Das Landschaftskonzept Neckertal verfolgt mehrere Ziele: Eines davon ist, den Lebensraum von vielen Arten zu fördern

Das Landschaftskonzept Neckertal blickt auf ein abwechslungs- und erfolgreiches Jahr zurück. Das Engagement zugunsten der Natur geht dennoch weiter.

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Die Umwelteinsätze wirken sich nicht nur positiv auf die Biodiversität aus, sie stärken auch den Gemeinschaftssinn und bringen vielen städtisch geprägten Schülerinnen und Schülern neue Erfahrungen im Umgang mit der Natur.

Die Umwelteinsätze wirken sich nicht nur positiv auf die Biodiversität aus, sie stärken auch den Gemeinschaftssinn und bringen vielen städtisch geprägten Schülerinnen und Schülern neue Erfahrungen im Umgang mit der Natur.

Bild: PD

(pd) Vor einem Jahr startete die vierte Projektperiode des Landschaftskonzepts Neckertal unter dem Motto «Lebensraum mit Vielfalt». Neben diversen personellen Änderungen in der Projektleitung konnten zahlreiche Projekte weitergeführt und neue angestossen werden.

Die Artenvielfalt steckt heute in einer schweren Krise. Insbesondere Arten, welche auf lichte und ungedüngte Lebensräume angewiesen sind, befinden sind im Rückgang und laufen Gefahr, früher oder später auszusterben. Ein Beispiel ist der Waldteufel, ein Schmetterling, der lichte Wälder mit Graswuchs und waldrandnahe Magerwiesen und Magerweiden benötigt.

Genau solche Lebensräume möchte das Landschaftskonzept Neckertal fördern. Das Neckertal, als typische und doch einzigartige Voralpenlandschaft, ist durch ein reichhaltiges Landschaftsmosaik aus Wäldern und Offenland, Tobeln, Gewässern wie dem Necker und dessen Nebenbächen geprägt. Hier gibt es noch einige Standorte lichter Wälder, Föhren-Weidewälder, ungedüngter Wiesen und Weiden, Streuflächen sowie Obstgärten, Hecken, Feld- und Ufergehölze.

Fast 350 Obst- und Feldbäume gepflanzt

Die Strukturvielfalt der Neckertaler Kulturlandschaft geniesst in der Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert. Ein Grossteil der wertvollen Lebensräume ist heute geschützt und wird mit Beitragszahlungen von der öffentlichen Hand gefördert. Das Landschaftskonzept Neckertal ergänzt die finanzielle Unterstützung in jenen Bereichen, für welche es oftmals keine Beitragszahlungen gibt. So unterstützte das Landschaftskonzept auch 2019 wieder das Pflanzen von 346 Obst- und einheimischen Feldbäumen und kleineren Heckenabschnitten.

Den Hauptanteil der Massnahmen im Landschaftskonzept betrifft jedoch lichte Waldstandorte, die aus forstlicher Sicht wenig ertragreich sind, aber ökologisch ein enormes Potenzial für die Biodiversität aufweisen, sowie kleine Waldrieter und Waldwiesen, die nicht der landwirtschaftlichen Nutzfläche zugeordnet sind.

Kein Landschaftskonzept ohne Freiwilligenarbeit

Nur dank dem unermüdlichen Einsatz von Freiwilligen, von den Bewirtschaftern, vom lokalen Forstdienst sowie den Eigentümern und Standortgemeinden besteht dieses Projekt seit nunmehr 13 Jahren. Finanziell unterstützt durch Kanton, Gemeinden, den Fonds Landschaft Schweiz und zahlreiche Stiftungen können auch in den kommenden Jahren weitere Einsätze durchgeführt werden.

Sandra Gerlach organisiert seit vielen Jahren Umwelteinsätze im Neckertal. Interessierte Schulklassen oder Firmen können sich gerne bei ihr melden. Betreut werden die Gruppen von Zyklus-Gartenbau und der Waldwerkstatt Lütisburg. Über 1600 Arbeitsstunden wurden 2019 von insgesamt 86 Personen geleistet.

Schüler einer Sek-Klasse beim Untersuchen und Bestimmen von Wassertieren aus dem Zwislerbach.

Schüler einer Sek-Klasse beim Untersuchen und Bestimmen von Wassertieren aus dem Zwislerbach.

Bild: PD

Es galt Waldpartien und Waldlichtungen offen zu halten und Astmaterial zu wertvollen Asthaufen aufzuschichten. Zudem konnten die Teilnehmenden im Laufe der Projekttage das Landschaftskonzept in Theorie und Praxis kennen lernen. In einem Umweltbildungsblock entdeckten sie die Wald-Wildproblematik sowie diverse Tiere an und im Gewässer. Eine willkommene Abwechslung zur oftmals strengen körperlichen Arbeit bei Wind und Wetter!

Auch beim internationalen Treffen von Forstfachleuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im September letzten Jahres stiess das Landschaftskonzept auf grosses Interesse.

Welche Auswirkungen haben die Massnahmen?

Mit der vierten Projektperiode wurde zudem ein Monitoring gefährdeter Arten eingeführt. Damit sollen ausgewählte Artengruppen im Neckertal erfasst und überwacht werden, um Rückschlüsse auf die Biodiversität im Gesamtperimeter des Landschaftskonzeptes zu erhalten.

Die kleine Zangenlibelle konnte erstmals im Neckertal nachgewiesen werden.

Die kleine Zangenlibelle konnte erstmals im Neckertal nachgewiesen werden. 

Bild: Matthias Gerber

Weiter soll das Monitoring einen Vergleich der Artenvielfalt in den verschiedenen Lebensräumen ermöglichen und als Grundlage für die Evaluation von Ziel- und Leitarten in Förderprojekten dienen. Während der ersten Begehungen im Spätsommer wurden 42 Tagfalter-, 14 Libellen- und 23 Heuschreckenarten beobachtet. Darunter befanden sich mindestens fünf Erstbeobachtungen für das Projektgebiet. 2020 wird das erste Jahr einer Vollerhebung sein.

Eigenheit der Neckertaler Landschaft bewahren

Das vergangene Jahr reiht sich für Toni Hässig, den Präsidenten der Projektleitungsgruppe und für Projektleiter Markus Wortmann optimal in das bewährte Landschaftskonzept Neckertal ein. Zahlreiche Aktivitäten und Projektideen warten darauf, in den nächsten Jahren umgesetzt zu werden, um die Eigenheit der Neckertaler Landschaft zu bewahren. Im laufenden Jahr sollen insbesondere auch Kleingewässer und Aufwertungsmassnahmen an Fliessgewässern gefördert werden.

Detaillierte Informationen, auch für Interessenten von Umwelteinsätzen im Neckertal, finden sich auf der Webseite www.lk-neckertal.ch.