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Das Panorama des Alltags einer Lokalreporterin

Ein Sujet muss die Art des Anlasses einfangen. Für Katharina Meier stand beim Abdrücken aber auch der künstlerische Aspekt eines Bildes im Vordergrund. Eine Auswahl ihrer Fotos stellt sie in Kirchberg aus.
Pablo Rohner
Wer ist das? Wo ist das? Besucherinnen der Vernissage versuchen, die Vergangenheit zu enträtseln. (Bild: Pablo Rohner)

Wer ist das? Wo ist das? Besucherinnen der Vernissage versuchen, die Vergangenheit zu enträtseln. (Bild: Pablo Rohner)

Eine Gant in Lütisburg, ein umgekippter Lastwagen in Bazenheid, politische Parolen auf einem Abbruchhaus in Bütschwil – die Journalistin Katharina Meier aus Lütisburg-Station stellt in Kirchberg die schönsten Fotos aus über zwanzig Jahren Tätigkeit für die Lokalzeitung «Alttoggenburger» aus.

Ein Strassenrand, irgendwo auf dem Land. Ein Polizist mit lustiger Fellmütze trampt auf die Pedale einer abgestellten Piaggio, die Hände am Lenker, der Blick geht in Richtung Boden. Dahinter steht eine junge Frau in hellen Röhrenjeans und knielanger Regenjacke. Das Gewicht hat sie auf ihr linkes Bein verlagert, in der rechten Hand hält sie eine Zigarette. Sie blickt direkt in die Kamera, die diese Szene im Winter 1989 aufnimmt. Körperhaltung und Blick bringen ihre ganze Langeweile und ihren Trotz angesichts der Situation zum Ausdruck. Als wollte sie die Fotografin fragen: «Findest du das alles nicht auch total lächerlich?»

Nach dem Einsatz: Fotos entwickeln

Über 30 000 Negative haben Katharina Meier (links) und Galeristin Daniela Schönenberger gesichtet. (Bild: Pablo Rohner)

Über 30 000 Negative haben Katharina Meier (links) und Galeristin Daniela Schönenberger gesichtet. (Bild: Pablo Rohner)

Fotografie Nummer 33 ist ein Highlight der Ausstellung «Pressefotografie 1986 – 1996 von Katharina Meier», die noch bis zum 9. Dezember bei Flora Rahmen Kirchberg zu sehen ist. In einer Rauchpause erklärt die Journalistin, was 1989 alles stimmen musste, damit ein perfektes Bild wie die «Töfflikontrolle beim Schulhaus Eichbüel» zustande kam. Nahe ans Sujet heran musste man, die Gesichter der Leute mussten drauf sein, die Augen offen. Es wird deutlich: Nicht nur sahen die Regenjacken und Polizeiuniformen vor dreissig Jahren besser aus. Auch der fotografische Anteil der Tätigkeit als Lokalreporterin war anders, handwerklicher. So erzählt Meier:

«Du hattest einen 36er-Film. Je häufiger du abgedrückt hast, desto mehr hattest du nachher zu tun.»

Denn nach jedem Einsatz hiess es: Ab ins Labor, Fotos entwickeln. Mehr als 20 Jahre hat Meier für die 2015 zum letzten Mal erschienene Lokalzeitung «Alttoggenburger» geschrieben und fotografiert. Für die Ausstellung haben Meier und Galeristin Daniela Schönenberger aus über 30'000 Schwarz-Weiss-Negativen 51 ausgewählt. An der Vernissage am Sonntag nähert sich das Publikum den Sujets nicht selten über die ersten drei der sieben journalistischen W-Fragen: Was ist das? Wer ist das? Wo ist das?

Nicht immer ist es einfach, die Bilder zu verorten. Der Untertitel der Ausstellung «Eine Spurensuche» verweist auf die Tatsache, dass es einige der Sujets heute nicht mehr gibt. Da ist das Gebäude der Brauerei Bärlocher in Bütschwil, offensichtlich kurz vor dem Abbruch stehend, mit aufgesprayten politischen Parolen. Da ist das Wimmelbild von einer Viehschau in Kirchberg, auf dem alle Kühe Hörner tragen. Oder das Bild von einer Gant, einer Hausratsversteigerung nach Insolvenz, aufgenommen 1989 in Lütisburg, just in dem Moment, als der Auktionator den Hammer schwingt.

Sie erinnert sich an jede Situation

Die Ausstellung ist auch ein Panorama des Alltags als Lokalreporterin. Das Künstlerporträt, die Reportage vom Schafräudebad, der Bericht vom Unfallort, wenn in Bazenheid ein Lastwagen umgekippt ist: Katharina Meier erinnert sich an jede Situation.

«Das Visuelle eines Geschehens ist mir stärker geblieben, als was ich darüber geschrieben habe.»

Die ausgestellten Fotografien, die eingerahmt für 140 Franken pro Stück zu kaufen sind, haben alle ästhetischen Wert. Den künstlerischen Aspekt des Fotografierens habe sie immer im Hinterkopf gehabt, wenn sie mit ihrer Yashica abgedrückt habe. «Im Vordergrund stand aber immer, dass das Sujet den Anlass einfängt.»

Dass dabei Serienmodus und 4GB-Speicherkarte nicht zur Verfügung standen, förderte wohl die Verschränkung von Ästhetik und Alltag, die den Reiz von Katharina Meiers Bildern ausmacht.

Nur zwei Wochen geöffnet

Die Ausstellung «Pressefotografie 1986 – 1996 von Katharina Meier» bei Flora Rahmen in Kirchberg ist noch bis Sonntag, 9. Dezember, geöffnet.

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