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Dem Herrn Gevatter zu Diensten: Zwei Pferde spielen Theater

Armin und Monika Schönenberger sind Kutschenfahrer aus Leidenschaft. Mit ihren Wallachen Carlos und Betjar stehen sie heute Samstag das letzte Mal für das Freilichtspiel Krabat im Dreyschlatt neben Simon Keller und dem Herrn Gevatter im Rampenlicht.
Corinne Bischof
Monika und Armin Schönenberger mit den beiden «Krabat»-Zugpferden Carlos und Betjar. (Bild: Corinne Bischof)

Monika und Armin Schönenberger mit den beiden «Krabat»-Zugpferden Carlos und Betjar. (Bild: Corinne Bischof)

Sie sind Zugmaschinen, Touristenführer, Hochzeit-Begleiter, Fonduetransporter und seit diesem Sommer auch Schauspieler. Ihr Debüt gaben die beiden Ungaren im Freilichtspiel Krabat im Dreyschlatt, wo sie an der Seite des Herrn Gevatters ihren grossen Auftritt haben.

Die Rede ist von den beiden Wallachen Carlos und Betjar, die den Herrn Gevatter im Freilichtspiel auf einem Wagen zur Mühle kutschieren. Die beiden ausgewachsenen Schimmel ziehen seit Jahren die Gefährte von Armin und Monika Schönenberger für etliche Hochzeiten und Fondueplausch-Fahrten, aber auch an Weihnachtsmärkten oder am Zürcher Sechseläuten.

Keine Angst vor dem Herrn Gevatter

Auf die Idee, mit ihren beiden Pferden im Freilichtspiel mitzuwirken, kamen die Mosnanger, als sie per Zufall auf eine Anzeige von Simon Keller gestossen sind. «Als wir das erste Mal davon hörten, dass Simon Keller einen Kutscher sucht, dachten wir schon, dass das etwas für uns sein könnte», erzählt Armin Schönenberger. «Bis wir uns schliesslich bei Simon Keller meldeten, dauerte es aber noch einige Tage.» Nach längerem Nachdenken – schliesslich sind die beiden Pferde oft für Hochzeiten oder andere Gesellschaften unterwegs – war es dann Armin Schönenbergers Frau Monika, die das Telefon zückte und Simon Keller persönlich anrief.

Am gleichen Abend noch traf sich Armin Schönenberger mit Simon Keller im Dreyschlatt. Nach einer ausführlichen Besichtigung und einem anschliessenden Kaffee schien die Sache innerhalb von drei Stunden geregelt zu sein: Die Schönenbergers spielten mit ihren beiden Pferden Carlos und Betjar im Freilichtspiel mit. «So schnell ging das nicht wirklich», meint Armin Schönenberger und lacht. «Wir brauchten nochmals Bedenkzeit. Schliesslich bedeutet das auch eine ganze Menge Arbeit.» Simon Keller schien aber damals schon gespürt zu haben, dass die Schönenbergers für sein Vorhaben zu begeistern waren.

Die Pferde an das Drumherum gewöhnen

Zweimal schauten Armin und Monika Schönenberger noch mit ihren Pferden in den Proben vorbei und spielten das ganze Prozedere durch. «Es ging vor allem auch darum, die Pferde an die Musik und das Geschehen rundherum zu gewöhnen», erzählt Armin Schönenberger. Betjar und Carlos schienen aber kein Problem mit dem ganzen Trubel zu haben. Sie fürchteten sich weder vor den vielen Zuschauern auf der Tribüne noch von der Angst einflössenden Erscheinung des Herrn Gevatters. «Es verlief eigentlich immer alles problemlos, bei den Proben wie auch bei den bisherigen Aufführungen», erzählt Monika Schönenberger. Nur die Esel, die im Dreyschlatt grasen, bringen die Pferde ein wenig aus der Ruhe.

