Das sagen die Parteien zur Spitaldiskussion

Die Zukunft des Spitals Wattwil wird auf der politischen Bühne entschieden. Eine wichtige Rolle spielen daher die Parteien. Eine Umfrage unter den Kreisparteien zeigt, dass das Hauptaugenmerk auf der Grundversorgung liegt.

Ruben Schönenberger
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Die Zukunft des Spitals Wattwil ist ungesichert, obwohl dieser Neubau erst vor wenigen Monaten eingeweiht wurde. (Bild: Martin Knoepfel, 31. Mai 2018)

Die Zukunft des Spitals Wattwil ist ungesichert, obwohl dieser Neubau erst vor wenigen Monaten eingeweiht wurde. (Bild: Martin Knoepfel, 31. Mai 2018)

Welche Struktur wäre für die Spitallandschaft des Kantons St.Gallen und darüber hinaus wünschenswert?

Thomas Feller, Präsident CVP Toggenburg. (Bild: PD)

Thomas Feller, Präsident CVP Toggenburg. (Bild: PD)

Thomas Feller: Die Bevölkerung erwartet eine qualitativ gute medizinische Grundversorgung sowie eine funktionierende Notfallversorgung. Die Spitalstruktur muss dies und die Dezentralität des Ringkantons St.Gallen berücksichtigen. Wichtig sind zum heutigen Zeitpunkt eine breite Auslegeordnung und die Suche nach Alternativen. Wie genau dann die Spitalstruktur aussieht, kann erst anschliessend entschieden werden. Es ist zudem notwendig, dass alle Spitalregionen vermehrt in die Diskussion miteinbezogen werden und auch überkantonal geplant wird.

Linus Thalmann, Kantonsrat SVP Toggenburg. (Bild: PD)

Linus Thalmann, Kantonsrat SVP Toggenburg. (Bild: PD)

Linus Thalmann: Es gilt zu berücksichtigen, wohin sich Medizin und Gesundheitsversorgung entwickeln. Die Entwicklung dürfte weiter in Richtung verstärkter Spezialisierung gehen. Somit braucht es in einem Spital viele Fachärzte. Dies kann nur noch ein Spital mit der entsprechenden Grösse anbieten. In die gleiche Richtung gehen ebenfalls die Strategien der Krankenkassen. Diese bezahlen nur noch, wenn hohe Standards in den Spitäler gegeben sind. Wenn diese zwei Faktoren berücksichtigt werden, ist klar, wohin der Weg geht.

Stefan Diener, Vizepräsident SP Toggenburg. (Bild: PD)

Stefan Diener, Vizepräsident SP Toggenburg. (Bild: PD)

Stefan Diener: Der medizinische Fortschritt hat das Verhältnis von stationärer zu mehr ambulanter Behandlung verschoben. Diese Tatsache soll bei einer Neuausrichtung der Spitallandschaft berücksichtigt werden. Wenige Zentren mit erstklassigem und entsprechend kostspieligem Maschinenpark zusammen mit einer Ausrichtung auf stationäre Behandlung können mit einem Netzwerk von gut ausgerüsteten regionalen Spitälern für Erstversorgung und Triage ergänzt werden.

Simon Seelhofer, Präsident FDP Toggenburg. (Bild: PD)

Simon Seelhofer, Präsident FDP Toggenburg. (Bild: PD)

Simon Seelhofer: Aktuell läuft die Diskussion leider nur kantonal, eine interkantonale Spitalplanung wäre aber notwendig und würde zu nachhaltigeren Lösungen führen. Ein «Weiter wie bisher» ist nicht realistisch, dazu sind die Veränderungen im Gesundheitswesen zu gross. Deshalb ist die Überprüfung der Strukturen durchaus sinnvoll. Es braucht ein starkes Zentrumsspital, doch auch die regionale Gesundheitsversorgung muss sichergestellt werden. Ich bin überzeugt, im Toggenburg ist ein Spital aufgrund der vorhandenen Strukturen und der Lage gerechtfertigt.

Sollen die Kantonsbeiträge erhöht werden, um regionale Spitäler weiterbetreiben zu können?

Thomas Feller: Alle möglichen Varianten für eine nachhaltige Lösung müssen auf den Tisch. Ob es dann sinnvoll ist, die Spitäler vermehrt über die Steuergelder zu finanzieren, finde ich aus heutiger Sicht eher fraglich. Das würde zu einer eigentlichen «Spitalsteuer» führen, und dass dies von der Bürgerschaft goutiert würde, bezweifle ich. Es sollten vielmehr bessere Varianten gesucht werden für die verschiedenen Spitalstandorte, damit diese eigenwirtschaftlich funktionieren können.

