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Crimer will an den Jazztagen ein «Depeche-Mode-Feeling» erzeugen

Eines der Highlights der diesjährigen Jazztage in Lichtensteig ist der Auftritt des Rheintaler Musikers Crimer. Der Newcomer verzaubert momentan die ganze Schweiz mit synthetischen Sounds, ausgefallenen Hüftschwungen und Musik, die an die frühen 80er-Jahre erinnert.
Corinne Bischof
80s-Pop ist sein Mittel zum Erfolg: Newcomer Musiker Alexander Frei alias Crimer. (Bild: Corinne Bischof)

80s-Pop ist sein Mittel zum Erfolg: Newcomer Musiker Alexander Frei alias Crimer. (Bild: Corinne Bischof)

Es ist schwierig, die Erscheinung des Musikers Crimer in Worte zu fassen. Er trägt enge, knapp knielange Hosen, ein bis oben zugeknöpftes Hemd, knallrote Socken, schwarze Lackschuhe und dunkelblau lackierte Fingernägel. Kaum zu glauben, dass der 28-Jährige Newcomer, der unter anderem auch für seinen Mittelscheitel bekannt ist, im kleinen Dorf Balgach im Rheintal aufgewachsen ist – und nicht etwa mitten in der Stadt Zürich. Kommenden Samstag steht er auf der Hauptbühne der Jazztage in Lichtensteig, nachdem er im vergangenen Jahr die Schweizer Musikszene im Sturm erobert hat.

Regionen wie das Toggenburg engen junge Musiker ein

Fragt man Crimer, der gebürtig Alexander Frei heisst, was er mit Lichtensteig und dem Toggenburg verbindet, erzählt er von anstrengenden Zeiten im Militär in Frauenfeld. Frauenfeld? «Ach nein, das liegt ja im Thurgau», kommt es ihm plötzlich in den Sinn und er lacht verlegen. «Das habe ich jetzt verwechselt. Mit dem Toggenburg verbinde ich, dass ich nie weiss, wo es ist, mann!», ruft er aus und lacht. Das Toggenburg sei wie das Rheintal, meint er, etwas abgeschieden vom Rest der Welt und kaum einer ausserhalb des Kantones kenne die Region. «Wir haben den Ribel, den man fast überall kennt. Was gibt es im Toggenburg?», stichelt er.

Trotzdem ist Crimer nicht dafür bekannt, das Rheintal in höchsten Tönen zu loben. «Solche Regionen wie das Toggenburg oder das Rheintal engen junge Musiker ein. Hier gibt es null Entfaltungschancen», meint er. Dennoch ist er froh, in einer ländlichen Region aufgewachsen zu sein. «Das gibt einem einen guten Ehrgeiz. Man will da raus. In einer Region aufzuwachsen, die musikalisch eher brach ist, kann einen enorm anspornen», erzählt er. «Hier fällt man auf, wenn man etwas Neues wagt und ein wenig anders ist. In urbaneren Gegenden verliert sich das schnell unter Hunderten.»

Crimer war schon in jungen Jahren oft anders als andere Kinder. «Jeder behauptet von sich, dass man der Erste gewesen war, der etwas Neues gewagt hat. Aber ich war es wirklich!», sagt er und lacht. «Ich wollte nie ein Paradiesvogel sein. Ich war es einfach», erzählt er. Nicht selten eckte er mit seiner Art im Dorf an, in der Zwischenzeit hat sich das aber geändert. «Ich spüre heute einen starken Rückhalt aus der Region. Auch von Menschen, von denen ich das nicht erwartet hätte. Das ist echt schön.»

Die 80er-Jahre sprudeln einfach so aus ihm heraus

Crimers musikalische Karriere begann in einer Kirchenband. Später spielte und sang er in eigenen Bands und dem Duo namens Zvieri Boys, bis er vor einigen Jahren sein Solo-Projekt begann. Seit letztem Jahr geht es für Crimer musikalisch steil aufwärts. SRF 3 zeichnete ihn dieses Jahr als «Best Talent» aus und seine erste Single «Brotherlove» läuft seit mehr als einem Jahr ununterbrochen in den Schweizer Radios. Diesen Sommer springt er von Konzert zu Konzert und von Festival zu Festival. «Wie mein Leben momentan aussieht? Huere guet», sagt er mit seiner typisch jugendlich-modernen Art.

«Ich stehe am Morgen auf und weiss, dass ich den ganzen Tag nur das mache, was mir wirklich Spass macht.»

