Interview

Abtretende Kantonsratspräsidentin Imelda Stadler: «Ich konnte die Enkelkinder seltener hüten als sonst»

Die Lütisburger FDP-Vertreterin Imelda Stadler zieht eine positive Bilanz ihres Amtsjahres als Präsidentin des Kantonsrats. Es endet in der Juni-Session. Die Einladungen zu Anlässen füllen drei Ordner. Wochenenden und Abende sind denn auch für Anlässe reserviert, in denen Imelda Stadler den Kantonsrat vertritt.

Martin Knoepfel
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Imelda Stadler erhielt in ihrem Präsidialjahr von vielen Veranstaltern Bücher geschenkt. Der Stapel zeigt nur einen Teil davon. (Bild: Martin Knoepfel)

Imelda Stadler erhielt in ihrem Präsidialjahr von vielen Veranstaltern Bücher geschenkt. Der Stapel zeigt nur einen Teil davon. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Lütisburger Gemeindepräsidentin Imelda Stadler ist noch bis zur Juni-Session Präsidentin des Kantonsrats. Die FDP-Vertreterin erläutert, was für sie der Höhepunkt des Amtsjahres ist und warum sie bei der Klimademonstration in der Februarsession auf Deeskalation setzte.

Sind Sie froh, dass das Präsidialjahr vorbei ist, oder bedauern Sie das?

Imelda Stadler: Es ist gut so, wie es ist, und man stellt sich ja auch darauf ein, dass man ein Jahr Vizepräsident und ein Jahr Präsident ist.

Würden Sie im Rückblick und in Kenntnis des Zeitaufwandes wieder kandidieren?

Ja, ich würde es wieder machen. Es ist sehr spannend. Im Hintergrund geschieht im Präsidium sehr viel. Man bekommt sehr viele Einladungen.

Ich habe die Einladungen nicht gezählt, aber sie chronologisch abgelegt. Sie füllen drei Bundesordner.

Man muss viele Anfragen ablehnen, zum Beispiel fürs kantonale Schwingfest. Dies, weil ich schon beim kantonalen Musikfest zugesagt hatte und weil die beiden Feste zeitgleich stattfinden. Ich bin mir aber gewohnt, dass viel los ist.

À propos Zeitaufwand: Wie gross war er?

Ich habe die Stunden nicht aufgeschrieben. Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen, denn alle Wochenenden und Abende sind belegt. Der Beruf hatte für mich immer Priorität. Weil ich ein 50-Prozent-Pensum als Gemeindepräsidentin habe, konnte ich die beiden Ämter mit gutem Gewissen vereinbaren. Das Privatleben musste zurückstehen. Ich konnte die Enkelkinder seltener hüten als sonst. Für ein bis zwei kurze Einsätze pro Woche reichte es dennoch. Ich mache das gern und entlaste so meine Töchter.

Was hat Ihnen am meisten Freude bereitet in diesem Jahr und was am meisten Ärger?

Mein Ziel war es, meine Aufgabe gut zu erfüllen und den Kantonsrat gut zu vertreten. Ich denke, das ist mir gelungen. Ich werde jetzt nicht in ein Loch fallen, denn ich habe genug andere Aufgaben. Man bekommt als Präsident viele schöne Einladungen. Es gibt auch häufig gutes Essen.

Ich werde oft gefragt, ob ich in diesem Jahr zugenommen habe. Mein Gewicht schwankt so um zwei Kilogramm. Das ist auch dieses Jahr so.

Ich hatte ganz viele schöne und eindrückliche Erlebnisse. Ich war bei der Wahl unserer neuen Bundesrätin Karin Keller-Sutter und beim feierlichen Empfang im Bahnhof St.Gallen dabei und konnte ihr einen Blumenstrauss überreichen. Das ging mir nahe. Ich war auch Ehrengast an der Landsgemeinde in Appenzell. Ich wollte schon immer die Innerrhoder Landsgemeinde besuchen. Es bildeten sich auch Freundschaften mit Vertretern der umliegenden Kantone und Länder. Etwas vom eindrücklichsten war schliesslich meine Wahlfeier in Lütisburg.

