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Interview

«Die Gesundheit geht vor» – Freeskier Joel Gisler aus Libingen erklärt die Gründe seines Rücktritts

Freeski-Halfpiper Joel Gisler hat seinen Rücktritt vom Spitzensport erklärt. Für den zweifachen Olympia-Teilnehmer beginnt im August ein neues Leben als Aussendienstmitarbeiter.
Urs Huwyler
Seine Ski schultert Joel Gisler höchstens noch privat. (Bild: Mareycke Frehner)

Seine Ski schultert Joel Gisler höchstens noch privat. (Bild: Mareycke Frehner)

Was sich während der letzten Monate abzeichnete, wurde von Swiss Ski via Medienmitteilung kommuniziert: Der Libinger Joel Gisler beendet als Nummer eins der Schweizer Halfpipe-Skiakrobaten seine Karriere. Der Sturz an den Olympischen Spielen in Pyeongchang vor mehr als einem Jahr hat vieles verändert.

Wie geht es Ihnen im Moment?

Mit Sport treiben will Joel Gisler nicht aufhören. Ihm schwebt Skifahren, Joggen oder Inlinen vor. (Bild: Urs Huwyler)

Mit Sport treiben will Joel Gisler nicht aufhören. Ihm schwebt Skifahren, Joggen oder Inlinen vor. (Bild: Urs Huwyler)

Joel Gisler: Ganz gut. Zwar ist beim Entscheid, per sofort zurückzutreten, Wehmut dabei und ich werde die Trainings, den Wettkampf, die Stunden mit den Kollegen vermissen. Vor allem, wenn der Winter näher rückt. Aber es ist richtig so, wie es jetzt ist.

Haben gesundheitliche Gründe den Ausschlag gegeben?

Dem ist so. Ich kann im Alltag beschwerdefrei Sport betreiben, aber bei höheren Belastungen bekomme ich auch 15 Monate nach dem Sturz in Pyoengchang Kopfschmerzen, fühle mich nicht frei im Kopf. Für eine Risikosportart sind die Voraussetzungen nicht gegeben. Und die Gesundheit geht vor.

Wurde die Schwere der Verletzung unterschätzt?

Mag sein. Anfangs wurde von einer schweren Gehirnerschütterung ausgegangen. Als die Kopfschmerzen nie ganz weggingen und bei der Arbeit auftauchten, wurden von Verbandsseite zusätzliche Abklärungen eingeleitet.

Nun ziehen Sie die Reissleine?

Auch, weil es in der Halfpipe nicht möglich ist, mit halber Kraft zu trainieren, sich heranzutasten.

Ich kann kein Tempo rausnehmen. Dann stimmt der ganze Ablauf nicht mehr.

Ein Fussballer, Radfahrer oder Läufer kann dosieren, in der Pipe funktioniert das nicht. Oder dann sind die Sprünge so einfach, dass kaum Chancen auf vordere Klassierungen bestehen.

Wäre es nach 15 Monaten ohne Wettkampf überhaupt noch möglich, wieder einzusteigen?

Es würde bestimmt schwierig. Zumal mit zunehmendem Alter die Risikobereitschaft etwas abnimmt, schwierigere Sprünge schwieriger zu erlernen sind und Gedanken an die Familie und die Zukunft aufkommen. In der Halfpipe wirkt sich der kleinste Fehler brutal aus. Die diversen Stürze zeigen dies.

Hat der Rücktritt auch mit der Rückstufung von der Nationalmannschaft ins A-Kader zu tun?

Überhaupt nicht.

Ich habe eine ganze Saison kein zählbares Resultat gebracht. Da war es logisch, dass es eine Rückstufung geben würde.

Ich habe dies Swiss Ski gegenüber auch kommuniziert. Ob A-Kader oder Nationalmannschaft spielt für die Förderung keine Rolle.

Wird bei Swiss Ski eher Slopestyle statt Freeski-Halfpipe gefördert?

