benutzt.

Spielerische Erholung für den «Homo Digitalis»

Reto Zingg ist selber fast täglich im Sinnepark unterwegs, am liebsten am frühen Morgen. Viele Menschen begegnen ihm dort, man kommt ins Plaudern. Zingg erzählt, während er an einem Tisch an der Grillstelle sitzt, von der Grossmutter mit ihrem Enkel, vom Senior, der am frühen Morgen an der Chögelibahn spielte und von den ausländischen Familien auf dem Grillplatz, die ihn einluden und ihn verköstigten.

«Mir ist aber besonders aufgefallen, dass sich die ‹Iphoniker› zurücknehmen», sagt er. Die Natur scheint alle in ihren Bann zu ziehen, so dass sie lieber dem Bach zusehen oder in die Blätterdächer schauen, als ihre Augen auf den kleinen Smartphone-Bildschirm zu richten. «Ich glaube, der Sinnepark bietet diesem ‹Homo Digitalis›, zu dem wir uns immer weiter entwickeln, ein Ausspannen aus seinem Stress und seiner virtuellen Umwelt, die ihn stark beeinflusst und in der er mit Informationen richtiggehend überschwemmt wird», sagt Reto Zingg.

Die Erholung im Sinnepark erfolgt durch die Natur, das Wandern und das spielerische Erleben der Sinne. Auf dem Weg, der leicht ansteigend dem wilden Bachlauf entlang führt, kann «balangsiert» werden. Ein Blick in ein Prisma lässt einem die Farben des Regenbogens entdecken. Im Hintergrund ertönt stets das Rauschen des Bachs und Vogelgezwitscher.

Neue Chögelibahn ist robuster

Die neue Chögelibahn ist gemäss Reto Zingg leiser als die alte. (Bild: Urs M. Hemm)

Die neue Chögelibahn ist gemäss Reto Zingg leiser als die alte. (Bild: Urs M. Hemm)

An der Chögelibahn lässt Reto Zingg zwei Holzkugeln hinunterrollen. «Diese Bahn wurde im Frühjahr neu gemacht und sollte jetzt robuster sein», erklärt er. Ihm fällt aber auf, dass sie nicht mehr gleich laut klingt wie zuvor. Er wird dies mit den Mitarbeitern des Bauamts der Gemeinde Ebnat-Kappel besprechen. Sie sind für den Unterhalt des Sinneparks zuständig und haben die neue Bahn gebaut. Doch abgesehen von dieser Kleinigkeit ist Zingg mit dem Bauamt sehr zu­frieden.

Der Sinnepark müsse so gut gepflegt sein, sonst würde er nicht von so vielen Menschen besucht werden. Um die Sicherheit zu verbessern, hat das Bauamt eine neue Brücke gebaut. Der Sturm Burglind, der im Januar über das Toggenburg fegte, hat ebenfalls seine Spuren hinterlassen. «Wir hatten viel Windwurf», sagt Reto Zingg. Er kann diesem Naturereignis aber auch Gutes abgewinnen. «Wir haben im hinteren Teil des Tobels mehr Licht, und dies hat uns mehr Vogelarten gebracht», sagt der Naturliebhaber und Ornithologe.

Weiter hinten im Tobel ist die Natur bewusst ursprünglich gehalten. In dieser Wildnis leben Waldtiere, es blühen auch seltene Orchideen. Das Gebiet gehört der Schweizerischen Stiftung für Vogelschutzgebiete, deren Präsident Reto Zingg lange war.

Blick zum Säntis und auf den Chäserrugg

Die Holzfiguren im Sinnepark mag Reto Zingg besonders gern. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Holzfiguren im Sinnepark mag Reto Zingg besonders gern. (Bild: Urs M. Hemm)

Langsam und bedächtig hat Reto Zingg die Steigung hinter sich gebracht. Passend dazu heisst die nächste Station «Himmelslueger». Wer sich auf den Sessel legt, sieht aber ein dichtes Blätterdach der alten Bäume. Im Winter sei der Himmel sichtbar, ergänzt Reto Zingg und weist darauf hin, dass zwei Besuche im Sinnepark nie gleich sind. Gleicherorts lädt der Familienhöck zu einer kleinen Rast ein. «Der Gnom daneben ist wohlwollend», betont Reto Zingg. Er höre aufmerksam zu, was die Familien sich erzählen. «Aber er ist schweigsam.» Am Waldrand stehen zwei Holzskulpturen in Toggenburger Tracht, der Seppetoni und die Babette. Die zwei Figuren sind eine Hommage an die Kultur im Toggenburg, zu welcher Reto Zingg eine starke Verbundenheit hat.

Dieser Holzrahmen im Sinnepark sieht fast aus wie ein Fernseher, nur die Aussicht ist besser. (Bild: Urs M. Hemm)

Dieser Holzrahmen im Sinnepark sieht fast aus wie ein Fernseher, nur die Aussicht ist besser. (Bild: Urs M. Hemm)

Über einen Weg mit alten Platten geht es weiter zum schönsten Platz im Sinnepark, wie Reto Zingg findet. Durch einen Holzrahmen, der einen Fernsehapparat imitiert, schweift sein Blick ins Obertoggenburg. Der Säntis und der Chäserrugg kommen ins Bild. Wer möchte, kann auch selbst zum «Fernsehstar» werden und sich auf das Holzpodest aufstellen. Über den Wanderweg geht es bergab, immer noch akustisch begleitet durch das Rauschen des Bachs und das Vogelgezwitscher.

Erweiterung für Menschen mit Behinderung

Kurz bevor der Rundgang abgeschlossen ist, hält Reto Zingg inne und wendet sich nach links einer Geländemulde zu. «Dort ist die Erweiterung des Sinneparks geplant», sagt der initiative 76-Jährige. Der Weg soll kinderwagen- und rollstuhlgängig sein und zu weiteren sieben Stationen führen.

Derzeit weibelt Reto Zingg, um die Finanzierung zu sichern. Geplant ist, dass dieser neue Teil im kommenden Jahr realisiert wird. Am Erfolg zweifelt Reto Zingg nicht. Der «Homo ludens», der spielende Mensch, und der «Homo digitalis», der digitalisierte Mensch, werden daran ebenfalls ihre Freude haben.

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