Der Hemberger Schauspieler Simon Keller am Zentrum-Znüni in Wattwil: «Einfach mal machen»

Die Coronazeit hat die Kulturbranche hart getroffen. Statt die ersten eigenen Bühne-Thurtal-Produktionen durchzuziehen, wurde Simon Keller zum Krisenmanager.

Ruben Schönenberger
Drucken
Teilen
Simon Keller ist in Hemberg aufgewachsen.

Simon Keller ist in Hemberg aufgewachsen.

Bild: PD

«Es herrscht schon fast wieder Normalität», freute sich Marc Bohnenblust, Geschäftsführer des Vereins Zentrum Wattwil, gestern im «Madlen’s» in Wattwil. Der Verein konnte den monatlich stattfindenden Zentrum-Znüni zwar auch während des Lockdown durchführen, allerdings immer in angepasster Form, teilweise gar nur virtuell.

Die Ehre des ersten Auftritts in der neuen Normalität gebührte Simon Keller von der Bühne Thurtal. Schon als kleiner Junge habe er die Mehrzweckhalle in Hemberg von seinen Eltern mieten lassen, damit er dort Theaterstücke einüben konnte. Da habe er zum ersten mal «einfach gemacht». So richtig gemerkt, was das heisse, habe er aber erst in der Schauspielschule in Zürich, die er etwa ein Jahr nach seinem Lehrabschluss als Automatiker antrat.

Dank Bräker und «Krabat» zur Bühne Thurtal

Bald danach erhielt er von Willy Hollenstein, dem damaligen Leiter der Bühne Thurtal, eine Kooperationsanfrage. Während Hollenstein im Wattwiler Dreyschlatt das Bräker-Freilichtspiel aufführte, produzierte Keller an gleicher Stelle «Krabat». Die Zusammenarbeit war so erfolgreich, dass Hollenstein gleich die ganze Bühne Thurtal an Keller übergab. Dazu gründeten sie eine Firma. «Davon hatte ich keine Ahnung», sagte Keller. Er habe – eben – «einfach mal gemacht».

2020 hätte das erste Jahr mit seinen Bühne-Thurtal-Produktionen werden sollen, zum Beispiel «Zwinglis Frau» als Freilichtspiel im Sommer. Oder «Verdammte Baustellen» im Frühling. Die Generalprobe ging an jenem Freitag über die Bühne, als der Bundesrat die ersten Massnahmen verkündete. Die Premiere am nächsten Tag fiel ins Wasser.

Trotzdem ein Stück in diesem Sommer

Vom Theaterproduzenten wurde Keller zum Krisenmanager. Als er die Situation im Griff hatte, kam das Loch. «Was nun?», hätten er und sein Team sich gefragt. Lange dauerte diese Phase nicht. Sie sassen zusammen, entwickelten Ideen und planten fürs nächste Jahr. Doch auch 2020 wird es eine Produktion geben. Im Sommer kommt «Nöd Zwingli» in Fischingen zur Aufführung. Ein reduziertes Stück am für «Zwinglis Frau» vorgesehenen Spielort.

Visionen hat Keller noch viele. Zum Beispiel eine Schauspiellehre. Zuerst aber gründet er eine Schauspielschule in Zürich. Dass diese und auch der Standort der Bühne Thurtal nicht im Toggenburg liegen, begründet Keller einerseits pragmatisch mit der Lage. Zum anderen aber auch damit, dass er im Toggenburg immer wieder ausgebremst wurde. Den Eindruck vom Toggenburg wollte Geschäftsführer Marc Bohnenblust umgehend korrigieren und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass es irgendwann zu einer Zusammenarbeit komme.