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Der Getreidebauer auf über 1000 Metern über Meer

Auf 1050 Metern über Meer Getreide anzubauen, ist kein Ding der Unmöglichkeit. Köbi Knaus praktiziert das seit 1996 auf seinem eigenen Land. Als erstes hat er damals Futtermais angesät.
Christiana Sutter
Köbi Knaus steht auf der Wiese vor dem Wohnhaus der Familie, auf der Winterweizen wächst. (Bild: Christiana Sutter)

Köbi Knaus steht auf der Wiese vor dem Wohnhaus der Familie, auf der Winterweizen wächst. (Bild: Christiana Sutter)

An diesem nebligen, nassen Tag im Mai trifft man Köbi Knaus nicht draussen auf dem Acker an. Auch nicht im Holz oder im Stall. Er hat sich einen freien Tag genommen. Es gibt einen Geburtstag zu feiern. Entspannt sitzt er bei einem Kaffee am Küchentisch. Auf seinem Schoss sitzt die knapp einjährige Salomea und neben ihnen am Tisch spielend die dreijährige Elena. Das Haus im Chüeboden oberhalb Unterwasser wurde 2015 gebaut. Es ist ein Haus im traditionellen Holzbau. Es sind Geschichten und Traditionen, die Köbi Knaus Junior interessieren. Dies ist mit ein Grund, dass der Bauer auf verschiedene Möglichkeiten in der Landwirtschaft setzt.

Umgestochen wurde damals von Hand

Rund um sein Haus gibt es mehrere Ackerflächen. Insgesamt bewirtschaftet Knaus 1,6 Hektaren Land mit Getreide, auf 1050 Meter über Meer. Dieses Jahr hat er je 50 Aren Weizen und Hafer und 50 Aren Mais angebaut. Schaut man sich im Obertoggenburg um, ist Knaus einer der wenigen, der Ackerbau betreibt. Die Geschichte des Toggenburgs zeigt, dass der Ackerbau ­jedoch nichts Neues ist. Bereits im 14. Jahrhundert wurde im Obertoggenburg Getreide angebaut.

Zur damaligen Zeit befanden sich vier Mühlen im Gebiet der heutigen Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Ein weiterer Hinweis für den Ackerbau sind die Flurnamen im Obertoggenburg wie Gerstenboden, Ackeren oder Grindacker. Später wurde wegen der veränderten, klimatischen Bedingungen kein Getreide mehr angepflanzt. Vom 17. bis 19. Jahrhundert befand man sich in der kleinen Eiszeit. «Aber während des Zweiten Weltkrieges war der Anbau wieder notwendig.» Köbi Knaus hat mit vielen älteren Bauern im Obertoggenburg gesprochen. «Die Ausrüstung damals war sehr dürftig. Sie mussten beispielsweise noch von Hand umstechen.»

Das Getreide wurde oft den Tieren verfüttert

Gersten und Weizen wurden damals angebaut. Fürs Dreschen mussten sie nach Unterwasser gehen. Beim Hotel Sternen wurde eine mobile Dreschmaschine aufgestellt. «Den Ertrag, ein Säcklein mit Getreide, durften die Bauern nach Hause nehmen.» Dieses wurde oft den Tieren verfüttert. Köbi Knaus hält einen Moment inne. Ein weiteres Problem, dass man keinen Ackerbau mehr betrieben hat, war die Unkenntnis, wie Ackerbau überhaupt funktionierte.

Knaus erzählt weiter, dass bis Anfang 1915 im Obertoggenburg Getreide angebaut wurde. Er nimmt ein Buch zur Hand und zeigt auf alten Aufnahmen von Wildhaus, Unterwasser und Alt St. Johann, wo Ackerbau-Kulturen zu sehen sind. Holdere-Köbi, ein Bauer aus Unterwasser, habe Knaus Junior erzählt, dass sie zum Umstechen des Bodens ein junges Rind vor eine Schaufel gespannt haben und so versuchten, den Boden zu lockern. Knaus lacht. «Das hat überhaupt nichts gebracht. Die Schaufel hat es ihnen nur um den Kopf geschlagen.»

Mais ist nur ein Lückenfüller

Das Interesse am Ackerbau hat Köbi Knaus bereits in jüngeren Jahren gepackt. Sein Götti im Züribiet hat Zuckerrüben angebaut. Das hat ihn fasziniert. Dann, 1996, hat er Mais gesät, beim «Ammans-Rank», oberhalb seines Elternhauses in der Nesselhalde in Unterwasser. 1998 versuchte er es mit Weizen. Dass das Obertoggenburg nicht das schlechteste Klima für den Ackerbau hat, erfuhr Knaus aus Gesprächen mit Freunden aus den USA, Kanada, Neuseeland oder Norddeutschland.

Köbi Knaus sät in einer Vierer-Fruchtfolge: Weizen, Mais, Hafer und Kunstwiese. Mit der Kunstwiese kann der Boden ruhen. «Die Fruchtfolge ist sehr wichtig, um des Beikrauts Herr zu werden.» Mais ist für den Landwirt ein Lückenfüller. Diesen verfüttere er den Tieren. «In der Schweiz hat es gutes und sauberes Saatgut», sagt Knaus. Mais in der Fruchtfolge sei notwendig, damit keine Krankheiten beim Getreide übertragen werden. Das Getreide verarbeitet Köbi Knaus selber. Ernten, Dreschen und Lagern kann er bei sich auf dem Hof. Für den Eigengebrauch hat er eine Steinmühle. Seit 1998 kauft ihm die Bäckerei Ziehler in Stein das ungemahlene Getreide ab.

«Eine alte Sorte Winterweizen hat die Schneedecke von fünf Monaten überstanden»

Wichtig ist die Saatsorte. Das hat Köbi Knaus im letzten Jahr erfahren. Eigentlich wollte er auf dem Blätz Acker vor seinem Haus Winterweizen säen. Der Winterweizen war aber ­bereits ausgewintert. Übrig blieb eine mögliche Saat mit Mais. Dieser ist Dank des guten Wetters im vergangenen Sommer in die Höhe geschossen. Sobald der Schnee weg ist, kann angesät werden. Winterweizen allerdings wird im Spätherbst ausgesät. Diese jungen Pflanzen ertragen eine Schneedecke von bis zu dreieinhalb Monaten ohne Probleme. «Ist die Pflanze länger unter dem Schnee, erstickt sie», erklärt der Landwirt. «Jetzt habe ich hier vor dem Haus eine alte Sorte Winterweizen angesät, die hat diesen Winter sogar die Schneedecke von fünf Monaten überstanden. Das ist ein Höhepunkt.»

Die Bürli sind handgemacht und aus dem eigenen Mehl gebacken. (Bild: Christiana Sutter)

Die Bürli sind handgemacht und aus dem eigenen Mehl gebacken. (Bild: Christiana Sutter)

Dazu erzählt er eine Geschichte: vor ein paar Jahren habe er eine Handvoll Saatgut von einem älteren Mann erhalten. Zuerst konnte er nur einen Streifen sähen. Dann immer mehr und mehr. Vergangenen Herbst habe das Saatgut für den ganzen Acker vor seinem Haus gereicht. «Es wächst. Der Boden hier oben ist sehr gut, das Klima rau.» Das setzt an die Region angepasste Sorten voraus. «Sonne und genügend Wasser, was braucht es mehr.» Drinnen in der Küche ist inzwischen das Mittagessen fertig. Auf einem Blech liegen Handbürli. «Sie sind selbstgebacken, mit eigenem Mehl.»

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