Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Nach Werbeversuchen in Ebnat-Kappel: «Das Vorgehen der Swisscom-Vertreter ist gänzlich inakzeptabel»

Vertreter von der Swisscom versuchten, mit falschen Preisvergleichen in Ebnat-Kappel Kunden zu ködern. Die Dorfkorporation wehrt sich gegen solche Praktiken – die Swisscom spricht von einem Irrtum und gelobt Besserung.
Urs M. Hemm
Bei Haustürgeschäften ist es ratsam, vorerst keine Verträge zu unterschreiben und um Bedenkzeit zu bitten, um den Vertrag genau prüfen zu können. (Bild: GettyImages/Sturti)

Bei Haustürgeschäften ist es ratsam, vorerst keine Verträge zu unterschreiben und um Bedenkzeit zu bitten, um den Vertrag genau prüfen zu können. (Bild: GettyImages/Sturti)

«Von diesen Vorkommnissen haben wir erst durch die Meldungen von Direktbetroffenen Kenntnis bekommen», sagt Thomas Rütsche, Betriebsleiter der Dorfkorporation Ebnat-Kappel. Die Meldungen besagten, dass Vertreter von der Swisscom mit dubiosen Mitteln versuchten, an der Haustüre Verträge für Fernsehen, Telefonie und Internet zu verkaufen. Um sich einen Vorteil zu verschaffen, hätten die Vertreter Preisvergleiche angestellt, was an sich kein Problem sei.

Thomas Rütsche, Betriebsleiter der Dorfkorporation Ebnat-Kappel. (Bild: PD)

Thomas Rütsche, Betriebsleiter der Dorfkorporation Ebnat-Kappel. (Bild: PD)

«Gemäss den uns vorliegenden Dokumenten wurden dabei jedoch Preise benutzt, die teils bis zu 90 Prozent von den tatsächlichen Preisen der Angebote der Dorfkorporation Ebnat-Kappel abweichen und dementsprechend ein falsches Bild zeigen», sagt Thomas Rütsche. Laut einer Offerte, welche der Dorfkorporation vorliegt, würde demnach ein TV-Abonnement bei der Dorfkorporation Ebnat-Kappel 36.75 Franken kosten. In Wirklichkeit kostet es nur 19.20 Franken. Um die Bürger vor dem Abschluss solcher Verträge zu warnen, wandte sich die Dorfkorporation mit einem Informationsschreiben an alle Einwohnerinnen und Einwohner von Ebnat-Kappel, welche im Dorf wohnen.

Auf stossende Art und Weise aufgetreten

Auffallend sei zudem gewesen, dass die Meldungen, die bei der Dorfkorporation eintrafen, fast ausschliesslich von älteren Personen stammten. «Die Betroffenen fanden die Art und Weise, wie die Vertreter auftraten, stossend, zumal diese oft zu zweit aufgetreten seien, was den Druck zusätzlich erhöhte», sagt Thomas Rütsche. Gänzlich inakzeptabel sei für ihn die Meldung, dass die Swisscom-Vertreter vorgaben, die Telefonsteckdose überprüfen zu müssen, um sich Eintritt in die Wohnung zu verschaffen, was klar nicht der Fall war.

«Wir haben grundsätzlich nichts gegen eine gesunde Konkurrenz einzuwenden. Das Werben von Kunden sollte jedoch mit ehrlichen Mitteln geschehen.»

«Von einem derartigen Verkaufsgebaren distanzieren wir uns klar», sagt Esther Hüsler, Mediensprecherin der Swisscom. Sie bestätigt jedoch, dass während des fraglichen Zeitraums Anfang März tatsächlich drei Personen von Swisscom in Ebnat-Kappel unterwegs waren. Diese würden über den Handelsreisenden-Ausweis sowie über den Mitarbeitenden-Ausweis von Swisscom verfügen, um sich legitimieren zu können. «Solche Beratertouren werden von der Swisscom bei der Polizei gemeldet, um sie auf Nachfragen besorgter Bürger vorzubereiten», sagt Esther Hüsler.

Bei der Kantonspolizei St.Gallen in Wattwil ist jedoch keine entsprechende Meldung von Swisscom eingegangen. Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, sagt aber auch, dass es keine Beschwerden über diese Vertreter bei der Polizei gegeben habe.

Swisscom hat sich bei den Betroffenen entschuldigt

«Wir haben erst durch den Brief der Kabelgesellschaft erfahren, dass dort ein Fehler passiert muss», sagt Esther Hüsler. Die Swisscom habe nicht realisiert, dass das Gebiet eine eigene Kabelgesellschaft hat und deshalb irrtümlich mit den Preisen von Quickline verglichen (Quickline ist nach UPC Cablecom der zweitgrösste Kabelnetzverbund der Schweiz, Anm. der Red.).

«Wir bedauern diesen Irrtum sehr und entschuldigen uns bei den Betroffenen in Ebnat-Kappel. Unterdessen haben wir die richtigen Preise berücksichtigt und uns bei den Betroffenen entschuldigt. »

Dafür würden die Vertreter auf aktive Vergleiche zurückgreifen, etwa die tagesaktuellen Angaben im Internet oder anhand eines Vergleichs mit der letzten Rechnung des Kunden. «Der Vergleich erfolgt für diesen also völlig transparent.»

Edith Hüsler, Mediensprecherin der Swisscom (Bild: PD)

Edith Hüsler, Mediensprecherin der Swisscom (Bild: PD)

Dass im Falle von Ebnat-Kappel die Berater fälschlicherweise die Preise von Quickline zum Vergleich beigezogen – ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen – erkläre aber nur zum Teil eine Differenz von bis zu 90 Prozent, räumt Esther Hüsler ein. «Unsere Angebote richten sich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden. Zum Teil kosten diese Angebote zu Promotionszwecken im ersten Jahr nur die Hälfte des normalen Preises. Aber auch so sei ein derartig grosser Unterschied nicht nachvollziehbar. «Hier wurde vermutlich nicht klar an die Kunden kommuniziert», versucht Esther Hüsler die Differenz zu erklären.

Als Folge dieser Vorkommnisse habe die Swisscom ihre Mitarbeitenden noch einmal auf eine klare und korrekte Information sensibilisiert. «Weiter haben wir den Prozess so angepasst, dass wir noch genauer abklären, welche Mitbewerber vor Ort auf dem Markt sind», versichert die Swisscom-Mediensprecherin.

Vertrauen in Swisscom verloren

Dass es sich bei den Betroffenen vornehmlich um ältere Kunden handelte, begründet die Swisscom damit, dass über den Tag vornehmlich ältere Personen zu Hause anzutreffen sind, so dass in der Summe der Altersdurchschnitt der Angesprochenen höher sein wird als in der Gesamtbevölkerung. «Bei Kunden über 80 Jahre haben wir vorsichtshalber eine Sicherung eingebaut: mit ihnen schliessen wir nicht direkt einen Vertrag ab, sondern versichern uns nachträglich noch telefonisch, ob sie tatsächlich einen Vertrag mit uns eingehen wollen», ergänzt Esther Hüsler.

Für die Dorfkorporation Ebnat-Kappel hatte die ganze Geschichte auch etwas Gutes. «Kunden, welche bis anhin nur das TV-Abo über uns hatten, wechselten jetzt auch mit der Telefonie zu uns, weil sie da Vertrauen in die Swisscom verloren haben. Natürlich ist das gut für uns, ich hätte mir aber einen anderen Anlass dafür gewünscht, sagt Thomas Rütsche.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.