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Der b-treff in Ebnat-Kappel bietet Begegnungen auf der persönlichen Ebene

An der Industriestrasse 45a in Ebnat-Kappel hat der Verein b-treff seit Dezember 2017 eine vielschichtige Arbeit aufgenommen. Sie wird rege in Anspruch genommen. Im letzten Vereinsjahr über 1500 Mal.
Peter Küpfer
Hier werden im b-treff gemeinsam Momos zubereitet. Teigtaschen, die vorwiegend in der Region am Himalaya gegessen werden. (Bild: PD)

Hier werden im b-treff gemeinsam Momos zubereitet. Teigtaschen, die vorwiegend in der Region am Himalaya gegessen werden. (Bild: PD)

Es ist ein etwas unfreundlicher Frühlingsnachmittag – kühl, Nieselregen, vorherrschende Grautöne. Das betrifft aber nur das Wetter. Im Aufenthaltsraum an der Industriestrasse 45a im b-treff ist es gemütlich.

Es ist Kaffee da und ein Teller mit Biskuits. Am runden Tisch sitzt neben den Vorstandsmitgliedern Maja Schegg und Beat Schegg auch Max (Name von der Redaktion geändert). Er hat von einem Bekannten den Tipp bekommen, hier könne man bei Bedarf Beratung und auch Hilfestellung in schwierigen Lebenslagen bekommen.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Max hat einen Zettel vor sich mit Notizen, die das Wichtige im vorangegangenen Gespräch mit den beiden Ansprechpersonen festhalten. Er hat vor einiger Zeit einer Privatperson einen beachtlichen Geldbetrag ausgeliehen und sieht sich nun vor unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten, sein Geld wieder zurückzubekommen.

Beat Schegg, Präsident Verein b-treff. (Bild: PD)

Beat Schegg, Präsident Verein b-treff. (Bild: PD)

Das Ehepaar Schegg hört zu, berät ihn in der Sache und entwickelt im Gespräch einen führ ihn gangbaren Weg. Man merkt Max seine Erleichterung an. Später kommen weitere Besucher. Innerhalb von zwei Stunden waren es deren vier, drei Personen aus der Nähe, eine mit Migrationshintergrund.

Die direkte Begegnung fördern

«Unser Hauptzweck ist die Führung eines offenen Treffpunktes als Begegnungsort », erklärt Beat Schegg, Präsident des Vereins. Seit einem guten Jahr bietet der Verein in den Räumen des b-treffs regelmässig niederschwellige Kontaktmöglichkeiten und Veranstaltungen für Einzelne, Familien und Gruppen an, auch solche in herausfordernden Lebenslagen: offene Beratung und Hilfestellungen, ein Mittagstisch, eine Kleiderbörse, Tischtennisspiele, Vermittlung von Deutschkursen, Kochen und anderes.

Alles unbürokratisch und mit hoher Sachkompetenz. Dabei gibt es auch Schnittstellen, wie Maja Schegg erklärt. Jugendliche kommen beispielsweise zum Ping-Pong-Spielen und sind dabei in Kontakt mit anderen jungen Menschen, oft aus ganz anderen Erdteilen und mit ähnlichen Schicksalen. Ganz beiläufig erfahren sie dabei auch, wo und wie sie die hiesige Sprache am einfachsten lernen können.

Das bestehende Angebot der Ämter ergänzen

Inzwischen realisieren die rund 20 freiwilligen Mitwirkenden des Vereins im b-treff eine vielseitige und mehrschichtige Integrationstätigkeit mit Personen, denen oft die soziale Isolation zu schaffen macht. Das setzt echten Kontakt voraus, sagt Beat Schegg und er betont: «Wir konkurrenzieren keine bestehenden Institutionen. Wir arbeiten intensiv mit ähnlichen Organisationen und sozialen Netzen, auch mit Ämtern und Behörden zusammen.»

Es gibt aber auch die Angebote, wie das regelmässige Ping-Pong-Spiel, in denen einfach der Spass der Anwesenden im spielerischen Miteinander im Zentrum steht. Das Wichtigste sei ihnen Raum für echte Begegnung zu schaffen: «Wir ergänzen damit das schon bestehende Angebot mit dem, was Institutionen oft nicht auch noch leisten können: Zeit, offene Ohren, Vermittlung und praktische Hilfe», so Schegg. Offensichtlich mit Erfolg. Im vergangenen Vereinsjahr wurden entsprechende Angebote mehr als 1500 Mal in Anspruch genommen.

Theater-Gastspiel am Samstag

Solche Begegnungen werden auch durch kulturelle Veranstaltungen angestrebt. Im vergangenen Jahr wurden im b-treff im Saal im ersten Stock vier Konzerte und eine Lesung durchgeführt, welche das Zusammenwirken von Personen aus verschiedenen Bereichen und Kulturen auch künstlerisch realisierten.

Eine in dieser Hinsicht ausserordentliche Theateraufführung im b-treff Ebnat-Kappel ist für kommenden Samstag, 4. Mai, um 19 Uhr angesagt.

Der Sturm von Sasà

Ein Theaterprojekt mit zwölf Flüchtlingen aus St. Gallen und Umgebung, das Menschen, Sprachen und Kulturen verbindet, wird diesen Samstag, 4. Mai, im b-treff aufgeführt. Der belgische Regisseur Pierre Massaux bringt Salvatore Strianos erstes Buch «Der Sturm von Sasà» auf die Bühne. Er hat dieses Stück mit Asylsuchenden einstudiert. Viele von ihnen haben nur einfache Deutschkenntnisse, doch sie spielen Shakespeare mit einem Selbstvertrauen, das sie durch die Arbeit mit dem belgischen Regisseur gewonnen haben.

Das Leben von Salvatore Striano genannt Sasà schien schon lange vorbestimmt. In den schlimmsten Stadtteilen Napolis, wo er aufwuchs, verkaufte er im Alter von sieben Jahren Zigaretten, stahl mit neun Jahren Schminkartikel, die er wiederum an Prostituierte verkaufte, und war mit 14 Jahren schon Teil einer Gang. Gewalt durchdrang seine Haut, Kokain sein Blut. Mit kaum 30 Jahren endete er in einer spanischen Zelle, bevor er nach Italien überführt wurde.

In der Hölle und der Verzweiflung des Gefängnisses änderte sich seine Lebensrichtung. Er lernt Fabio Cavalli kennen, der ihm Bücher, Shakespeare und das Theater näherbringen wird. Die Literatur beginnt durch seine Adern zu fliessen, wie eine Droge, die nicht tötet, sondern rettet. Sasà ist das lebendige Beispiel dafür, dass Literatur ein Leben verändern kann. Diese Erzählung berichtet von dem, der aus der Hölle des Gefängnisses auferstanden ist und nun als einer der erstaunlichsten geschätzten italienischen Schauspieler gepriesen wird. (pd/lim)

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