Der Kirchenstreit in Kirchberg: Letztes Mitglied des Seelsorgeteams erhält die Kündigung – auch der Pfarreirat-Präsident geht

Statt des angekündigten Neubeginns treten in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg neue Spannungen auf.

Beat Lanzendorfer
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Über der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg sind erneut dunkle Wolken aufgezogen.

Über der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg sind erneut dunkle Wolken aufgezogen.

Symbolbild: Laurent Gillireon/Keystone

Die negativen Schlagzeilen rund um die Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg reissen nicht ab. Nun sorgt ein offener Brief von Otto Noger, Präsident des Kirchberger Pfarreirates, für Unruhe. Darin kritisiert er, dass der Seelsorgeverband nun auch Jugendarbeiter Ermin Schluep gekündigt hat.

Was bisher geschah

Der Streit innerhalb der Seelsorgeeinheit nahm seinen Anfang im Dezember 2013. In der Folge kam es zu einem Riss, der auch mit externer Hilfe und nach dem Wechsel des Kirchberger Kirchenratspräsidenten nicht wirklich gekittet werden konnte.
Ein neuer Konfliktherd tat sich im Sommer des letzten Jahres auf, als sich drei Seelsorgende dazu entschlossen, ihre Demission bei Bischof Markus Büchel einzureichen.

Vorangegangen waren Streitigkeiten innerhalb des Seelsorgeteams. Drei Monate später hat der Bischof ihre Demissionen angenommen und verfügt, dass die drei die Seelsorgeeinheit im Sommer 2020 verlassen müssen. Daraufhin bildete sich eine Gruppe, welche sich für den Verbleib der drei Seelsorgenden einsetzte und eine Petition lancierte. Innerhalb kürzester Zeit kamen 1600 Unterschriften zusammen, welche im Dezember dem Bistum überbracht wurden.

Trotzdem sah das Bistum keinen anderen Weg als den Neustart und hielt im Januar an seinem Entscheid fest. Nebst den drei Seelsorgenden muss auch ein vierter die Seelsorgeeinheit im nächsten Sommer verlassen. Mit der Kündigung von Ermin Schlüep muss nun auch das letzte Mitglied des alten Seelsorgeteams die Seelsorgeeinheit verlassen. (bl)

Auf Anfrage erklärt Otto Noger: «Das jetzige Vorgehen passt ins bisherige Schema. Die ausgesprochene Kündigung wird unter dem Deckmantel des Neuanfangs verhüllt, dabei wird der Mensch vergessen, der dahinter steht.» Das Drama in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg nehme leider kein Ende.

Aus der Vergangenheit nichts gelernt

Nach dem Neubeginn des Seelsorgeverbandes (diese Zeitung berichtete) hätte er noch Hoffnung gehabt. Nun habe er feststellen müssen, dass aus der Vergangenheit und den bisherigen Fehlentscheiden nichts gelernt worden sei. Es bestehe keine Einsicht. Otto Noger sagt: 

«Ich weiss nicht, wer alles nicht miteinander kann, zurzeit sind aber destruktive Personen am Werk, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind.»

Scheinbar sei man nicht mehr in der Lage, Konflikte sachlich zu lösen, und kündige dem letzten noch verbliebenen Angestellten unter dem Vorwand eines Neuanfangs. Dies gleiche einer Hexenjagd, um Geister zu vertreiben, die man selbst gerufen habe. Personalkonflikte öffentlich auszutragen, sei ein Unding. «Trotzdem gelange ich mit diesem Brief an die Öffentlichkeit, da zu viele Unwahrheiten verbreitet wurden und immer wieder Mitarbeitende der Seelsorgeeinheit wie auch das Bistum zu Unrecht und sehr einseitig in der Öffentlichkeit angeklagt wurden.»

Noger stellt sein Amt zur Verfügung

Otto Noger findet es stossend, dass mit Ermin Schluep der letzte Verbliebene, welcher sich aus dem Streit in der Seelsorgeeinheit herausgehalten hatte, auch gehen muss. Zumal er aus seiner Sicht hervorragende Jugendarbeit geleistet habe – notabene in allen Dörfern. «Die Damen und Herren des Zweckverbandes und der Kirchenverwaltungsräte sollten sich alle selbst betrachten und fragen, ob sie nicht Teil des Problems sind.» Jugendarbeiter Schluep war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Noger selbst stehe einem Neuanfang im Pfarreirat Kirchberg nicht im Weg. Er stelle sein Präsidentenamt an der nächsten Pfarreiversammlung am 24.März zur Verfügung. Ihm sei klar, dass dies zu einer Lücke führen könne, denn in so kurzer Zeit sei kaum ein Nachfolger zu finden.

Der Zweckverband hat den Entscheid getragen

Marius Ammann, seit 1. Januar 2020 Präsident des neu zusammengestellten Seelsorgeverbands, weilt zurzeit geschäftlich im Ausland, weshalb Hans Egli zu den erhobenen Vorwürfen Stellung nimmt. Er ist Präsident des Gähwiler Kirchenverwaltungsrates und Vorstandsmitglied des Zweckverbandes:

«Die Diskussion über die Weiterbeschäftigung von Ermin Schluep ist durch die Differenzen im Pastoralteam der letzten Monate leider in den Hintergrund getreten.»

Der Zweckverband habe sich aber für einen kompletten Neustart entschieden. Dieser beinhalte auch eine Gesamterneuerung des Seelsorgeteams. Hans Egli legt Wert auf die Feststellung, «dass der gesamte Vorstand des neu zusammengesetzten Zweckverbandes den Entscheid mitgetragen hat».

Den Vorwurf, das Bistum sei über die Kündigung nicht informiert gewesen, erklärt Hans Egli damit, dass das Bistum mit der Anstellung von Ermin Schluep nichts zu tun habe. Er arbeite ohne seelsorgerischen Auftrag des Bistums und sei deshalb lediglich beim Zweckverband angestellt.

Vorgehen reisst neue Wunden auf

Vertreter des Zweckverbandes bedauern das Vorgehen von Otto Noger. Es sei nicht konstruktiv, denn es reisse neue Wunden auf, heisst es. «Der Anfang des neuen Zweckverbands ist positiv ausgefallen. Es fanden bisher sehr gute Gespräche statt, um die Konflikte der Vergangenheit endlich aus dem Weg räumen zu können.»

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