Serie

Advents-Serie Folge 2: «Der Christbaum erfreut mich meistens bis im März»

Verschiedene Traditionen prägen die Advents- und Weihnachtszeit. Doch nicht in jedem Land und in jeder Familie wird auf die gleiche Weise gefeiert. Im Rahmen dieser Serie erzählen Menschen aus aller Welt ihre persönliche Weihnachtsgeschichte. In dieser Folge erzählt die in Oberhelfenschwil wohnhafte Zürcher Märchenfrau Rose Rengel von ihren liebsten Traditionen.

Aufgezeichnet von Anina Rütsche
Drucken
Teilen
In ihrem «Märli-Paradies» in Wattwil bietet Rose Rengel unter anderem Engelsfiguren zum Verkauf an. (Bild: Anina Rütsche)

In ihrem «Märli-Paradies» in Wattwil bietet Rose Rengel unter anderem Engelsfiguren zum Verkauf an. (Bild: Anina Rütsche)

Ich liebe Weihnachtsdekorationen aller Art und beginne schon Anfang November damit, mein Daheim festlich zu schmücken. Dafür verwende ich Sterne aus Glitzerfolie und Samichlausfiguren. Einige meiner Figuren können sogar Lieder zum Besten geben, das freut mich jeweils besonders, und dann singe ich gleich mit.

Mir bereitet es jeweils auch grosse Freude, meinen Christbaum zu schmücken – stets wähle ich eine riesige Nordmanntanne aus, denn das ist meine Lieblingssorte. Jedes Jahr darf an meinem Christbaum eine andere Farbe die Hauptrolle spielen. Letztes Jahr beispielsweise war es Hellblau, dieses Jahr habe ich mich für Rot entschieden.

Frühlingsgefühle lösen den Christbaum ab

Den Christbaum lasse ich in der Stube, bis bei mir Frühlingsgefühle aufkommen. Das kann schon mal bis März dauern. Manche Leute wundern sich darüber. Doch mir gefällt es so am besten, denn die Adventszeit dauert mir viel zu kurz. Übrigens brennen an meinem Christbaum keine echten Kerzen, sondern elektrische Lichterketten. Feuer so nahe an einem trockenen Baum wäre mir zu gefährlich. Ich möchte ja nicht, dass ausgerechnet das Weihnachtsfest zu einem Drama wird.

Advent und Weihnachten haben mir schon als Kind sehr viel bedeutet. Mir gefallen die vielen Lichter und die Geschichten, welche diese ansonsten sehr dunklen Wochen zu etwas Magischem machen. Den Heiligabend feiere ich noch immer so, wie ich es von früher her kenne.

Das Schenken ist bis heute wichtig

Ich bin in den 50er-Jahren im Kanton Zürich aufgewachsen, und Weihnachten verlief bei uns auf damals übliche, traditionelle Art. Erst, wenn das Christkind mit seinem Glöckli bimmelte, durften wir Kinder in die Stube zum Christbaum und den Geschenken – das Schenken ist mir bis heute wichtig. Allerdings weiss ich noch, dass früher manchmal überhaupt nicht das in den Päckli drin war, was ich mir wünschte.

Meine Gotte beispielsweise legte mehr Wert auf Nützliches als auf Spielsachen. Und so bekam ich etappenweise ein ganzes Besteck-Set aus Silber, was mich als Mädchen zutiefst enttäuscht hat. Zum Glück verstanden meine Eltern diese Not und kauften mir, als ich noch ganz klein war, beispielsweise einen herzigen Schaukelschwan. Später, als Jugendliche, erhielt ich Zubehör zum Reiten, da dies zu jener Zeit mein liebstes Hobby war.

Früher kochte meine Mutter an Heiligabend immer Rindsbraten mit Kartoffelstock und Rotkraut. Diese Tradition führe ich nun weiter. Ich lade auch gerne Angehörige ein, um am 24. Dezember gemeinsam zu feiern. Neben dem Essen hat das Singen bei uns einen hohen Stellenwert. Wir machen das auf besondere Art. Zu den altbekannten Melodien habe ich neue Texte geschrieben. Ich mag die persönliche Note, die dadurch entsteht, sehr.

Sängerin und Märchenautorin

Rose Rengel, Jahrgang 1947, ist an verschiedenen Orten im Kanton Zürich aufgewachsen. Heute wohnt sie in Oberhelfenschwil. Sie ist Sängerin bei den «Sunday Skifflers» und Märchenautorin. In Wattwil führt sie ihren eigenen Laden, das «Märli-Paradies». (aru)
www.maerliparadies.ch

Auf dieser Übersichtsseite sehen Sie alle Teile der Serie