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Interview

Erfolgreiche Saison als Grundlage für Zukunft der Bergbahnen Wildhaus - Urs Gantenbein: «Das Projekt Wildhaus 2.0 ist richtig»

Urs Gantenbein und Jürg Schustereit von der Bergbahnen Wildhaus AG blicken auf einen guten, wenn auch nicht rekordmässigen Winter zurück. Dieser bietet eine gute Grundlage für die Zukunft. Wie sich diese gestalten wird, ist derzeit offen.
Sabine Camedda
Die professionelle Funslope auf dem Gelände von Wildhaus 2.0 war bei den Gästen im Skigebiet sehr beliebt. (Bild: PD)

Die professionelle Funslope auf dem Gelände von Wildhaus 2.0 war bei den Gästen im Skigebiet sehr beliebt. (Bild: PD)

Wie häufig standen Sie im vergangenen Winter auf den Ski?

Urs Gantenbein: Etwa ein Dutzend Mal.

Jürg Schustereit, Leiter Marketing der Bergbahnen Wildhaus AG

Jürg Schustereit, Leiter Marketing der Bergbahnen Wildhaus AG

Jürg Schustereit: Ich unterscheide, ob ich mit der Familie oder für die Arbeit auf der Piste war. Er war sicher nicht öfter oder seltener als in anderen Jahren. Aber nachdem der grosse Schnee gefallen war, habe ich das Skifahren sehr genossen.


Können Sie das Skifahren überhaupt geniessen?

Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus AG

Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus AG

Gantenbein: Der Genuss beim Skifahren ist sicher höher, wenn ich nicht im eigenen Gebiet auf den Pisten bin. Hier in Wildhaus kommt immer eine Komponente Arbeit hinzu. Daher geniesse ich weniger den ganzen Skitag, sondern viel mehr jede einzelne Fahrt.

Schustereit: Wenn ich die Dienstjacke trage, schaffe ich es selten ohne Gespräche bis auf die Gamsalp. Ich bin immer mit einem kritischen Auge unterwegs, häufig auch mit Partnern. Darum trage ich an den Wochenenden, wenn ich mit der Familie unterwegs bin, eine andere Jacke. Aber angesichts der guten Verhältnisse, welche gute Pisten ermöglicht haben, war der Genussfaktor in diesem Winter sehr hoch.

Als Skifahrerin finde ich eine lange Saison mit viel Schnee optimal. Sehen Sie das aus Sicht der Bähnler und der Pistenarbeiter ebenso?

Gantenbein: Wir haben ein ideales Gelände verglichen mit anderen Skigebieten, die im Januar Probleme mit Lawinengefahr hatten. Wir müssen nur die Osthänge im Auge behalten. Mehr Schnee bedeutet für uns aber auch mehr Kosten für die Pistenpräparierung, das ist wie bei der Gemeinde. Bezüglich der Betriebsstunden für Pistenmaschinen war dieser Winter teuer. Der Schnee stresst uns nicht, aber häufig ist hier in Wildhaus Schneefall mit starken Westwinden verbunden. Das zwingt uns dazu, Anlagen zu schliessen.

Schustereit: Der Schnee ist in den zwei Wochen im Januar gefallen, in denen wir weniger Gäste haben. Das war unser Glück. Wir konnten schon erahnen, wie gut der Februar werden wird. Das Wetter war mild und wir waren umso zufriedener, dass wir seit Januar so viel Schnee hatten.

Was ist wichtiger: Viel Schnee zu haben oder gutes Wetter?

Gantenbein: Ohne schönes Wetter nützt auch viel Schnee nichts. Wenn die Sonne scheint, die Pisten in einem guten Zustand sind und der Kunde sich bewusst ist, dass jetzt Winter ist, dann ist die Ausgangslage für uns perfekt. Das war im Februar so.

Schustereit: Für mich ist interessant, dass einige Destinationen in ihren Winterbilanzen festgestellt haben, dass die Freude am Wintersport zurückkehrt. Jetzt stellt sich die Branche die Frage, ob sich grundsätzlich etwas geändert hat oder ob das nur wegen zwei aufeinanderfolgenden, guten Wintern war. Tatsache ist aber, dass die Lust am Winter – und zwar nicht nur am Wintersport an sich – zurückgekehrt ist. Das zeigt sich ebenfalls bei den Bildern in den sozialen Netzwerken. Davon profitieren alle Wintersportgebiete.

