Wo die Strompreise elektrisieren

Die Elektrizitätswerke im Toggenburg spüren den Preisanstieg auf den Strommärkten in Europa. Der Einkauf der elektrischen Energie wird teurer. Das spiegelt sich in den Tarifen wider, welche die Konsumenten bezahlen müssen, obwohl das Toggenburg alles in allem günstige Tarife hat. Zwischen den einzelnen Gemeinden gibt es markante Unterschiede.

Martin Knoepfel
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Das Kraftwerk Trempel in Krummenau. (Bild: Martin Knoepfel)

Das Kraftwerk Trempel in Krummenau. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Siegerpreis geht dieses Jahr nach Hemberg. Die bevölkerungsmässig kleinste Toggenburger Gemeinde hat nächstes Jahr den günstigsten Strom. 15,52 Rappen kostet die Kilowattstunde (KWh) in der Kategorie H5 (siehe Kasten). Das ist gegenüber dem laufenden Jahr ein Plus von 0,68 Rappen. Das zeigt ein Preisvergleich, den das «Toggenburger Tagblatt» anhand der Angaben im Internet-Auftritt der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (Elcom, siehe Kasten) anstellte.

Keine Gemeinde wurde günstiger

Wie schon von 2017 auf 2018 steigen die Strompreise im Toggenburg auch nächstes Jahr erneut auf breiter Front. Keine Gemeinde verzeichnet einen tieferen oder unveränderten Strompreis.

Im Gegensatz zu früher ist der Preisanstieg für 2019 aber nicht der Kostendeckenden Einspeisevergütung geschuldet. Auch die Netznutzung wurde billiger. Dagegen legen die Strompreise europaweit zu. Der Aufschlag in Hemberg ist auf die um 0,79 Rappen teureren Preise für die Energie zurückzuführen.

Auf dem Platz 2 unter den Toggenburger Gemeinden findet man Lütisburg mit 16,10 Rappen pro KWh. Das sind 0,81 Rappen mehr als in diesem Jahr.

Gedränge auf Rang 3

Auf dem Rang 3 liegen drei Gemeinden, in denen der Strom gleich teuer ist. In Lichtensteig, Oberhelfenschwil und Wildhaus-Alt St. Johann erhält man für 16,12 Rappen eine Kilowattstunde elektrischer Energie, wenn man Verbraucher in der Kategorie H5 ist. In den drei Gemeinden liegt der Aufschlag bei 0,68 Rappen.

In Hemberg, Lichtensteig, Oberhelfenschwil und Wildhaus-Alt St. Johann sind die SAK der Endversorger (Elektrizitätsversorgungsunternehmen, EVU). Stromfirmen sind gesetzlich verpflichtet, überall, wo sie als EVU tätig sind, den gleichen Energiepreis zu verrechnen.

Abgaben machen einen Unterschied

In Hemberg müssen die SAK aber keine Abgabe an die Gemeinde bezahlen. In Lichtensteig, Oberhelfenschwil und Wildhaus-Alt St. Johann erhalten die Gemeinden je 0,60 Rappen pro KWh. Das erklärt den günstigeren Strom in Hemberg.

Spitzenreiter Mosnang zurückgefallen

Unwesentlich teurer als diese drei Gemeinden ist Nesslau mit 16,17 (+ 1,01) Rappen. In Wattwil kostet die elektrische Energie im nächsten Jahr 16,31 Rappen. Das sind 0,87 Rappen mehr als dieses Jahr. Auf Platz Acht findet man Neckertal mit 16,37 (+ 0,16) Rappen.

Zurückgefallen auf den neunten Platz ist der letztjährige Spitzenreiter Mosnang. Dort kostet die Kilowattstunde nächstes Jahr 16,45 Rappen. Das ist ein Aufschlag von 1,12 Rappen im Vergleich zu diesem Jahr.

Höhere Kosten für das Netz

In drei Gemeinden kostet die elektrische Energie 2019 über 17 Rappen pro KWh. In Bütschwil-Ganterschwil sind es 17,38 Rappen. In Kirchberg zahlt man 17,78 Rappen. Der Aufschlag gegenüber 2018 erreicht in beiden Gemeinden je 1,50 Rappen.

Endversorger ist jeweils die Regionalwerk Toggenburg AG. Aufs nächste Jahr steigt in diesen beiden Gemeinden der Preis für den eingekauften Strom um 0,65 Rappen pro KWh. Daneben schlägt die Netznutzung um nicht weniger als 0,85 Rappen auf.