Die Februarsession war mit der Klimademonstration sehr bewegt. Was würden Sie im Rückblick anders machen?

Nichts. Wir haben im Vorfeld das Sicherheitsdispositiv heraufgefahren. Das hat hervorragend funktioniert. Wichtig war es, den Ball flach zu halten und eine Eskalation zu vermeiden.

Wir Älteren waren auch mal jung und wollten Ideen um jeden Preis durchsetzen, weil sie uns wichtig waren. Ich verstehe die Jungen deshalb.

Man muss in solchen Situationen einfach cool bleiben. Die Demonstranten sind ja nach einiger Zeit abgezogen. Dass ein Kantonsrat (Max Lemmenmeier, Anmerkung der Redaktion) das Transparent in den Saal schmuggelte, war ein No-Go. Er bekam die Konsequenzen zu spüren und entschuldigte sich in der nächsten Session.

Welches ist der wichtigste Rat, den Sie Ihrem voraussichtlichen Nachfolger Daniel Baumgartner geben werden?

Wichtig ist, dass man sich als Präsident gut vorbereitet. Dann ist man flexibel, wenn die Anträge kommen. Daniel Baumgartner sagte ab und zu mir «Das habe ich mir gemerkt». Organisatorisch hat er einiges von mir übernommen. In der Schublade habe ich immer das Ratsreglement, wobei ich mir mit Post-its ein Register geschaffen habe. Und für jedes Geschäft habe ich ein anderes Mäppchen. Mir waren auch würdige Verabschiedungen wichtig. Dafür erhielt ich positive Feedbacks. Es ist aber schwierig, Ratschläge zu geben. Daniel Baumgartner ist ein anderer Typ.

Was sollte man an den Abläufen im Kantonsrat ändern?

Im Vergleich zu anderen Parlamenten haben wir vollgestopfte Sessionen. Allerdings sind Änderungen schwierig, da wir ein Milizparlament sind und ein Mandat mit dem Beruf vereinbar bleiben muss.

Die Organisation funktionierte sehr gut. Ich hätte mir höchstens mehr Unterstützung durch die Staatskanzlei beim Redenschreiben gewünscht. Ich habe die meisten Reden selber verfasst und verwaltete die Termine selber.

Eine vorberatende Kommission überarbeitet das Ratsreglement. In dieser Kommission möchte ich mitarbeiten, ich kann deshalb jetzt nicht zu viel sagen. Eine Lösung braucht es für die Entfernungszuschläge, die neuerdings und rückwirkend ab 2016 versteuert werden müssen.

Bedauern Sie, dass Sie nicht fürs Klanghaus oder für den Campus Wattwil sprechen und stimmen durften?

Das Klanghaus, der Campus und das Spital sind fürs Toggenburg wichtig. Als Kantonsratspräsidentin konnte ich mich nicht für bestimmte Vorlage einsetzen. Ich konnte aber an den Sessionsrückblick-Veranstaltungen diese Themen anschneiden. Nach dem 11. Juni kann ich mich wieder für diese Geschäfte einsetzen.

Wie haben Sie als Kantonsratspräsidentin die Diskussionen um die Landspitäler mitbekommen?

Ich habe die gleichen Informationen wie die Öffentlichkeit. Erstaunt bin ich, dass man von der Spitalkommission bisher wenig hört. Alle riefen nach einer solchen Kommission.

Extrem störte mich, dass es am Bevölkerungsgespräch in Wattwil hiess, nach sieben Fragen komme noch eine Frage, und dann gehe man zum Apéro.

Wenn etwas wichtig ist, verzichtet man auf den Apéro.

War eine Kandidatur für den Nationalrat kein Thema? 

Ich wurde angefragt, auch für den Ständerat, aber ich habe abgelehnt. Ich will nicht zu viele Aufgaben miteinander übernehmen.

Werden Sie bei den Kantonsratswahlen 2020 antreten?

Ich kandidiere nochmals. Ich habe das mit der Parteileitung abgesprochen.