Sie haben vorhin den grösseren Aufwand für die Pistenpräparation erwähnt. Wie schlägt sich dies schliesslich in der Rechnung nieder?

Gantenbein: Das dämpft das Ergebnis. Der Winter 2018/19 war aufwendig. Zu Beginn mussten wir die Pisten beschneien, dann hat’s geregnet und wir mussten nochmals beschneien. Diese Kosten haben wir, und dazu kommen die vielen Stunden der Pistenfahrzeuge.

Einnahmen waren aber auch da.

Gantenbein: Es wird ein gutes Resultat geben. Wir konnten bei den Eintritten erneut zulegen. Aber wir sind nicht optimal gestartet, an Weihnachten hat es geregnet. Wir mussten zuerst einmal das aufholen. Darum verfallen wir jetzt nicht in Jubelstürme.

Schustereit: Man kann es auch aus einem anderen Winkel betrachten. Es gibt ein gewisses Potenzial von Skifahrer-Tagen, die werden auf alle Anbieter verteilt. In diesem Jahr hatten viele Lifte auch im unteren Teil des Toggenburgs gute Bedingungen. Wir merken, dass weniger Wintersportler von diesen Gebieten kommen, weil sie das Angebot vor ihrer Haustür nutzen.

Gantenbein: Als Bähnler und Touristiker sehe ich dies aber durchaus positiv. Diese kleinen Gebiete braucht es mittel- und langfristig. Skifahren lernt man gerne vor der eigenen Haustüre. Wer es dann kann und Spass dabei hat, kommt später als Gast zu uns oder geht in noch grössere Gebiete.

Die Schneelage ist noch gut. Warum sind die Anlagen geschlossen?

Gantenbein: Wir beenden die Saison immer Ende März oder Anfang April aufgrund der Nachfrage. Sie sinkt stark, von einer zur anderen Woche verzeichneten wir eine Halbierung der Gästezahl bei den Ersteintritten, und das bei gleichen Pistenverhältnissen.

Schustereit: In der Hochsaison haben wir Betrieb, auch bei Schneefall. Im Frühling sinkt die Anzahl der Ersteintritte praktisch auf Null, wir haben aber gleich hohe Fixkosten für die Pistenpräparierung und für den Betrieb der Anlagen.

Gantenbein: Die Fixkosten pro Tag in Wildhaus belaufen sich auf zwischen 10000 und 15000 Franken. Wir müssen also rund 500 Gäste verzeichnen, um diese Kosten zu decken. Bei uns im Naherholungsgebiet rettet gegen Saisonende häufig ein gutes Wochenende eine weniger gute Woche. Aber irgendwann rechnet sich das nicht mehr. Ich führe das nicht auf unsere Arbeit oder unsere Höhenlage zurück, sondern auf die Möglichkeiten, die unsere Gäste haben mit Wandern, Biken oder anderen Aktivitäten.

Mit dem Ende des Winters 2018/19 ist das gemeinsame Obertoggenburger Skiticket ausgelaufen. Gab es deswegen bereits Reaktionen?

Gantenbein: Wir haben die Unsicherheit, was im nächsten Winter ist, bei den Gästen immer wieder gespürt. Wir konnten aber nicht mehr sagen, als was wir seit Juni 2018 immer wieder sagen: Dass unser Ziel nach wie vor ein regionales und ein lokales Ticket ist. Aus unserer Sicht braucht es beide Angebote.

Besteht ein Plan, wenn es keine Einigung mit der Toggenburg Bergbahnen AG gibt und es nur noch lokale Tickets für jeweils ein Skigebiet im Obertoggenburg gibt?

Schustereit: Damit beschäftigen wir uns aktuell intensiv. Wir planen derzeit alle möglichen Eventualitäten, die eintreffen könnten. Das müssen wir aus unternehmerischer Sicht zwingend machen.

Wie viel Zeit haben Sie dafür?

Gantenbein: Wir müssen uns bis im Lauf des Sommers entscheiden und dann den Kunden mitteilen, welche Angebote für den kommenden Winter gelten.

Wo steht die geplante neue Sesselbahn im Moment?

Gantenbein: Wir haben das Projekt Wildhaus 2.0 so weit gebracht, dass wir die kantonale Baubewilligung haben. Für die Bewilligung des Bundesamts für Verkehr muss der Hersteller noch einige Angaben liefern. Zudem will das Bundesamt die Finanzierung gesichert haben. Wir sind aktuell dabei, die Finanzierung ohne die Gelder aus der Neuen Regionalpolitik (NRP-Gelder) zu sichern. Wir haben uns lange auf den Sockel der NRP-Gelder verlassen, weil diese Gelder an sich in Bern bereitliegen. Für uns ist nach wie vor unverständlich, dass die beantragten NRP-Gelder nicht zu uns nach Wildhaus kommen sollen.

