Toggenburg Medien AG schreibt schwarze Zahlen trotz schwierigem Marktumfeld – Verwaltungsratspräsidentin Christine Bolt: «Der Kampf lohnt sich»

Das Wattwiler Medienunternehmen, das zur CH Media AG gehört, befindet sich in einem schwierigen Marktumfeld. Den Aktionären konnten an der GV am Donnerstagabend in Hemberg trotzdem schwarze Zahlen präsentiert werden.

Sabine Camedda
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Karin Pfister (links) ist aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden, ihr Nachfolger wurde Jürg Weber. Im Bild rechts: Verwaltungsratspräsidentin Christine Bolt. (Bild: Sabine Camedda)

Karin Pfister (links) ist aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden, ihr Nachfolger wurde Jürg Weber. Im Bild rechts: Verwaltungsratspräsidentin Christine Bolt. (Bild: Sabine Camedda)

Jeweils Mitte Mai berichten die Verwaltungsräte der Toggenburg Medien AG ihren Aktionären über den Geschäftsgang. Die 23 anwesenden Aktionäre an der Generalversammlung im «Löwen» in Hemberg – sie vertraten über 90 Prozent des Aktienkapitals – wurden ebenfalls über die Herausforderungen des Marktumfelds informiert.

Der Inseratemarkt hat weiter verloren und auch die gedruckte Auflage ist rückläufig. Die digitalen Produkte wie das E-Paper und das zahlungspflichtige Newsportal bremsten dies zwar ein bisschen. Trotzdem müsse man reagieren, führte Verwaltungsratspräsidentin Christine Bolt aus. Ein Schritt sei, die digitalen Produkte auszubauen und damit aktuell und zeitgemäss auf dem Markt aufzutreten. So gelinge es vielleicht, auch ein jüngeres Publikum anzusprechen und als Kunden zu gewinnen. Christine Bolt:

«Die Entwicklung dieser digitalen Produkte braucht jedoch Zeit und Ressourcen. Und das macht die Geschichte so anspruchsvoll: Die Rückgänge der Erträge zwingen uns zu Sparmassnahmen, gleichzeitig müssen wir investieren und uns so rasch als möglich digital entwickeln.»

Der Zusammenschluss zur CH Media AG verschaffe die benötigte Zeit. «Das ist unsere Chance, uns für die Zukunft wieder fit zu machen.» Möglich sei dies etwa, weil in einem grösseren Unternehmen Synergien genutzt werden können.

Einsatz fürs Überleben von Qualitätsjournalismus

Christine Bolt stellte rhetorisch die Frage, ob es sich in dieser hektischen und anspruchsvollen Zeit überhaupt noch lohne, für ein Medienunternehmen zu kämpfen. Sie beantwortete die Frage mit einem doppelsinnigen Ja. Der unternehmerische Gedanke sei, dass man nicht aufgeben wolle.

Dazu gebe es noch eine idealistische Perspektive: «Wir setzen uns ein fürs Überleben von regionalem Qualitätsjournalismus», betonte Christine Bolt. Sie fügte mehrere Gründe dafür an. Ein lokales Medium habe eine integrierende Wirkung und schaffe Identität, es helfe bei der Meinungsbildung und helfe durch seine Vernetzung, dass das Toggenburg in der Schweiz und in der Ostschweiz gehört und wahrgenommen werde.

Jürg Weber ersetzt Karin Pfister

Christine Bolt berichtete über einige Aktivitäten der Toggenburg Medien AG. Gerade mit Medienpartnerschaften von Anlässen in der Region zeige das Unternehmen seine Verbundenheit zum Toggenburg. Finanziell steht die Toggenburg Medien AG gut da. 2018 wurde ein Jahresgewinn von 430'000 Franken erzielt. Da keine grossen Investitionen anstehen, wird dieser zu grossen Teilen als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet.

Im Verwaltungsrat kam es zu einem personellen Wechsel: Karin Pfister gab ihren Rücktritt bekannt. Ihren Platz übernimmt Jürg Weber, stellvertretender CEO und Leiter Publishing der CH Media.