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Das Wasser im Toggenburg wird knapper

Trotz der jüngsten Gewitter: Die letzten Wochen waren viel zu trocken. Der Kanton St. Gallen ruft bereits zum sparsamen Umgang mit Wasser auf. In der Region bleibt man weitgehend gelassen.
Ruben Schönenberger
Wer sich an der Thur vergnügen will, klettert jetzt über mehr Steine bis zum Ufer. Dafür findet er auch mehr Sitzgelegenheiten. (Bild: Martin Knoepfel)

Wer sich an der Thur vergnügen will, klettert jetzt über mehr Steine bis zum Ufer. Dafür findet er auch mehr Sitzgelegenheiten. (Bild: Martin Knoepfel)

«Grundwasserstände unterdurchschnittlich», «Generell sehr tiefe Wasserstände», «Wassertemperatur teilweise kritisch» – wer die Mitteilung des Kantons St. Gallen zur aktuellen Trockenheit in der Region liest, der könnte versucht sein, seine Wasservorräte aufzufüllen. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht trotz Aufruf zum sorgsamen Umgang mit dem Wasser.

Explizit erwähnt werden in der Mitteilung des Kantons auch Teile des Toggenburgs. In der Region Obertoggenburg wird beispielsweise der Grundwasserstand in Ebnat-Kappel genannt, der sehr tief sei. Gemäss Urban Kressibucher, Chefmonteur der Dorfkorporation Ebnat-Kappel, ist die Situation aber noch nicht kritisch, auch wenn der Grundwasserspiegel in der Tat in der letzten Zeit etwas zurückgegangen ist. «Dieser hängt stark mit dem Wasserstand der Thur zusammen», sagt Kressibucher. «Es müsste aber schon sehr lange trocken sein, dass es wirklich zu einem Engpass kommt.» Aktuell würden noch nicht einmal die Dorfbrunnen abgestellt.

Verbindung durch die Wasserfluh

Selbst wenn das Wasser noch knapper würde, wäre das noch nicht zwingend eine Notlage. Zusammen mit Wattwil und Lichtensteig ist das Dorf über eine Leitung durch den Wasserfluhtunnel mit dem Neckertal verbunden und könnte zur Not von dort Wasser beziehen. Dass das auch nicht reiche, sei noch nicht einmal im Hitzesommer 2003 passiert, sagt Kressibucher.

Betrachtet man das Trockenheitsbulletin des Kantons, scheint die Situation im Neckertal angespannter. Dort seien die Grundwasserstände auf sehr tiefem Niveau, man solle sparsam mit Wasser umgehen. Hanspeter Bär, Präsident der Wasserkorporation Neckertal, stimmt dieser Empfehlung grundsätzlich zu. «Das ist sicher richtig, allerdings besteht keine Notsituation», sagt er. Beim Vergleich der Pegelstände zeige sich zwar, dass der aktuelle Grundwasserstand tatsächlich so tief sei wie noch nie in diesem Jahr. «In den letzten Jahren gab’s aber praktisch immer eine Zeit, in der er noch tiefer war», relativiert Bär. Im Notfall könnte Neckertal nicht nur von der Verbindung mit dem Thurtal profitieren, sondern allenfalls gar vom ausserrhodischen Hinterland Wasser beziehen. «Notfalls sogar Seewasser», sagt Bär.

Wasser wird dem System entzogen

Diese Verbindung hat jedoch auch Nachteile, wie Reto Brüllmann sagt. Der Präsident des Fischereivereins Neckertal beschreibt die Situation insbesondere im Aachbach als kritisch. «Dass es dort weniger Wasser hat, ist unter anderem auch zivilisationsbedingt», sagt er. Wasser werde im Neckertal entnommen, nach dem Gebrauch aber nicht wieder im Neckertal ins System zurückgespiesen. Vielmehr werde ein Teil des Wassers nach Herisau verkauft, dort fliesse es dann in ein anderes Wassersystem. Eine kurzfristige Lösung für das Problem gebe es kaum. Das Abfischen sei möglich, aber nur unter Auflagen. Langfristig würde er sich aber auch ein Eingreifen des Kantons wünschen.

Die Wasser des Neckers (hier bei Brunnadern) beanspruchen derzeit nur halb so viel Platz als in anderen Frühsommern. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Wasser des Neckers (hier bei Brunnadern) beanspruchen derzeit nur halb so viel Platz als in anderen Frühsommern. (Bild: Urs M. Hemm)

Natürlich sei das Wegleiten des Wassers aber nicht die einzige Ursache. Auch die Klimaerwärmung sei ein Teil des Problems. Dieses Jahr sei die Situation besonders angespannt. «Wir haben jedes Jahr Trockenperioden. Sie waren aber noch nie so früh wie in diesem Jahr.»

Bisher keine Probleme gibt’s im Alttoggenburg. Felix Forster, Präsident der Dorfkorporation Bazenheid, gibt sich entspannt. «Wir haben nach Tiefständen 2015 Abklärungen getroffen. Diese Erkenntnisse können wir jetzt beiziehen», sagt er. Insbesondere der Grundwasservorrat in Underrindal sei sehr gross. «Wir stellen aber fest, dass andere Quellen – zum Beispiel private – versiegen und deshalb neue Bezüger bei uns anklopfen.»

Vorheriger Winter ist entscheidend

Kritisch sei die Situation insbesondere auch nicht, weil der vergangene Winter feucht war. Eine Trockenperiode wie die aktuelle sei vor allem dann gefährlich, wenn auch schon der Winter trocken war. «So oder so nicht entscheidend sind Sommergewitter», sagt Forster. «Das Regenwasser fliesst ab oder wird von der Vegetation aufgebraucht.» Entsprechend sind in Bazenheid auch keine Massnahmen erforderlich. Würde es dereinst dazu kommen, müsste die Dorfkorporation das Gespräch mit den grossen Industriebetrieben suchen. «Ein Einfamilienhaus verbraucht im Schnitt rund 200 Kubikmeter Wasser pro Jahr. Der grösste Industriebetrieb verbraucht an einem einzelnen Tag 1500 Kubikmeter.»

Nicht nur in Bazenheid gilt deshalb, was der Kanton St. Gallen sagt: «Aufs Duschen braucht niemand zu verzichten.»

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