Ebnat-Kappel erneut mit dem teuersten Strom

Es gibt auch andere Gemeinden, in denen die Netznutzung teurer wird, zum Beispiel Wattwil, aber sie legt nicht in diesem Ausmass zu. Der Unterschied zwischen dem Bütschwiler und dem Kirchberger Strompreis liegt in den Abgaben an die Gemeinde.

Erneut hat Ebnat-Kappel nächstes Jahr den teuersten Strom im Toggenburg mit künftig 17,91 Rappen pro KWh. Der Aufschlag gegenüber 2018 ist mit 0,38 Rappen aber gering. Tiefere Kosten der Netznutzung federn die teurere Energie zum Teil ab.

Zersplitterte Stromlandschaft im Toggenburg

In einigen Gemeinden sind mehrere EVU tätig. Der Strompreis, der für solche Gemeinden angegeben wird, ist das nicht-gewichtete Mittel der Preise der einzelnen Anbieter.

Ein Beispiel ist Mosnang. Bei der Elektroversorgung Mühlrüti bezahlt man 17,17 Rappen pro KWh. Günstiger sind die Dorfkorporation Mosnang mit 16,66 und die SAK mit 15,52 Rappen.

Auch in Ebnat-Kappel gibt es drei EVU. 17,48 Rappen verlang die Elektrokorporation Wintersberg-Bendel Schwand. Bei der Dorfkorporation sind es 18,34 Rappen. Allerdings gehen davon noch 0,50 Rappen ans Gemeinwesen. Bei der Elektrokorporation Blomberg-Brandholz fand das «Toggenburger Tagblatt» in der Kategorie H5 keinen Preis.

In Moos und Dieselbach ist es am billigsten

In Nesslau verlangt die Elektrokorporation Lutenwil nächstes Jahr 16,22 Rappen. Bei den SAK sind es 16,12 Rappen. Die Tarife der Beleuchtungskorporation Schlatt-Gublen fehlen noch.

In Wattwil liegt die Elektrogenossenschaft Ulisbach mit 15,54 Rappen pro KWh klar unter dem kantonalen Mittel. Die Thurwerke verrechnen 17,08 Rappen und liegen damit leicht unter dem kantonalen Mittel.

In Lütisburg und Neckertal kostet der Strom bei der Elektrizitätsgenossenschaft Moos-Dieselbach 14,82 Rappen. Das ist der tiefste Preis der Kategorie H5 im ganzen Toggenburg und einer der tiefsten im Kanton. Geringere Kosten für die Netznutzung federten die Teuerung beim Stromeinkauf ab. Die Regionalwerk Toggenburg AG verrechnet in Lütisburg 17,38 Rappen, gleich wie in Bütschwil-Ganterschwil. Lütisburg kennt keine Abgabe der Endversorger.

Günstigster und teurer Endversorger nahe beieinander

In der flächenmässig grossen Gemeinde Neckertal findet man mit vier am meisten Endversorger. Die Elektrizitätsgenossenschaft Moos-Dieselbach verlangt am wenigsten für den Strom.

Die Dorfkorporation Dicken zählt mit 19,27 Rappen zu den teuersten EVU im Kanton, wobei schon die Netznutzung 10,53 Rappen kostet. Die SAK liegen mit 16,12 Rappen pro KWh dazwischen, bei einer Netznutzung von unter 7 Rappen.

Günstiger als die SAK ist die Elektrokorporation Wald-St. Peterzell mit 15,26 Rappen, wobei die Energie nur 4,94 Rappen kostet. Die Abgabe an die Gemeinde erreicht bei den SAK und bei der Dorfkorporation Dicken jeweils 0,6 Rappen pro KWh. Die beiden anderen Endversorger zahlen der Gemeinde keine Abgaben.

Grosse Unterschiede in der Nachbarschaft

Grosse Unterschiede gibt es auch bei den Strompreisen in den Nachbargemeinden. In Grabs sind es 17,08 und in Gams 18,87 Rappen pro KWh. In Gommiswald und Eschenbach kostet es in der Kategorie H5 je 16,12 Rappen, während Kaltbrunn mit 14,4 Rappen zu den günstigeren Gemeinden im Kanton zählt.

In Oberuzwil bezahlt man für den Strom 15,62 Rappen. In Degersheim und Jonschwil sind es 16,13 und 16,51 Rappen. Von den drei grössten Gemeinden im Kanton St. Gallen hat Wil mit 16,3 Rappen günstigeren Strom als Rapperswil-Jona mit 17,29 und die Stadt St. Gallen mit 18,1 Rappen pro KWh.

