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Eine "Stobete" mit aussergewöhnlichen Klängen

Zu einer «Stobete» der anderen Art lud der «Löwen» ein. Im Saal spielte eine Band aus den Südstaaten der USA. «Miss Myra & The Moonshiners» boten keine Volksmusik – jedenfalls keine hierzulande traditionelle.
Michael Hug
Miss Myra und ihre Bläser machten Volksmusik der etwas anderen Art. (Bild: Michael Hug)

Miss Myra und ihre Bläser machten Volksmusik der etwas anderen Art. (Bild: Michael Hug)

«Die Frau ist eine Wucht». Das stand nicht auf einem Flyer oder in der Konzertankündigung des Veranstalters. Dies war der erste Satz, der einem männlichen Besucher am Mittwochabend entfuhr. Miss Myra – die Dame verrät ihren vollen Namen nicht – würde es so ausdrücken: «Ich bin eine Herausforderung». Und sie ist der Chef. «Boss» nennt sie ihr bärtiger Posaunist Nathan. Damit ist klar, wer bei den «Moonshiners» das sagen hat – «The miss is the boss». Die kleine Dame mit den kupferroten Haaren singt und sagt, wo es langgeht. Und sie spielt Gitarre. Eine Jazzgitarre, die mit den Stahlsaiten, unverstärkt, unplugged.

Schwarz gebrannter Whiskey

Miss Myra zu hören ist, wie ein Schluck schwarzen und hochprozentig gebrannten Whiskey in die Kehle zu schütten. Eine Erfahrung, bei der man sich leicht den Gaumen verbrennen kann. Ein feuriger Kick, ein wärmender Nachgang, ein Wohlgefühl im Magen. «Moonshine» ist der Übername für den einst schwarz gebrannten Schnaps während der Prohibition in den USA. Warum es Miss Myra und ihre Vier-Männer-Band auf den Hemberg, um den hiesigen Männern ein warmes Gefühl in der Bauchgegend zu evozieren, verschlagen hat, erklärte Ruedi Roth, der neue Wirt im Gasthaus Löwen.

Eines Tages sei der Manager der Band zufällig zum Zmittag im «Löwen» eingekehrt, erzählte Roth. «Wir machen hier auch Konzerte», sagte Roth, «halt etwas andere Musik, aber das sei eigentlich egal, man kann den Leuten ja auch mal Jazzmusik bieten.» Die Band war sofort engagiert. «Sie spielt um Kost und Logis, und wenn die Zuschauer etwas spenden wollen, dann gehört das auch der Band.» So trat also wohl zum ersten Mal seit seiner Existenz eine Jazzband im «Löwen» auf. Und siehe da: nicht wenige Hembergerinnen und Hemberger kamen zum Konzert und waren angetan von dem, was da geboten wurde. Das was vor hundert Jahren die Leute in den Südstaaten zu begeistern vermochte, begeistert auch heute noch und offensichtlich auch das Publikum im Neckertal.

Den Amerikanern zeigen, wie gejodelt wird

Miss Myra und ihre schwarz Gebrannten spielten nach eigener Aussage «Vintage Jazz». Dixieland würde man es hierzulande nennen, einfach ohne Banjo, dafür mit Posaune und Trompete. Dann auch etwas Charleston und etwas Rockabilly. Das fetzt natürlich, das reisst einem schier vom Hocker, aber eben nur schier. Mehrmalige Ermunterungen ans Publikum, doch zum Tanzen aufzustehen, fruchteten nicht. Vielleicht lag es daran, dass drei der vier Musiker und die Sängerin auch die ganze Zeit auf ihren Stühlen sassen? Sie sind entschuldigt. Die Handörgeler im «Löwen» sitzen ja jeweils auch und die «Stobete» fetzt trotzdem.

Apropos: Ruedi Roth war es ein dringendes Bedürfnis, den fünf Amerikanern zu zeigen, wie hier Musik gemacht wird. Flugs stellte er aus sechs Zuschauerinnen und Zuschauern ein ad-hoc-Chörli zusammen, das ein Naturjödeli zum Besten gab. Der Abend wird noch lange in Erinnerung bleiben. Zumindest bis zum Wochenende. Dann gibt es auf dem Hemberg beim Bergrennen Töne der wiederum ganz anderen Art zu hören.

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