Aus einer Maturaarbeit wurde ein Buch: Samuel Gossweiler schreibt über den Wattwiler Künstler Willy Fries

Der 20-jährige Samuel Gossweiler stellte im Gemeindehaus in Wattwil sein Buch über den heimischen Kunstmaler Willy Fries vor und erhielt dafür viel Lob.

Jan Zikeli
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Samuel Gossweiler konnte mit seinem Vortrag die Anwesenden für sein Buch und Willy Fries begeistern.

Samuel Gossweiler konnte mit seinem Vortrag die Anwesenden für sein Buch und Willy Fries begeistern.

Bild: Jan Zikeli

«Mit dem einst in Wattwil heimischen Kunstmaler Willy Fries hat die Region Toggenburg eine historische Persönlichkeit», erklärt der Schriftleiter des Vereins für Heimatkunde Bruno Wickli in seiner Begrüssungsrede im Gemeindehaus.

Wattwil ist auch die Heimat des 20-jährigen, ehemaligen Kantonsschülers Samuel Gossweiler, der mit seinem Buch über Willy Fries und dessen «Passion» eine Ausgabe für die Toggenburgerblätter für Heimatkunde gestellt hat.

Im Fokus steht ein 18 Bilder umfassender Zyklus

In seiner Lesung des Buches «Willy Fries – Künstler, Zeitkritiker, Staatsfeind» vor Freunden, Bekannten und geschichtlich Interessierten gab Gossweiler einen Einblick in das Buch, welches als Maturarbeit begonnen hatte und sich mit dem Leben Willy Fries, den Entstehungskontexten seiner Werke sowie deren Rezeptionsgeschichte befasst.

Im Anschluss an die Lesung signierte Samuel Gossweiler (sitzend) im Foyer des Gemeindehauses fleissig Bücher.

Im Anschluss an die Lesung signierte Samuel Gossweiler (sitzend) im Foyer des Gemeindehauses fleissig Bücher.

Bild: Jan Zikeli (Wattwil, 24. September 2020)

Im Fokus dabei steht der 18 Bilder umfassende Zyklus, «die Passion», dessen Inhalt hoch brisant war und in der damaligen Schweiz die Gemüter erhitzte.

Beeinflusst von seiner Studienzeit in Berlin, wo er den Aufstieg des Nationalsozialismus und Adolf Hitlers miterlebt hatte sowie von seinen engen Kontakten zur Bekennenden Kirche begann Willy Fries 1935 die Arbeit an der «Passion». Der breiten Öffentlichkeit wurde sie 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zugänglich gemacht.

Der Leidensweg Jesus Christus in Wattwil

Der Bilderzyklus zeigt den Leidensweg von Jesus Christus, Schauplatz ist jedoch nicht Jerusalem, sondern Wattwil. Christus wird malerisch in die damalige Zeit transportiert und durch einen äusserlich an Hitler erinnernden Judas verraten sowie schliesslich durch Schweizer Soldaten gekreuzigt. Samuel Gossweiler erklärt:

«So wurden mit den Bildern einerseits die Gräueltaten des Dritten Reiches angeprangert, andererseits aber auch die Gleichgültigkeit der schweizerischen Bevölkerung kritisiert»

Entsprechend rezitiert er den gesellschaftskritischen Kunstmaler: «Die Gegenwart war erneut im Begriff, den Christus an das Kreuz zu schlagen.» Willy Fries wollte seine schweizerischen Mitbürger aufrütteln aber auch ein zeitloses Bekenntnis schaffen, weshalb «die Passion» auch nicht mit der Kreuzigung seinen Abschluss findet, sondern hoffnungsvoll mit dem Auferstehen Jesu Christi.

«Er ist es wert, nicht in Vergessenheit zu geraten»

Es mag kaum überraschen, dass diese Darstellungen in den Medien polarisierend wirkten. Nebst einer Mehrheit von positiven und lobenden Reaktionen, vor allem in religiösen Blättern, stiess das Werk auch auf vehemente Kritik. Kulminationspunkt davon war wohl die Aussage des Berner Nationalrates und späteren Bundesrates Markus Feldmann, der das Bild «Dornenkrönung» 1951 als «liederliche, infame Geschichtsfälschung» bezeichnete.

Dank eines reichen Quellenfundus, welchen Samuel Gossweiler im Archiv der Stiftung Willy Fries vorfand, war es ihm möglich solche Reaktionen auf den Bilderzyklus zu sichten, historisch auszuwerten und somit einen umfassenden Eindruck der medialen Präsenz der «Passion» zu vermitteln.

Auch der Ratsschreiber der Gemeinde Wattwil Roger Meier (rechts) lässt sich seine Ausgabe von Samuel Gossweiler signieren.

Auch der Ratsschreiber der Gemeinde Wattwil Roger Meier (rechts) lässt sich seine Ausgabe von Samuel Gossweiler signieren.

Bild: Jan Zikeli (Wattwil, 24. September 2020)

Gossweilers Buch zeichnet sich nicht zuletzt durch diese reichhaltige Dokumentation aus und bestätigt, was er gegen Ende seiner Lesung den Zuhörern mitgab:

«Dass Willy Fries es wert ist nicht in Vergessenheit zu geraten, sondern historisch aufgearbeitet sowie künstlerisch neu entdeckt zu werden»

Das Buch von Samuel Gossweiler tut genau dies und leistet einen faszinierenden Beitrag zur Lokalgeschichte und darüber hinaus. Dieser Meinung ist auch der Gemeinderat Hansheiri Keller, der die Besucher in seinem Schlusswort dazu anhielt, sich für ihre Heimat einzusetzen und die Lesung in diesem Sinne mit den Worten beendete: «Bleiben sie dem Toggenburg treu.»

In lokalen Buchhandlungen erhältlich

«Willy Fries – Künstler, Zeitkritiker, Staatsfeind» ist sowohl in lokalen Buchhandlungen, wie dem Kostezer und Thurshop als auch online über das Verlagshaus Schwellbrunn erhältlich.