Mörschwil liegt erneut vorne

Den tiefsten Preis im Kanton hat 2019 erneut Mörschwil mit 13,27 Rappen, knapp vor Tübach mit 13,36 Rappen pro KWh.

Am teuersten ist Berneck mit 20,64 Rappen. Berneck ist auch die einzige Gemeinde im Kanton, in der der Strom über 20 Rappen pro KWh kostet. Knapp dahinter und am zweitteuersten ist Wartau mit 19,96 Rappen.

In Appenzell Innerrhoden beträgt der Strompreis – das teurere Oberegg ausgenommen – 15,76 oder 16 Rappen pro KWh. In Appenzell Ausserrhoden ist Schwellbrunn mit 15,39 Rappen günstiger als Hundwil und Schönengrund mit 15,52 respektive 17,28 Rappen. Urnäsch verlangt 19,16 Rappen.

Die «Strompreishölle» ist Basel Stadt

Den tiefsten Strompreis weist 2019 erneut Zürich auf, wenn man nur die Kantone ansieht. Im Limmat-Kanton zahlt man für die Kilowattstunde (KWh) 14,94 Rappen. Basel-Stadt bleibt die «Strompreishölle» mit 25,29 Rappen pro KWh.

Die Ostschweiz hat im landesweiten Vergleich günstigen Strom. Mit 15,52 Rappen ist Appenzell Ausserrhoden in der Ostschweiz am billigsten. Innerrhoden folgt mit 16 Rappen pro KWh vor dem Thurgau, wo es 16,93 Rappen kostet. In St. Gallen sind es 17,29 Rappen. Schaffhausen folgt mit 18,73 Rappen.

Die teuersten Ostschweizer Kantone sind Graubünden und Glarus mit mehr als 19 Rappen pro KWh. Teuer ist der Strom auch in den Kantonen Jura und Bern. Allerdings ist anzunehmen, dass die Kategorie H5 (siehe Kasten), die für den Vergleich gewählt wurde, in Basel-Stadt keine grosse Bedeutung hat.

Neun Toggenburger Gemeinden in der zweittiefsten Preiskategorie

Im st. gallischen Vergleich ist der Strom im Toggenburg weiterhin günstig. Neun Toggenburger Gemeinden finden sich in der zweittiefsten der fünf Kategorien, welche die Elcom definiert. Die übrigen drei – Kirchberg, Bütschwil-Ganterschwil und Ebnat-Kappel – sind in der mittleren Kategorie anzutreffen.

Der Schweizer Strompreis setzt sich für die Endverbraucher aus vier Komponenten zusammen. Die ersten beiden sind die Netznutzung und der Einkaufspreis des Stroms. Er wird in den Angaben zur Aufschlüsselung des Strompreises als Energie bezeichnet.

Dazu kommen allfällige Abgaben an die betreffende Gemeinde sowie die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) zur Förderung der alternativen und erneuerbaren Energien. Die KEV ist vom Bund auf 2,30 Rappen pro KWh festgelegt. Bei allen Strompreisen wird noch die Mehrwertsteuer fällig.

Regulator und Preisüberwacher

Die Elcom reguliert den Schweizer Strommarkt. Zugleich fungiert sie als eine Art Preisüberwacher für den nicht liberalisierten Teil des Strommarktes. Elcom ist die Abkürzung für die Eidgenössische Elektrizitätskommission.

In der Schweiz können nur die Grossverbraucher ihren Stromlieferanten frei wählen. Die Kleinkunden sind im Einzugsgebiet ihres Versorgers «gefangen», obwohl die Liberalisierung des Strommarkts auch für die Kleinkunden mehrfach versprochen worden war. Die Grenze für die freie Wahl liegt bei einem Strombezug von 100 Megawattstunden pro Jahr. Das gilt seit fast zehn Jahren.

Fünf-Zimmer-EFH als Vergleichsbasis

Alle Endversorger müssen ihre Tarife der Elcom melden. Die Elcom teilt die Verbraucher - Privathaushalte oder Firmen - in landesweit einheitliche Kategorien ein. Für den Vergleich der Strompreise im Toggenburg wurde wie schon in den letzten Jahren die Kategorie H5 gewählt.

Darin findet man Einfamilienhäuser mit fünf Zimmern sowie mit Elektroherd, Elektroboiler und Tumbler. Die Häuser haben einen Stromverbrauch von maximal 7500 Kilowattstunden pro Jahr. Bei anderen Kategorien können die Preise von den hier aufgeführten Zahlen abweichen.