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Der Campus Wattwil wird als Symbol für das Miteinander von Gymnasium und Berufslehre angesehen

Eine hochkarätige Runde an Referenten diskutierte in Wattwil über das Bildungssystem und das Campus-Projekt.
Timon Kobelt
Podium am Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg in Wattwil (von links): KGV-Präsident Andreas Hartmann, BWZT-Rektor Matthias Unseld, Moderator Mathias Müller, Regierungsrat Bruno Damann, IHK-Präsident Markus Bänziger und Kanti-Rektor Martin Gauer. (Bild: Timon Kobelt)

Podium am Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg in Wattwil (von links): KGV-Präsident Andreas Hartmann, BWZT-Rektor Matthias Unseld, Moderator Mathias Müller, Regierungsrat Bruno Damann, IHK-Präsident Markus Bänziger und Kanti-Rektor Martin Gauer. (Bild: Timon Kobelt)

Es war eine bemerkenswerte Anekdote, die Willi Stammherr von der Gründergeneration der Kanti Wattwil zu erzählen wusste. «Bei der Gründung sagte der damalige Berufsschulrektor zum ersten Rektor der Kanti: ‹Unsere Schüler sind etwas dümmer, eure etwas intelligenter›.» Er sei sehr froh, dass fast 50 Jahre später diese Vorurteile überwunden seien und die beiden Schulen das Ziel eines gemeinsamen Campus verfolgten.

Der Campus Wattwil und das Koexistieren zwischen gymnasialem Abschluss und einer Berufslehre der Schweiz waren am Montagabend die zentralen Themen im Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg (BWZT) in Wattwil. Letzteres stand im Vordergrund, da es zum Campus im Grunde nichts Neues mehr zu sagen gibt. Wattwils Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner erläuterte zu Beginn jedoch nochmals kurz die Geschichte, wie das Projekt entstanden ist. Rund 60 Interessierte, die den Weg zur Veranstaltung der CVP Toggenburg gefunden hatten, lauschten seinen Ausführungen.

Miteinander und kein Gegeneinander

Die Anwesenden trafen an diesem Abend auf eine hochkarätige Runde von Referenten: CVP-Regierungsrat Bruno Damann, Kantonsrat und Präsident des Kantonalen Gewerbeverbands (KGV) Andreas Hartmann, der Präsident der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell Markus Bänziger sowie die Rektoren von BWZT und Kanti Matthias Unseld und Martin Gauer. In einem Punkt waren sich alle einig und knüpften an Willi Stammherrs Aussage an: Es brauche sowohl die Gymnasiasten als auch die Berufslernenden – ein Miteinander und kein Gegeneinander also.

«Das Ausland beneidet uns um unser Bildungssystem», sagte Regierungsrat Damann. Zwar sei er weder der Bildungsdirektor noch habe er bei der Campus-Vorlage gross mitgewirkt, und dennoch liege ihm die Berufsbildung sehr am Herzen. Als Arzt verfolge er zudem das Thema Fachkräftemangel sehr genau. «Mit dem Joint Medical Master an der HSG und der IT-Bildungsoffensive etabliert der Kanton wichtige Angebote, welche die Rückgewinnung von Fach- und Führungskräften fördern», sagte Damann. Mit weiteren Massnahmen wie dem Sprungbrett-Event St.Gallen-Appenzell oder der Webseite «Wilder Osten» wolle man dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Bildungssystem ist stark reguliert

KGV-Präsident Andreas Hartmann unterstrich den Wert des dualen Bildungssystems. Dieses steht dafür, dass Lernende in der Schweiz in einem Betrieb einerseits und in der Berufsschule andererseits ausgebildet werden. Diesem System gelte es Sorge zu tragen.

«Dank der Durchlässigkeit unseres Bildungssystems kann eine anfängliche Köchin als diplomierte Lebensmitteltechnologin herauskommen. Bei uns ist die Tellerwäscherkarriere kein Mythos wie in den Hollywoodfilmen.»

Damit dies so bleibe, sei es entscheidend, dass die Ausbildungsbetriebe mitmachten. Der administrative Aufwand dürfe nicht zu hoch werden. Abschliessend hielt er fest, dass der KGV keine Maturaquote wolle.

Die frühe Integration ins Berufsleben sei ein wichtiger Erfolgsfaktor des Schweizer Bildungssystems, sagte IHK-Präsident Markus Bänziger. «Eine Schwäche sehe ich aber darin, dass das es stark reguliert ist und alles sehr langsam geht. So dauert es heute bis zu zehn Jahren, bis ein neues Berufsbild effektiv unterrichtet wird», so Bänziger. Die IHK sehe die Zukunft in kompetenzorientierten Berufsfachschulen, sprich in einzelnen Schulen für Logistik, Gesundheit und viele Bereiche mehr.

Kanti-Rektor Martin Gauer betonte, dass die Jungen ermutigt werden müssten, sich gute Ausbildungen zuzutrauen:

«Die Maturaquote im Kanton St.Gallen liegt deutlich unter dem nationalen Schnitt, die Berufsmaturaquote deckt sich sehr genau. Wir müssen aufpassen, dass wir kein Potenzial vergeben.»

Die Gefahr, dass die Jugendarbeitslosigkeit bei einer höheren Matura zunehmen könnte, relativierte er. «Im Süddeutschen Raum gibt es Bundesländer mit höherer Maturaquote als die Schweiz und die Jugendarbeitslosigkeit ist sogar noch ein wenig tiefer als bei uns.»

Matthias Unseld betonte, dass nicht nur materiell, sondern auch intellektuell investiert werden müsse. Damit meinte er etwa Lehrpersonen. Ausserdem sagte er:

«Ich war einmal im Wintersport tätig. Wie dort darf auch in der Bildung der Breitensport nicht vergessen werden. Die Betriebe müssen ihre Leute in die Ausbildungen schicken.»

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