In den Kadern dominiert tatsächlich Slopestyle. Freeski ist in den obersten zwei Kadern nach meinem Rücktritt nicht mehr vertreten. Wie es weiter geht, ist schwierig zu sagen. Eine gewisse Unsicherheit über die sportlichen Perspektiven, die Trainingsgestaltung, die Weltcup-Einsätze hätte auch bei mir bestanden. Wobei ich von Verbandsseite immer unterstützt wurde.

Über Ihren Gesundheitszustand wurde nicht einmal auf der Website berichtet.

Das allgemeine Interesse an den Freestylern ist kleiner als bei Athleten in anderen Disziplinen. Um wenigstens vorübergehend aus dem Schatten der Alpinen treten zu können, braucht es eine Olympia-Medaille oder zumindest einen WM-Titel. Dies haben meine Kollegen und ich nicht geschafft.

Oder einen Sturz bei Olympia in Pyeongchang.

Eigentlich ist es traurig, aber bis heute erinnern sich viele vor allem an jenen Sturz, bei dem ich auf die Halfpipe-Kante geknallt bin. Bei Auto- oder Motorradrennen, den Abfahrten in Kitzbühel oder Wengen sind die Stürze oder Unfälle beim Publikum und den Medien ebenfalls oft wichtiger als das Rennen. Sensationen sind gefragt.

Waren die Olympia-Teilnahmen in Sotschi und Pyeongchang die Höhepunkte?

An Olympischen Spielen starten zu dürfen, davon träumen wohl alle Leistungssportler. Es waren für mich ganz besondere Erlebnisse, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Für mich persönlich fehlten die positiven Resultate. Der zweite Rang beim Weltcup in China oder Silber an der Junioren-WM waren weitere Höhepunkte.

Wie geht es nun für Sie in Zukunft weiter?

Beruflich werde ich mich verändern und nicht mehr in meinem gelernten Beruf als Maler, sondern für eine Firma mit Pflegeprodukten im Aussendienst tätig sein.

Die berufliche Herausforderung hat beim Rücktritt auch eine Rolle gespielt.

Jetzt habe ich ein neues Ziel, kann mir abseits des Sports etwas aufbauen. Diese Chance möchte ich nutzen. Spitzensport und Beruf wären schon wegen der Absenzen nicht vereinbar gewesen.

Und sportlich?

Da suche ich mir ein neues Betätigungsfeld. Skifahren, Joggen oder Inlinen. Mal schauen was sich ergibt, ob ich in einer Disziplin Wettkämpfe bestreiten werde. Wenn, dann soll dies auf einem gewissen Niveau sein. Der Ehrgeiz ist geblieben.

Wären Sie nicht besser Alpin-Skirennfahrer geblieben?

Für einen Flachländer ohne Skigebiet vor der Haustüre wird es immer schwieriger, sich bei den Alpinen durchzusetzen. Es war auch aus dieser Warte richtig, die Disziplin zu wechseln. Ich bereue jedenfalls nichts, habe durch den Sport viele Erfahrungen sammeln und die Welt bereisen können.

Sie mussten von Libingen nach Laax ins Training reisen.

Als Freeskier konnte ich für mich trainieren und den Tag individuell gestalten. Ich hatte das Glück, wegen der überschaubaren internen Konkurrenz fast 1:1 betreut zu werden.

Ist es heute noch möglich, ausserhalb der Bergkantone an die Spitze zu kommen?

Nur mit Unterstützung der Eltern. Mein Vater ist unzählige Male zu Trainings und Wettkämpfen gefahren, hat die Skis präpariert, mich gecoacht. Hätte ich nicht zu Hause wohnen dürfen, wäre es finanziell nicht denkbar gewesen, im Weltcup Fuss zu fassen. Dazu kam ein toleranter Arbeitgeber. Ohne ein solches Umfeld ist eine Profi-Karriere kaum mehr realisierbar.

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