Linus Thalmann: Zentral für die Toggenburger Bevölkerung ist die medizinische Grund- und Notfallversorgung. Diese muss in einer hohen Qualität sichergestellt sein. Für die Spitalgebäude in Wattwil ist eine neue Nutzung zu suchen und zu bestimmen. Mit dieser neuen Nutzung werden hochwertige und sichere Arbeitsplätze erhalten. Wenn diese neue Nutzung bestimmt ist, besteht auch die Möglichkeit, dass der Baustopp aufgehoben werden kann und vielleicht sogar zusätzlich investiert wird.

Stefan Diener: Es ist der Auftrag des Staats, der gesamten Bevölkerung eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Eine Erhöhung der im nationalen Vergleich unterdurchschnittlichen gemeinwirtschaftlichen Leistungen ermöglichte den Spitälern die Finanzierung von Assistenzärzten und anderen essenziellen Stellen. St. Gallen zahlt heute nämlich pro Einwohner nur 77 Franken an gemeinwirtschaftlichen Leistungen. Das ist weit unter dem Schweizer Durchschnitt, welcher bei 214 Franken liegt.

Simon Seelhofer: Immer mehr Geld ins Gesundheitswesen zu pumpen, löst das Kostenproblem langfristig nicht. Schliesslich wollen wir weder höhere Krankenkassenprämien noch höhere Steuern zahlen. Wir verlangen aber eine ehrliche und transparente Finanzdiskussion. Im Fragebogen der FDP Toggenburg zur Spitaldiskussion stellen wir die Frage nach einer konsolidierten Rechnung. Werden alle Spitäler gleich behandelt? Werden intern erzielte Gewinne ausgeglichen? Möglich, dass das Spital Wattwil schlechter gemacht wird, als die Lage tatsächlich ist.

Was wären bei einer Schliessung des Spitals Wattwil denkbare Alternativen für die bestehenden Gebäude?

Thomas Feller: Wenn sich das Stimmvolk entschliesst, das Spital umzunutzen, so gäbe es Alternativen. Wichtig ist, dass jetzt keine unüberlegten Schritte gemacht oder Hysterien ausgelöst werden. Wir müssen uns mit der Bevölkerung und mit dem Spital auf den strategischen Weg begeben und zusammen die besten Lösungen finden. Alternativen müsste man vor allem im medizinischen Bereich suchen, so könnte beispielsweise eine Spezialisierung im Bereich Geriatrie, Innere Medizin, Rehabilitation oder Ähnliches erfolgen.

Linus Thalmann: Der Ausdruck Schliessung ist falsch. Diese Gebäude müssen einer anderen Nutzung zugeführt werden. Somit sprechen wir von einer Umnutzung. Wie angesprochen ist eine Spezialisierung notwendig. Dies könnte der bereits erfolgreich betriebene Sektor der Suchtprävention sein. Es könnten aber auch andere Wege eingeschlagen werden. Da ist der Blick über den Kanton hinaus gefordert.

Stefan Diener: Die Schliessung muss mit einer für die Region geeigneten und ökonomisch sinnvollen Strategie verhindert werden. Neben einem Spital, welches die Erstversorgung und Triage gewährleistet, kann die ausgezeichnete Infrastruktur für die Besetzung einer Nische genutzt werden. Als Spezialangebot bieten sich die Bereiche Akut-Geriatrie, Sportmedizin, Psychiatrie, Komplementärmedizin oder PSA an. Regionalspitäler können so eine Nische nutzen und verhindern damit eine Kannibalisierung auf dem Regionalspitalmarkt.

Simon Seelhofer: Zentral für die FDP ist, dass im Toggenburg die Grundversorgung, die Notfallversorgung, der hausärztliche Dienst und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Ich gehe deshalb nicht davon aus, dass das Spital geschlossen wird. Wattwil hat heute eine sehr gute medizinische Abteilung. Diese und andere Bereiche, die gestärkt werden können, sorgen für eine langfristige Perspektive. Das führt auch dazu, dass Patienten von ausserhalb des Toggenburgs dem Spital zugewiesen werden. So kann der Standort langfristig erhalten bleiben.

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