Das Warten auf den Wein hat bald ein Ende

Am «Mini-Rebberg» in Lichtensteig beginnt morgen die Lese der weissen Weinsorte. Der Sommer für die Städtli-Reben war positiv, barg aber auch seine Tücken.

Timon Kobelt
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Der Önologe Andreas Fischer inmitten der Reben im Weinberg in Lichtensteig, dessen Steilheit gemäss Fischer extrem ist. Er ist froh, dass dieses Jahr aus den Trauben erstmals Wein gekeltert wird. (Bild: Timon Kobelt)

Der Önologe Andreas Fischer inmitten der Reben im Weinberg in Lichtensteig, dessen Steilheit gemäss Fischer extrem ist. Er ist froh, dass dieses Jahr aus den Trauben erstmals Wein gekeltert wird. (Bild: Timon Kobelt)

Von einem Jahrhundertjahrgang konnte diesen Sommer mehrfach gelesen werden, wenn die Winzer nach ihren Reben befragt wurden. Warme Temperaturen und Sonnenschein wirken sich grundsätzlich gut auf die Reife der Trauben und auf die Qualität des Weins aus. Und vor der Hitze brauchen sich die Reben nicht zu fürchten, glaubt man den unter Winzern verbreiteten Sprichwort: «Den Reben und der Geiss wird es nie zu heiss.»

Die Wurzeln müssen tief in die Erde

Ganz so euphorisch sieht es Andreas Fischer von der Weinbaugenossenschaft Lichtensteig nicht. Der Önologe blickt bezüglich des Weinbergs im Flooz in Lichtensteig auf einen Sommer zurück, der durchaus Herausforderungen bot. «Die Voraussetzungen unseres Weinberges sind aber nicht identisch mit den meisten anderen», sagt er. Der Hang, an dem der Weinberg beheimatet ist, bestehe aus aufgeschüttetem Boden. In der Vergangenheit hätten sich in gewissen Bereichen Sand, Bauschutt oder Lehm mit der Erde vermischt. «In Kombination mit der Hitze führte das zu einer extremen Trockenheit des Bodens, was es unseren jungen Reben erschwerte, ihre Wurzeln tief zu schlagen», sagt Andreas Fischer.

Es sei absolut entscheidend, dass die Rebenwurzeln tief in die Erde fänden, wo sie gutes Wasser anzapften könnten. «Der Geschmack des Weins kommt nämlich aus dem Boden, von dort, wo die Wurzeln das Wasser aufnehmen», betont der Önologe. Daher sei es auch das oberste Gebot eines Winzers, dass die Reben früh Wurzeln entwickelten. «Grundsätzlich will jede Pflanze so schnell wie möglich Beeren produzieren. Das macht sie schon im ersten Jahr nach der Einpflanzung, doch die Qualität ist bescheiden, weil die Wurzeln noch nicht vorhanden oder erst in Wassernähe sind. Daher schneidet man die Beeren dann wieder ab, damit die Rebe ihre Energie darauf verwendet, Wurzeln zu setzen», erklärt der 54-Jährige.

Begriffsabgrenzung zwischen Reben und Trauben

Die Weinrebe ist die Pflanze, die an den Stecken hochklettert. An ihr hängen dann die Weintrauben, also die Fruchtbestände der Reben. Die einzelnen Beeren bilden als Ganzes eine Weintraube, die von der Form her allgemein bekannt ist. (tik)

Qualität steht über Ertrag

Andreas Fischer ist erleichtert, dass die jungen Reben am Weinberg in Lichtensteig den Sommer überlebt haben. Zwar werfen diese noch keinen Ertrag in Form von Trauben ab, die zu Wein verarbeitet werden könnten, doch das spiele keine grosse Rolle. «Die Weinbaugenossenschaft Lichtensteig steht für die Philosophie: Qualität steht über dem Ertrag», sagt Andreas Fischer. Und die reifen Trauben, die nun bereit für den Wümmet seien, würden aufgrund des warmen Sommers einen hochwertigen Wein abgeben. Vom Aspekt der Qualität her sei es für sie also ein ebenso positiver Sommer wie für die meisten Winzer der Schweiz gewesen, so Fischer.

Morgen Samstag beginnt die Weinbaugenossenschaft damit, die weisse Sorte Solaris zu ernten und zu keltern, die beiden roten Sorten dürften auch in Bälde folgen. «Unsere Mitglieder halfen und helfen auch beim Wümmet freiwillig mit. Daher ist es wichtig, dass sie am Ende des Jahres Wein als Belohnung für ihre harte Arbeit fliessen sehen», sagt der 54-Jährige. Von der Menge her wird es rund 150 Kilogramm Trauben geben, was etwa 50 bis 60 Halbliterflaschen pro Sorte entspricht.

Mit diesem Zwischenergebnis ist Andreas Fischer, der aus fester Überzeugung keine Chemikalien im Weinberg verwendet, ganz zufrieden, wenn er die Umstände betrachtet: «Wir haben 2016 mit dem Einpflanzen der Reben begonnen. In jenem Jahr gab es im Sommer Starkregen, 2017 im Mai einen unerwarteten Frost und dieses Jahr nun die extreme Hitze. Diese Abwechslung war nicht gerade ideal aber man kann ja nicht gegen die Natur sein.» Mengenmässig hinke man den Erwartungen leicht hinterher. «Aber wie gesagt: Die Qualität ist das wichtigste und von dieser bin ich absolut überzeugt», gibt sich Andreas Fischer zuversichtlich.

Hinweis

Die Weinbaugenossenschaft Lichtensteig lädt ihre Mitglieder ein, morgen Samstag am Wümmet der weissen Traubensorte Solaris teilzunehmen. Der genaue Zeitpunkt könne aufgrund des unbeständigen Wetters erst heute Freitagnachmittag entschieden und bekannt gegeben werden. Reservetag für den Wümmet ist der Sonntag.