Kommentar

Den Frauen bleibt nur das Hoffen auf die Pole-Position – Analyse vor den Kantonsratswahlen im Wahlkreis Toggenburg

Die Kantonsratswahlen werden im Wahlkreis Toggenburg zu keinen Veränderungen führen. Alle Bisherigen treten wieder an, alle dürften gewählt werden.

Ruben Schönenberger
Drucken
Teilen
Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter.

Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter.

Bild: Ralph Ribi

Noch stehen sie überall, die Plakatwälder. Sie sind einer der wenigen Zeugen, dass schon morgen in einer Woche Kantonsratswahlen stattfinden. Der Wahlkampf blieb flau. Da und dort eine Podiumsdiskussion, da und dort ein Leserbrief. Richtige Aufreger? Fehlanzeige.

Das liegt im Wahlkreis Toggenburg daran, dass die Wahlen nicht viel ändern werden. Alle bisherigen Kantonsrätinnen und Kantonsräte treten wieder an. Keine und keiner davon scheint ernsthaft gefährdet.

SVP wird stärkste Kraft bleiben

Die SVP wird stärkste Kraft bleiben und ihre vier Sitze auch 2020 ins Trockene bringen. Die CVP dürfte erneut auf dem zweiten Platz ins Ziel laufen, auch dank ihrer guten Position in den Gemeinden des ehemaligen Bezirks Alttoggenburg. So war Mosnang bei den Nationalratswahlen vom vergangenen Herbst die einzige Toggenburger Gemeinde, in der nicht die SVP die meisten Stimmen holte. Für den angepeilten vierten Sitz reicht es trotzdem nicht. Zwar hat die CVP mit Alois Gunzenreiner den wohl präsentesten Gegner der regierungsrätlichen Spitalstrategie in ihren Reihen, aber die Spitaldiskussion hat selbst im Toggenburg weniger Wirbel ausgelöst als erwartet.

Auch die FDP und die SP dürften beim Versuch scheitern, einen zusätzlichen Sitz zu gewinnen. Die SP, die den zweiten Sitz vor vier Jahren mit dem damals noch parteilosen Martin Sailer der FDP entriss, dürfte diesen mit dem nun SP-Politiker Sailer verteidigen können. Dazu beitragen wird, dass die Genossinnen und Genossen sich nicht wie in anderen Wahlkreisen gegen die Grünen wehren müssen. Die Grünen hoffen zwar auf eine Fortsetzung des Trends der nationalen Wahlen auf kantonaler Ebene, aber im Toggenburg machen die beiden Parteien gemeinsame Sache: Sie stellen sich auf der gleichen Liste zur Wahl.

Grünliberale werden leer ausgehen

Der Trend hin zu mehr Grün wird auch den Grünliberalen im Toggenburg nicht zu einem ersten Sitz verhelfen. Das sieht sogar die Wahlkreispartei selber so. Sie hofft auf fünf Prozent der Wählerstimmen, für einen Sitz sind rechnerisch etwas über 9 Prozent nötig. Bleibt die EDU, die auch 2020 höchstens eine Randnotiz der Wahlresultate sein wird.

Es wird morgen in einer Woche also keine Verlierer geben. Zwar werden nicht alle Parteien ihre offiziell angestrebten Ziele erreichen – dafür bräuchte es drei Sitze mehr, als der Wahlkreis zur Verfügung hat –, aber Verluste hinnehmen müssen die Parteien aller Voraussicht höchstens im tiefen Prozentbereich.

Ersatzplätze versprechen Spannung

Viel spannender wird deshalb sein, wer auf den ersten Ersatzplätzen der Listen landet. Bei der Wiederwahl aller elf bisherigen Kantonsrätinnen und Kantonsräte ist es wahrscheinlich, dass nicht alle die gesamte vierjährige Amtsdauer zu Ende machen. Zumal mehrere Parlamentarierinnen und Parlamentarier schon länger in der St.Galler Pfalz sitzen. Zu hoffen wäre, dass es die eine oder andere Frau auf die ersten Ersatzplätze schafft. Aktuell schickt das Toggenburg gerade mal eine Frau in die Pfalz.

Bei der SVP und der CVP dürfte das kaum der Fall sein. Die SVP hat ohnehin nur zwei Frauen auf ihren beiden Listen, bei der CVP dürfte Gunzenreiner die besten Chancen haben. Und die Partei hat alle Frauen auf eine separate Liste gesetzt, die keine Sitze gewinnen wird.

Eher auf dem ersten Ersatzplatz landen könnten die Kandidatinnen der FDP und der SP beziehungsweise der Grünen. Die Liberalen haben mit Andrea Abderhalden eine Kandidatin auf ihrer Liste, die im gemächlichen Wahlkampf noch am ehesten sichtbar war. Und sie steht gleich hinter den Bisherigen auf der Liste. Gleiches gilt für Aline Geisser auf der gemeinsamen SP-Grünen-Liste. Ihr Engagement im Rahmen der Klimabewegung dürfte ihr zusätzliche Stimmen bringen. Ob in diesen beiden Parteien tatsächlich jemand zurücktritt, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Mehr zum Thema