Crimer hat der Musikszene gezeigt, dass 80s-Pop und schräge Tanzbewegungen durchaus grosses Potenzial haben können. Synthetische Sounds à la New Wave und Synthie-Pop: Das ist Crimers Style. Wieso er fern von seiner Generation genau 80er-Jahre Musik macht? «Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht und dachte mir, geil, mit 80s-Pop erobere ich die Welt» – sondern er mache einfach das, was aus ihm «useplätscheret», wie er sagt. «Ich kann auch nichts dafür, wenn es immer nach den 80er-Jahren klingt», sagt er schulterzuckend und fügt hinzu: «Das bin einfach ich.»

Kaum einer sagt diesen Satz mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Authentizität wie er. Crimer ist Crimer, und daran kann niemand zweifeln. Er verkörpert seine Musik vom berühmten Mittelscheitel bis hin zu den Zehennägeln, die vermutlich ebenfalls farbig bemalt sind.

Crimer macht Musik, die Generationen verbindet

Obwohl Crimer die Jazztage zuvor nicht kannte, freut er sich auf seinen Auftritt am Samstagabend. «Die Jazztage haben nicht mehr viel mit Jazz zu tun, oder?», fragt er. «Ich finde das immer geil, wenn man sich etwas auf die Flagge schreibt und dann Crimer einlädt, die letzte Pop-Banane», sagt er und lacht. Dass seine Art und seine Musik zu progressiv für das Toggenburg sein könnten, denkt er nicht. «Meine Musik gefällt meiner Mutter genau so gut wie jungen Teenie-Mädchen. Es ist Musik, welche Generationen überschreitet.» Trotzdem sei es immer eine grosse Herausforderung, den richtigen Draht zum Publikum zu finden. «Es ist nicht immer einfach, den Dorf-Spirit zu wecken», erzählt er. «Ich habe im vergangenen Jahr viel dazugelernt. Aber ausgelernt bin ich noch lange nicht.»

An den Jazztagen stehen nach Crimer weitere Schweizer Acts auf der Bühne: Die Mundart-Rapperin Steff la Cheffe und die schweizweit bekannte Band Pegasus. Was Crimer über diese Musiker denkt? «Von Pegasus bin ich gar kein Fan. Das ist mir zu kantenloser Pop», sagt er, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. «Aber das sind coole Jungs!», fügt er schnell hinzu. Steff La Cheffe kenne er nicht persönlich. «Sie repräsentiert aber ein starkes Frauenbild. Sie macht das, was ihr gefällt und das spürt man», sagt er. Genau das fehle ihm in der Schweizer Musikbranche oft. «Dass man das macht, was einem gefällt und nicht einfach Musik macht, um im Radio gespielt zu werden.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Crimer die Radiowelt kritisiert. «Ich will mich nicht verbiegen, aber ich verstehe die Logik und die Normen der Radios, nach welchen sie ihre Songs aussuchen, nicht immer. Es gibt so viele Bands mit Tausenden von Fans, die nie im Radio gespielt werden.»

Teenie-Momente bei Depeche Mode und White Lies

Wenn Crimer von seinem Leben erzählt, scheint es, als wäre es fast selbstverständlich, dass dem Rheintaler der musikalische Durchbruch irgendwann gelingt. «Ich wusste nie, was ich sonst machen soll», meint Crimer gelassen. Neben dem Mittelscheitel ist die Musik die einzige Konstante in seinem Leben. «Es war einfach etwas da, was es logisch machte, dass meine Musik funktioniert. Ich mache das mit einer solchen Natürlichkeit und es ist schön zu sehen, dass es viele Leute erreicht», erzählt er.

Der Erfolg, der in den letzten Monaten eingefahren ist, sei für ihn aber überhaupt nicht natürlich. «Das ist es nie! Man braucht so viel Glück. Am meisten Angst habe ich davor, dass der Erfolg irgendwann selbstverständlich wird und dann plötzlich alles zusammenbricht», erzählt er. Von dem ganzen Trubel bekomme er selbst aber nicht viel mit. Wenn er durch Zürich laufe, wo er heute wohnt, gebe es kaum Menschen, die ihn auf der Strasse erkennen. «Oder ich bemerke es zumindest nicht», sagt er.

Manchmal kommt es auch vor, dass Crimer selbst zum Fanboy wird. Beispielsweise, als er am Open Air St. Gallen im gleichen Raum wie Depeche Mode sass, mit denen er oft verglichen wird. «Da dachte ich mir auch so, oh mein Gott, da sitzen Depeche Mode!», erzählt er. Bald treffe er auch eine seiner Lieblingsbands, White Lies. «Das wird mein Teenie-Moment», sagt er. «Schon krass, wenn man plötzlich am gleichen Ort spielt wie seine eigenen Helden.»

Hinweis

Crimer spielt am Samstag, 11. August, um 19.30 Uhr an den Jazztagen in Lichtensteig.

www.jazztage-lichtensteig.ch

www.crimer.ch

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