Der «Bären» soll in neue Tatzen kommen

Werner und Bea Hollenstein wollen das Restaurant Bären in Mosnang mittelfristig in neue Hände übergeben. Dabei ist es ihr Wunsch, dass die Liegenschaft weiterhin als Restaurant genutzt wird. Obwohl die Voraussetzungen dafür stimmten, gibt es keine Garantie.

Timon Kobelt
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Der Mosnanger Werner und die Ebnaterin Bea Hollenstein haben nach wie vor Freude am Wirten. (Bild: Timon Kobelt)

Der Mosnanger Werner und die Ebnaterin Bea Hollenstein haben nach wie vor Freude am Wirten. (Bild: Timon Kobelt)

«Wir wollen unseren Kunden reinen Wein einschenken», sagt Werner Hollenstein vom «Bären» in Mosnang. Er und seine Frau hätten sich bewusst dazu entschlossen, an die Öffentlichkeit zu treten und zu verkünden, dass sie den «Bären» verkaufen wollen. «So vermeiden wir, dass es in der Gerüchteküche zu stark brodelt», sagt Werner Hollenstein.

Während 30 Jahren den «Bären» geführt

Dann also zu den Fakten: Im April 1988 haben sie das Restaurant übernommen und während rund 30 Jahren mit Herzblut geführt. «Und wir wollen es auch weiterhin führen, bis wir einen Käufer gefunden haben», stellt Werner Hollenstein klar. Der «Bären» geht also nicht von heute auf morgen zu. Sie seien auch bereit, während einer Übergangszeit weiterzuarbeiten, sollte dies ein potenzieller Käufer wünschen. «Wir sind sehr flexibel und haben nach wie vor Freude an der Arbeit», sagt Bea Hollenstein.

Trotz der Freude sahen sie es an der Zeit, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Werner Hollenstein ist 62 und seine Frau Bea 58 Jahre alt. Ihre beiden Kinder hat es in andere Branchen gezogen, somit kommen diese nicht für die Fortführung des Restaurantbetriebs infrage. Dass der «Bären» weiterhin ein Restaurant bleibt, wünscht sich das Ehepaar von Herzen. Schliesslich hätten sie sich einen gewissen Namen erarbeitet, so Werner Hollenstein. Besonders stolz sind sie darauf, dass der «Bären» seit 1993 der Gilde etablierter Gastronomen angehört. Nur ein Prozent aller Schweizer Gastronomiebetriebe sind Mitglieder dieser Fachvereinigung.

Nach Ansicht der Hollensteins sind die Voraussetzungen gegeben, dass der «Bären» weiterhin ein Restaurant bleibt. «Erst vor einem Jahr haben wir die Fassade und das Dach der Liegenschaft renoviert», sagt Werner Hollenstein. Auch innen sei alles in gutem Zustand und es bestehe Wohnraum im oberen Stock, der von den künftigen Besitzern genutzt werden könne.

Professionalität im Verkaufsprozedere

Verkäufe von Restaurants sind nicht immer von Erfolg gekrönt. Das zeigt das jüngste Beispiel der «Rose» in Müselbach, die der Käufer nicht wie versprochen als Restaurant weiterführt, sondern nun umnutzt. Auch aufgrund solcher Beispiele entschieden sich die Hollensteins dazu, im Verkaufsprozedere die nötige Professionalität beizuziehen. Dies machen sie in der Person von Claudia Widmer Hüberli, die für die HEV Verwaltungs AG arbeitet. «Ich fungiere als neutrales Bindeglied zwischen den Verkäufern und den Interessenten», sagt sie. Im konkreten Fall umfasse ihre Dienstleistung, dass sie bei den Vorbereitungen für die Preisfindung mithalf. Der Preis werde in den nächsten Tagen im Internet publiziert. Ausserdem beriet sie die Hollensteins in der Verkaufsstrategie und hat ein professionelles Dossier ausgearbeitet, in dem die wichtigsten Eckdaten zum «Bären» festgehalten sind (siehe Kasten). Auch in rechtlichen Fragen, sprich bei Verträgen, wird sie die Hollensteins unterstützen. «Somit können sich die Gastronomen weiterhin auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, was sehr wichtig ist», sagt Claudia Widmer Hüberli.

Genügend Zeit beim Verkauf einplanen

Besonders wichtig beim Verkauf eines Restaurants ist, dass man nicht unter Zeitdruck steht. «Wer genug früh an die Zukunft denkt und sich mit der Nachfolge des Betriebes auseinandersetzt, bringt sich automatisch in eine vorteilhaftere Verhandlungsposition», sagt Claudia Widmer Hüberli von der HEV Verwaltungs AG. Da dies im Falle des «Bären» erfüllt sei, sei sie zuversichtlich, dass eine gute Nachfolgelösung gefunden werde.

Ebenfalls entscheidend sei, dass die Gastronomiebetriebe ihre «Hausaufgaben» sauber erledigten. «Damit meine ich, dass alles seriös dokumentiert ist, wie etwa die Beurteilung von Zustand und Wert des Gebäudes sowie eine saubere Bestandesaufnahme», sagt Claudia Widmer Hüberli. Dann könne sie ein aussagekräftiges und detailliertes Verkaufsdossier für die Interessenten erstellen.

Das schlimmste Vorgehen für ein Restaurant sei, wenn es den Betrieb sukzessive einstelle, zumache und dann einen Käufer suche. «Am idealsten ist, wenn der Betrieb fliessend an einen Nachfolger übergeben werden kann. Dieser kann wie im vorliegenden Fall vom Namen des ‹Bären› profitieren, die Kundschaft übernehmen und muss nicht bei Null starten», sagt Claudia Widmer Hüberli. Daher sei es verkaufsfördernd, wenn auch in den letzten Geschäftsjahren in die Restaurantliegenschaft investiert und der nötige Unterhalt ausgeführt werde.

Den Käufer zu verpflichten, dass das Objekt weiterhin als Restaurant genutzt werden muss, sei rechtlich nicht möglich. Wenn ein potenzieller Kaufinteressent aber den Zustand der Liegenschaft und des Restaurantbetriebes genau betrachte, sei es naheliegend, dass er den Gastronomiebetrieb weiterführen möchte. Denn eine Umnutzung der Liegenschaft sei teuer und vernichte viel Substanz. (tik)