Wenn die beiden Schimmel mit Armin Schönenberger als Kutscher den Herrn Gevatter auf die Bühne ziehen, stellt sich Monika Schönenberger zu den Pferden, um sie zu besänftigen. «Ich gebe ihnen jeweils ein Leckerli und dann klappt es prima. Sie haben dann nur noch das Essen im Kopf», erzählt Monika Schönenberger und lacht. Genau wie die Pferde seien auch sie und ihr Mann vor den Aufführungen kaum nervös. «Man hat aber Respekt und hofft, dass alles gut geht», sagt Armin Schönenberger.

Das Mitwirken im Freilichtspiel scheint dem Ehepaar sichtlich Spass zu machen. «Das ist wie eine grosse Familie», erzählt Monika Schönenberger. «Man winkt sich und fragt sich, wie es einander geht, und unterhält sich. Wirklich toll!»

Die Schönenbergers sind eine Pferdefamilie

Armin Schönenberger ist mit Pferden aufgewachsen. So gab es auch nicht den Tag, an dem er sich sagte «ab heute bin ich Kutscher». Das ergab sich nach und nach, als ihn immer mehr Leute für ihre Anlässe oder Ausflüge oder Hochzeiten anfragten. Monika und Armin Schönenbergers Liebe zu ihren Pferden und dem Kutschenfahren verbindet die ganze Familie. Ihre beiden Töchter und ihr Sohn sind so aufgewachsen, wie es sich heute viele Kinder wünschen: auf einem eigenen Pferdehof. Der Stall der Familie Schönenberger befindet sich etwas ausserhalb des Mosnanger Dorfkerns. Armin Schönenberger, der gelernte Zimmermann, hat den Stall vor einigen Jahren selbst gebaut, nachdem ihr gemietetes Land und somit ihr alter Stall verkauft wurde.

Heute leben nebst Betjar und Carlos zwei weitere Pferde und die beiden Ponys der Tochter Karin in dem Stall der Schönenbergers. Die beiden Töchter haben früher regelmässig an Pferdesportwettkämpfen mitgemacht. Ganz nach dem Vorbild des Vaters: Armin Schönenberger nahm selbst sogar schon an internationalen Fahrsportwettbewerben teil. Danach bildete er lange selbst Kutschenfahrer aus und nahm Prüfungen ab. «Wir sind eine Pferdefamilie», sind sich Monika und Armin Schönenberger sicher.

40 Jahre Erfahrung im Kutschenfahren

Doch nicht jedes Pferd eignet sich dafür, Kutschen zu ziehen und in grossen Menschenmengen ruhig zu bleiben. «Natürlich ist das zu einem gewissen Teil auch Training und Erziehung», meint Armin Schönenberger. «Es kommt aber viel mehr auf den Charakter des Pferdes an.» So habe er auch schon ein Pferd eingespannt, das einfach losgelaufen sei und nicht mehr anhalten wollte und erst vor dem Stall wieder still stand. Nach rund vierzig Jahren Erfahrung mit Zugpferden und Kutschenfahren wissen Armin und Monika Schönenberger aber mittlerweile gut, welche ihrer Pferde sich für das Kutschen eignet und welche nicht.

Heute stehen vier grosse Kutschen in der Garage neben dem Stall, zwei weitere stehen davor, ein Wagen steht noch bis zum Ende des Freilichtspiels im Dreyschlatt. Speziell ist, dass Armin Schönenberger die Kutschen zu einem grossen Teil selber gebaut oder zumindest restauriert hat. «Die Kombination von Zimmermann und Kutscher ist eigentlich ganz praktisch», sagt er.

Armin Schönenberger ist seit dem Mai dieses Jahres pensioniert. «Jetzt kann ich mich endlich tagsüber meinen Pferden widmen», sagt er und schaut zu seiner Frau Monika Schönenberger. Bisher arbeitete Armin Schönenberger immer hundert Prozent, während Monika Schönenberger zu Hause und im Stall nach dem Rechten schaute.

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