Der Lütisburger Maler Walther Wahrenberger war Anfang des 20. Jahrhunderts eine wichtige Stimme der Kunstszene

Das Ackerhus in Ebnat-Kappel zeigt Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken des Lütisburger Malers Walther Wahrenberger. Er war begeistert von Van Gogh und Gaugin, fand aber seinen eigenen Stil.

Christiana Sutter
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Die Besucher bestaunen an der Vernissage im Ackerhus die Grafiken und Holzschnitte, die in der Vitrine gezeigt werden.

Die Besucher bestaunen an der Vernissage im Ackerhus die Grafiken und Holzschnitte, die in der Vitrine gezeigt werden.

Bild: Christiana Sutter

Zur Einstimmung der Vernissage am Samstagnachmittag im Ackerhus in Ebnat-Kappel spielte Willi Häne aus St.Gallen auf seinem Akkordeon. Man fühlte sich fast in ein Pariser Bistro oder an ein italienisches Volksfest versetzt. Die Klänge passten zu den Stationen des reisefreudigen Malers.

Die Ausstellung im Ackerhus Ebnat-Kappel zeigt frühe Werke von Walther Wahrenberger. «Mit diesen Bildern wollte der Maler die Kunst erforschen und zeigen, was er mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten alles machen kann», sagt Jost Kirchgraber, ehemaliger Kantilehrer aus Ebnat-Kappel.

Richard Butz, Jost Kirchgraber und David Hirsiger vor dem Bild «Thurschlaufe bei Lütisburg»

Richard Butz, Jost Kirchgraber und David Hirsiger vor dem Bild «Thurschlaufe bei Lütisburg»

Bild: Christiana Sutter

Zusammen mit Richard Butz, Journalist und Kunstvermittler aus St.Gallen, hat er die Ausstellung aus der Sammlung des Wahrenberger Liebhabers und Sammlers David Hirsiger aus Lütisburg zusammengestellt. Kirchberger und Butz teilen sich die Meinung, dass Walther Wahrenberger eine der wichtigsten Stimme der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in der Ostschweizer Kunstszene war.

Von der Post an die Malschule in Paris

Walther Wahrenberger ist 1899 in Lütisburg geboren. Er wuchs mit zwei Brüdern auf. Der Vater war Posthalter und führte das Restaurant Post. Schon in der Schule ist Walther Wahrenberger aufgefallen, weil er gut zeichnen konnte.

Die Eltern wollten aber, dass Walther Nachfolger seines Vaters wurde. Nach der Sekundarschule besuchte Wahrenberger die Verkehrsschule in St.Gallen. Seine erste Arbeitsstelle als Posthalter war in Wildhaus und anschliessend in Ebnat-Kappel.

Da er sich für Kultur interessiert, wollte er nach Zürich. Dort fand er auf der Sihlpost eine Stelle. «Im Kunsthaus Zürich war zu jener Zeit die erste grosse Ausstellung von van Gogh», sagt Kirchgraber. Der junge Kunstinteressierte Walther Wahrenberger besuchte diese Ausstellung und war beeindruckt. Dies war der Schlüsselmoment.

Bilder, die aus Fantasien entstanden sind

Er wollte Kunstmaler werden. Er ging nach Paris in die Malschule von André Lhote. Dort setzte er sich mit dem Thema Malen auseinander. Nebst van Gogh war Paul Gaugin ein weiterer Kunstmaler, von dem Walther Wahrenberger fasziniert war.

Seine Bilder zeigen keine normalen Alltagssituationen, sie sind durch Fantasien entstanden. Landschaftsbilder waren ihm zu wenig. Mit seinen Werken wollte er aufzeigen, was in gerade beschäftigte. «Viele Bilder zeigen Szenen, hinter denen eine Idee steht» sagt Jost Kirchgraber.

David Hirsiger vor dem Bild «Zwei Clowns». Er zeigt auf die Geige. Wahrenberger hat auch Geige gespielt.

David Hirsiger vor dem Bild «Zwei Clowns». Er zeigt auf die Geige. Wahrenberger hat auch Geige gespielt.

Bild: Christiana Sutter

Beispielsweise hatte er die Idee, zwei Clowns und den Tod zu malen. Die beiden Clowns stellen Laurel und Hardy dar. Diese beiden befanden sich zu derselben Zeit in Paris wie der Lütisburger Walther Wahrenberger.

Der Maler, der doch noch Posthalter geworden ist

Zu Beginn seiner Malerei waren die Bilder farbig. Sie wurden düsterer, als der Krieg ausbrach. Zum Ende hin waren seine Werke mystisch-religiös angehaucht. Als er zurück in die Schweiz kam, wurde Walther Wahrenberger Nachfolger seines Vaters. Als Posthalter und Wirt verdiente er sein Geld, wobei die Malerei ihm das Wichtigste war.

Er malte bis zu seinem Tod. Der Maler starb 1949, 50-jährig, an einem Nierenleiden. «Man erzählt sich, dass Wahrenberger nächtelang am Stammtisch gesessen und mit Leuten über seine Bilder diskutiert habe», sagt Jost Kirchgraber.

Nach der Einführung von Jost Kirchgraber in die Werke und das Leben Wahrenbergers, zitierte Richard Butz Texte aus dem Umfeld von Walther Wahrenberger. Es waren Zitate von Wegbegleitern, anderen Künstlern und Menschen, die ihm nahestanden. «Walther Wahrenberger war kein Literat» sagt Butz. Er hat aber einen kleinen Vers geschrieben:

«Damit der Mensch sich versöhne mit seinem Schmerz, hat Gott ihm den Sinn für’s Schöne geprägt ins Herz.»

Bevor die Anwesenden die Werke des Künstlers besichtigen konnten, spielte Willi Häne ein weiteres Stück auf seinem Akkordeon. Abgeschlossen wurde die Vernissage mit einem Apéro.

Die Ausstellung ist bis am 31. Oktober im Ackerhus Ebnat-Kappel zu besichtigen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 13 bis 17 Uhr. www.ackerhus.ch.