Das heisst, die Finanzierung muss zu 100 Prozent aus privaten Geldern erfolgen?

Gantenbein: Ja. Die Gemeinde hat uns bei der Aktienkapitalerhöhung mit einer halben Millionen Franken unterstützt. Das Geld bekommen wir aber erst bei der Realisation. Wenn uns die Finanzierung gelingt, ist dies das einzige öffentliche Geld, das ins Projekt fliesst. Der Rest kommt von privaten Quellen.

Wie einfach ist es, bei Privatpersonen und Banken Geld für Wildhaus 2.0 zu suchen?

Gantenbein: Die Situation in der Region macht es schwieriger. Unser Projekt wird überall gelobt und das freut uns auch. Es wird sehr geschätzt, dass wir viele alte Anlagen abbauen und den selben Perimeter mit weniger Liften erschliessen, dies verbunden mit einer grossen Qualitätssteigerung. Aber man stellt sich natürlich die Frage, wie es mit dem Toggenburg weiter geht. Uns kommt da sicher zu Hilfe, dass wir in zwei aufeinanderfolgenden Wintern die Zahl der Ersteintritte in Wildhaus steigern konnten.

Schustereit: Diesbezüglich ist das sicher positiv zu werten. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Investitionen bald überfällig sind. Der Skilift Oberdorf ist die am zweitmeisten frequentierte Anlage im gesamten Verbund und entsprechend lange ist in der Hochsaison die Wartezeit. Der Lift dient sowohl als Zubringer zur Gamsalp als auch als Beschäftigungsanlage für den Hang. Darum gibt es an diesem Lift tagsüber kaum eine Beruhigung. Objektiv gesehen versteht man nicht, dass man hier keine Verbesserung erzielen kann. Die Zahlen im vergangenen Winter haben uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Skilift Oberdorf ist. Wir können nicht auf diese Anlage verzichten.

Gantenbein: Die Nachfrage nach der Kapazitätssteigerung ist jetzt schon da. Es ist uns gelungen, das Gelände von Wildhaus 2.0 mit einer professionellen Funslope weiter zu entwickeln. Diese ist bei den Gästen sehr gut angekommen und hat uns zusätzliche Frequenzen gebracht. Das alles gehört ebenso zum Projekt Wildhaus 2.0 wie die Sesselbahn.

Sie sind in einem gewissen Sinn bereits daran, Wildhaus 2.0 umzusetzen?

Gantenbein: Wir sind daran, die Philosophie, die wir damals erfunden haben, eins zu eins umzusetzen. Es fehlt nur die Krönung der Grossinvestition mit der 6er-Sesselbahn. Wir bauen für die kleinen Kinder die Toggenburg aus Schnee. Für Familien gibt es den Funpark und neu die Funslope. Es ist spannend zu beobachten, dass nicht nur Kinder und Familien, sondern auch Junggebliebene viel Spass auf diesen Angeboten haben. So war das im Projekt Wildhaus 2.0 angedacht.

Schustereit: Wir haben schon an mehreren Orten tolle Bewertungen erhalten. Wir haben es geschafft, dass die Marke Wildhaus mit guten Angeboten für Familien verbunden wird. Das ist sehr schnell gegangen und bringt neue Herausforderungen, beispielsweise bei den Tarifen, mit sich. Die Positionierung, die wir herausgearbeitet haben, erlaubt es uns, mit dem Markt mitzugehen.

Haben Sie noch genügend Schnauf, um weiter fürs Projekt Wildhaus 2.0 und insbesondere für die neue Sesselbahn zu kämpfen?

Gantenbein: Ja. Wir beschäftigen uns zwar schon lange mit dem Projekt. Dessen Umsetzung ist für das gesamte Obertoggenburg richtig und wichtig. Darum halten wir am ehrgeizigen Ziel fest.

Hinweis

Die Wintersaison auf dem Chäserrugg dauert noch an, zudem wurde von der Toggenburg Bergbahnen AG eine koordinierte Presseinformation zu verschiedenen Fragen in Aussicht gestellt. Aus diesen Gründen folgt eine Berichterstattung zu einem späteren Zeitpunkt.

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