Der fehlende Schnee ist kein Nachteil – die Baufirmen des Toggenburgs zeigen sich flexibel und sind in der Lage, Aufträge früher auszuführen.

Branchen, die auf Schnee angewiesen sind, dürfte der milde Winter wenig Freude bereiten. Andere, darunter das Baugewerbe, gewinnen der Situation aber durchaus positive Seiten ab.

Beat Lanzendorfer
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Der Ottilienpark in Bütschwil gehört zurzeit zu den grösseren Bauprojekten, die im Toggenburg realisiert werden. Auf fünf Wohnhäusern verteilt entstehen 23 Miet- und 22 Eigentumswohnungen.

Der Ottilienpark in Bütschwil gehört zurzeit zu den grösseren Bauprojekten, die im Toggenburg realisiert werden. Auf fünf Wohnhäusern verteilt entstehen 23 Miet- und 22 Eigentumswohnungen.

Bild: PD

Das Toggenburger Tagblatt hat sich in den vergangenen Tagen bei einigen Baufirmen umgehört, wie gross die Auswirkungen des schneearmen Winters auf die Bautätigkeit, besonders in den unteren Lagen, seien. Dabei zeigte sich: Die Betriebe sind flexibel und können gut mit der Situation umgehen.

Mehrere Faktoren müssen berücksichtigt werden

Die Zeit ab Festtagsbeginn und den Start ins neue Jahr nutzen viele Baufirmen für Ferien oder um den Betrieb zumindest teilweise etwas zurückzufahren. Oftmals ergibt sich in dieser Zeit die Möglichkeit, Maschinen zu revidieren. Der milde Januar hat nun dazu geführt, dass die Bautätigkeit etwas früher aufgenommen werden konnte.

Dabei gäbe es allerdings einige Faktoren zu berücksichtigen, auf welche die Baufirmen bei einem vorzeitigen Baubeginn keinen direkten Einfluss hätten. Primär sei die Baubewilligung erforderlich, dann müssen die Planer und Architekten bereit sein und bei öffentlichen Bauten sei es oft so, dass das Budget noch nicht gesprochen sei. Vielfach werde dies erst an den Bürgerversammlungen abgesegnet, zu welchen der Grossteil der Gemeinden im Tal im ersten Quartal des Jahres einladen.

Und dann müsse auch noch ein Bauauftrag vorliegen, denn der Dezember 2019 sei wettertechnisch ebenfalls sehr freundlich ausgefallen, weshalb gemäss den Befragten viele Arbeiten noch im alten Jahr erledigt werden konnten, die eigentlich erst nach dem Jahreswechsel auf dem Programm standen. Reserven oder Überhänge seien dadurch vielfach bis zum Beginn der Festtage noch abgebaut worden.

Einig sind sich die Befragten darüber, dass im Baugewerbe Flexibilität gefordert sei. Wer heute einen Um- oder Neubau plane, möchte diesen innert nützlicher Frist realisiert haben. Der Faktor Zeit spiele eine immer grössere Rolle, der Druck sei entsprechend grösser.

Hochbau zufrieden – Tiefbau optimistisch

Die Umfrage ergab ebenfalls, dass die Betriebe mit der Auftragslage im Hochbau zufrieden sind. Bedingt durch die tiefen Zinsen werden nach wie vor viele Wohnungen gebaut. In diesen Sektor gehören auch Umbauten, Renovationen und Kundenarbeiten. Im Tiefbau sei die Auslastung hingegen zurzeit eher knapp. Für die zweite Jahreshälfte zeigen sich die Verantwortlichen aber verhalten optimistisch. Der Strassenbau werde wieder anziehen.

Entgegen der oftmals gehörten Meinung können die Wintermonate nur bedingt für den Abbau von allfällig angefallener Überzeit verwendet werden. Gemäss Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe seien in den Sommermonaten maximal 100 Stunden Überzeit (20 Stunden pro Monat) erlaubt. Was darüber hinaus gehe, müsse finanziell abgegolten werden.

Bei Wintereinbruch gelassen reagieren

Gelassen geben sich die Baufirmen, sollte es doch noch zu einem Wintereinbruch im Toggenburg kommen. Es habe in den vergangenen Tagen zwar einige Niederschläge mit Schneefall gegeben, in den kommenden Tagen seien aber bereits wieder mildere Temperaturen angesagt. Die Befragten gehen davon aus, dass es kaum zu einem längeren Unterbruch der Bautätigkeit kommen wird.

Und sollte im März oder sogar im April der Winter doch noch verspätet Einzug halten, sei auch dies verkraftbar. Die Böden seien zu diesem Zeitpunkt jeweils bereits etwas aufgewärmt, weshalb der Schnee kaum über einen längeren Zeitraum liegen bleibe.

Apropos Schnee: Es gebe zwar Baufirmen, welche für die Gemeinden Strassenwinterdienste übernehmen, der jetzt fehlende Umsatz sei aber zu verkraften, weil er im Gesamtbudget eine untergeordnete Rolle spiele, was auch damit zusammenhänge, dass die Gemeinden in ihren Werkhöfen gut für den Winter ausgerüstet seien.