«Das Konzept funktioniert»

«Bevor ein Lokal über längere Zeit leer steht, muss gehandelt werden.» Das sagt Martin Fricker vom Verein mini.beiz., der die «Krone» Lichtensteig durch zeitlich begrenzte Betreiber am Leben erhält.

Urs M. Hemm
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Präsident Martin Fricker und der Verein mini.beiz bemühen sich um den Fortbestand der Taverne zur Krone in Lichtensteig. (Bild: Urs M. Hemm)

Präsident Martin Fricker und der Verein mini.beiz bemühen sich um den Fortbestand der Taverne zur Krone in Lichtensteig. (Bild: Urs M. Hemm)

«Die Zielsetzung war klar», sagt Martin Fricker, Präsident des Vereins mini.beiz. «Ein Leerstand dieser Lokalität über längere Zeit wäre schlecht für das Image Lichtensteigs gewesen. Es musste also etwas geschehen.» So wurde – mangels langfristigem Pächter – der Verein mini.beiz gegründet und das Konzept für die Zwischennutzung der Taverne zur Krone entwickelt.

Nach der unerwarteten Kündigung des letzten Pächters habe sich gezeigt, dass eine Nachfolgeregelung schwierig werden würde. «Folglich haben wir uns überlegt – wie in einem Casting – interessierten Gastronomen oder jenen, die es vielleicht werden wollen, die Möglichkeit zu geben ihre Idee, ihr Konzept, während eines Monats eins zu eins an der Kundschaft zu testen. Der Erfolg ist bis dato jedoch nicht berauschend», sagt Martin Fricker.

Der Erfolg hängt vom Beziehungsnetz ab

Das Konzept, junge Gastronomen zu motivieren sich auszuprobieren, funktioniere an sich gut. Bewerber müssten lediglich glaubwürdig darlegen, dass sie in der Lage seien, den Betrieb während eines Monats ordnungsgemäss zu führen und dass die «Krone» ungeachtet der Religion, Nationalität und politischen Einstellung allen Gästen offen stehe.

«Was die individuellen Gastrokonzepte der vergangenen Monate betrifft, gab es bezüglich des Erfolges grosse Unterschiede.» Das müsse aber nicht einmal nur am Gastronomischen selbst liegen. Vielmehr hänge die Gästezahl stark vom persönlichen Netzwerk des jeweiligen Betreibers ab. «Wenn jemand einen grossen Bekanntenkreis in der Region hat und diesen mobilisieren konnte, dann war auch das Restaurant gut besucht.»

Hatte jedoch ein Wirt diese Beziehungen nicht, habe man das am geringeren Umsatz gemerkt. Dies, obwohl der Verein die Zwischennutzer in vielerlei Hinsicht unterstützt. «Neben der Infrastruktur eines voll ausgerüsteten Restaurants übernehmen wir die administrativen und buchhalterischen Abwicklungen, die Werbung und Printunterlagen, den Betrieb von Webseite, Facebook und Instagram sowie den Support bei sämtlichen Problemen.

Zudem haben die Betreiber Zugang zu einer EC-Karte, einem Kontokorrent, CC-Karten und erhalten bei ausgewählten Lieferanten gute Konditionen.» Zu bezahlen haben die Betreiber einen fixen Betrag, mit welchem teilweise die Unkosten des Vereins, vor allem aber die Nebenkosten und Versicherungen sowie die Schlussreinigung abgedeckt werden müssen. Die Gemeinde selber stellt dem Verein die «Krone» mietfrei zur Verfügung.

Es gibt keinen Plan B

Potenzielle Pächter seien erst drei bis vier in Sicht. «Gastronomen, die den Betrieb besichtigt haben, sagten, dass Gastraum und Küche zwar funktional seien, aber der 70er-Jahre-Chic und die zum Teil fehlenden Gerätschaften einen gewissen Investitionsbedarf darstellen», zieht Fricker ein leicht ernüchterndes Fazit. Die Kompetenz, dies zu ändern, liege bei der Gemeinde als Eigentümerin. «Die aktuelle Zwischennutzung mit thailändischer Küche läuft allerdings äusserst erfolgreich und zeigt, dass der Betrieb der «Krone» einem ausgewiesenen Bedürfnis entspricht.»

Deshalb wird die Pacht im Dezember mit Inseraten in Gastrozeitschriften und über elektronische Medien wie geplant breit ausgeschrieben, denn auch eine angejahrte Witwe habe ihren Reiz, wie Fricker augenzwinkernd meint. Die Bewerbungen würden ein gutes Bild darüber abgeben, was noch zu tun sei, um die «Krone» ab Mai 2018 wieder einer langfristigen Nutzung zuführen zu können. Der Verein mini.beiz wird bis dahin die Zwischennutzung aufrechterhalten. «Einen Plan B gibt es jedenfalls nicht, was heisst, die Ausschreibung muss erfolgreich sein.»

Interessierte Zwischennutzer können sich nach wie vor melden, denn es sind noch nicht alle Monate besetzt. Im Dezember gilt das Motto «Guetzli und Chind», das sich primär tagsüber an Eltern wendet, die mit ihren Kindern Guetzli backen oder Geschenke basteln wollen. Abends besteht die Möglichkeit für alle, an einem Tag in einem richtigen Restaurant seine Gäste und Freunde zu bekochen.