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Serie

Den Säntis im Blick: Der Weiler Scheftenau liegt idyllisch

Der Weiler Scheftenau gehört zu Wattwil und besticht durch eine gute Aussicht. Wäre da nur nicht die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil.
Ruben Schönenberger
Der Säntis ist von der Scheftenau aus gut zu sehen, wenn er sich nicht gerade in den Wolken versteckt. (Bild: Ruben Schönenberger)

Der Säntis ist von der Scheftenau aus gut zu sehen, wenn er sich nicht gerade in den Wolken versteckt. (Bild: Ruben Schönenberger)

Die Strasse ist dreckig, Bauarbeiter in orange-leuchtenden Kleidern gehen ihrer Arbeit nach und über dem eigenen Auto schwebt auch schon mal Baumaterial durch die Luft. Wer vom Wattwiler Zentrum in den Weiler Scheftenau fährt, landet auf einer Baustelle. So unvermittelt, dass manch ein Ortsfremder befürchten dürfte, er hätte sich verfahren und sei gelandet, wo er gar nicht sein dürfte.

Aber es hat alles seine Richtigkeit. Die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil führt nach dem Tunnel Lochweidli direkt an der Scheftenau vorbei zum Anschluss Stegrüti, wo dann die Umfahrung Ebnat-Kappel beginnt. «Natürlich hatten wir keine Freude, als die Streckenführung festgelegt wurde», sagt Ernst Steiner, der ehemalige Präsident des Einwohnervereins Scheftenau.

«Die Umfahrung bringt Lärm und Verkehr. Und sie zerschneidet das Tal.»

Steiner ist aber pragmatisch: «Dass die Verbindung kommen musste, war klar.» Wenn dann alles fertig sei, werde es vermutlich schon nicht so schlecht aussehen. «Die Umfahrung Ebnat-Kappel ist ja auch relativ gut in die Landschaft integriert.» Die Baustelle sei eigentlich fast das grössere Übel als danach die Strasse.

Die Baustelle der zweiten Etappe der Umfahrung Wattwil. Diese wird dereinst direkt an der Scheftenau vorbei führen und an die Umfahrung Ebnat-Kappel (im Hintergrund) angeschlossen werden. (Bild: Ruben Schönenberger)

Die Baustelle der zweiten Etappe der Umfahrung Wattwil. Diese wird dereinst direkt an der Scheftenau vorbei führen und an die Umfahrung Ebnat-Kappel (im Hintergrund) angeschlossen werden. (Bild: Ruben Schönenberger)

50 Personen zwischen 620 und 850 Metern über Meer

Natürlich fällt eine solche Baustelle im Weiler Scheftenau auf. Denn eigentlich ist das Gebiet Idylle pur. Am tiefsten Punkt auf etwa 620 Metern über Meer fliesst die Thur, am höchsten Punkt auf etwa 850 Metern über Meer hat man einen wunderbaren Blick auf den Säntis. Dazwischen wohnen rund 50 Personen. Gross geschwankt habe diese Zahl nicht, sagt Hansueli Alder, der aktuelle Präsident des Einwohnervereins.

«Alle Häuser sind bewohnt.»

Die Arbeitstätigen verlassen den Weiler meist tagsüber. Viele Geschäfte gibt es hier nicht mehr, am bekanntesten ist vermutlich die Steiner Weine AG, die unlängst von Simon Müller übernommen wurde.

Auch grössere Landwirtschaftsbetriebe gibt es nur noch zwei, vielleicht drei, je nachdem, was man als gross erachtet. Die Scheftenau ist Wohn- und damit auch Rückzugsort. Alder schätzt das. «Man hat etwas Distanz zu den Nachbarn und trotzdem ist man nicht alleine.» Sein Vorgänger Steiner ergänzt: «Wenn was ist, hilft man sich gegenseitig.»

«Fladehüsli» als Treffpunkt

Ernst Steiner, Sandra Böniger und Hansueli Alder (von links). (Bild: Ruben Schönenberger)

Ernst Steiner, Sandra Böniger und Hansueli Alder (von links). (Bild: Ruben Schönenberger)

Und wenn was ist, dann trifft man sich im Restaurant Fladehüsli. Der Treffpunkt der Scheftenauerinnen und Scheftenauer ist von Freitag bis Sonntag oder auf Anfrage geöffnet. «Das ‹Fladehüsli› ist fast schon ein Geheimtipp, weil es hier noch so wie früher ist», sagt Einwohnervereinspräsident Alder. Sein Vorgänger Steiner ergänzt: «Es ist urchig wie zu Grossmuters Zeiten.» Das schätzten nicht nur die Einheimischen, sagt die Wirtin Sandra Böniger. Auch aus Wattwil und Ebnat-Kappel kämen Gäste am Feierabend. Oder Velofahrer am Wochenende. Neben dem «Fladehüsli» existiert auch eine Besenbeiz, das «Näppis Beizli». Der Name lässt vermuten, dass Ulrich Bräker etwas damit zu tun haben muss. Und in der Tat ist es sein Geburtshaus, in dem heute von Donnerstag bis Sonntag gewirtet wird. Und auch der Übernahme Näppis-Ueli kommt von hier. Denn so heisst das Gebiet schattenhalb ob der Scheftenau.

Im Geburtshaus von Ulrich Bräker befindet sich heute das «Näppis Beizli».

Im Geburtshaus von Ulrich Bräker befindet sich heute das «Näppis Beizli».

Die Geschichte des Weilers reicht indes deutlich weiter zurück als bis 1735, Bräkers Geburtsjahr. So ist zum Beispiel aus dem Jahr 1291 bekannt, dass König Rudolf von Habsburg die Reichsvogtei Scheftenau verpfändete. Schon zuvor gab es im «Fladehüsli» aber ein Gericht der Siedlung zu Kappel. Daher stammt auch der Name Scheftenau, der sich über die Jahre aus Schöffenau (Schöffengericht) ergab. Das Gebiet wechselte in der Folge mehrfach den Besitzer und besonders während der Reformation folgte eine unruhige Zeit. Als dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Kanton St.Gallen gegründet wurde und die politischen Gemeinden entstanden, war die Zugehörigkeit von Scheftenau oft umstritten. Heute ist klar, dass die Scheftenau zu Wattwil gehört, auch wenn für einige Bewohnerinnen und Bewohner Ebnat-Kappel näher liegt.

Schauen Sie sich hier die weiteren Weiler und Quartiere der Sommerserie an:

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