Das Jonschwiler Jahrbuch förderte lokale Identität: Bald erscheint es zum letzten Mal

Das Jonschwiler Jahrbuch 2020 erscheint in einer besonderen Zeit und behandelt die Coronapandemie aus verschiedenen Perspektiven. Nach 30 Jahren ist es die letzte Ausgabe.

Philipp Stutz
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Das Titelblatt des Jahrbuchs zeigt 28 von über 50 in Jonschwil wohnhafte Pflegepersonen, die zu einem Apéro der Gemeinde erschienen waren.

Das Titelblatt des Jahrbuchs zeigt 28 von über 50 in Jonschwil wohnhafte Pflegepersonen, die zu einem Apéro der Gemeinde erschienen waren.

Bild: PD

Das Jahrbuch berichtet in Wort und Bild über die Aktivitäten in der Gemeinde während dieser für viele Menschen, aber auch Unternehmen schwierigen Zeit der Coronapandemie. Die Herstellung der Publikation ist mit viel Aufwand verbunden.

«Wir rechnen jeweils mit rund 400 Arbeitsstunden. Alleine die Administration und das Lektorat nehmen viel Zeit in Anspruch», sagt Herausgeber Markus Egli vom Thur-Verlag, der stets auf die Unterstützung seiner Gattin Ursi zählen darf. «Ohne treue Inserenten und einem namhaften Beitrag der Gemeinde wäre die Produktion nicht möglich gewesen», ergänzt Egli.

Hoffnungen auf Weiterführung zerschlugen sich

In den vergangenen 30 Jahren haben 160 verschiedene Autoren am Jahrbuch mitgearbeitet. Noch vor einem Jahr hatte Markus Egli die Gewissheit, dieses Jahr die Ausgabe ein letztes Mal zu betreuen. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Publikation in irgendeiner Form weitergeführt werden könne.

Doch sein Wunsch ging nicht in Erfüllung. Das erfüllt den Herausgeber mit Wehmut. Denn das Jahrbuch gilt als historisch wertvoll. Solche Publikationen sind heute aber offenbar nicht mehr zeitgemäss.

Wenngleich Staatsarchivar Stefan Gemperli das Jahrbuch in seinem Vorwort wie folgt würdigt: «Angesichts der Menge rein digitaler Publikationen bringt allein schon die analoge Gestalt des Jahrbuchs Wertigkeit zum Ausdruck.»

Ferner herrsche trotz Beteuerungen der Informationstechnologie weiterhin die Gefahr, dass unsere Epoche in einer «digitalen Amnesie» enden könne. Bleibe doch der langfristige Erhalt elektronischer Daten riskant, während man mit einem gedruckten Jahrbuch quasi «auf Nummer sicher» gehe. Es soll ja kommenden Generationen als historische Quelle dienen.

«Das Jahrbuch verfolgt keinen Selbstzweck», schreibt Stefan Gemperli weiter: «Es dient dem Informationsbedürfnis der lokalen Bevölkerung und allen, die Jonschwil in Sympathie verbunden sind.» Gleichzeitig fördere es die lokale Identität.

Nachhaltige Massnahmen für Pflegebereich gefordert

Ein Schwerpunkt im Jahrbuch 2020 ist den Pflegeberufen gewidmet. Es ist gut möglich, dass diese die am meisten verbreitete Berufsgattung in der Gemeinde sind.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO rief das Jahr 2020 zum «Year of the Nurse» (Jahr der Krankenschwester) aus. Die Organisation ahnte wohl kaum, welche Bedeutung das Jahr mit Bezug auf die Pflege erlangen würde. Denn die Coronapandemie war noch nicht allgegenwärtig, als dieses Jahresmotto gewählt wurde.

Eigentlich wollte man auf den globalen Mangel an Pflegefachleuten aufmerksam machen. Das Thema «Stellenwert der Pflegenden» rutschte aber ab März dieses Jahres fast täglich höher in der Prioritätenliste der Gesellschaft. Gemeindepräsident Stefan Frei schreibt:

«Für die Pflegenden gab es an vielen Orten Balkonapplaus, der aber schnell wieder in Vergessenheit zu geraten droht.»

Wichtiger sind seiner Ansicht nach nachhaltige Massnahmen für den Pflegebereich. «Dazu gehört auch, dass unsere Gesellschaft sich bewusst wird, wie viel an einer gut ausgebildeten und gut dotierten Pflege hängt.»

Anke Lehmann vom kantonalen Gesundheitsdepartement geht dem Thema Pflege in ihrem Beitrag im Jahrbuch nach. Dabei erläutert sie Massnahmen, welche von einer Arbeitsgruppe beraten wurden, um den künftigen Bedarf an Pflegenden zu decken. Hinzu kommen Interviews mit Janine Gübeli, Pflegedienstleiterin im Dörfli-Seniorenwohnsitz, und Jenny Rütsche, Lernende Fachperson Gesundheit (Fage).

Epidemien und Hungersnöte in früheren Zeiten

Ein Blick in die Chronikstube zeigt, dass Notzeiten die Gemeinde Jonschwil im 17. Und 18. Jahrhundert begleiteten. Damals war das Leben durch Kriege, Epidemien und Hungersnöte in steter Gefahr.

Vor 100 Jahren starb in Jonschwil Pfarrer Karl Bischofberger. Er war eine initiative, starke Persönlichkeit, welche die Gemeinde in vielerlei Hinsicht prägte. Dichter Heinrich Federer, der in Jonschwil als Kaplan wirkte, hat ihm in seinem Roman «Papst und Kaiser im Dorf» ein treffendes Beispiel gesetzt.

Ein weiterer Beitrag ist der Gastronomie gewidmet, die ebenfalls stark von der Pandemie betroffen ist. Der Beitrag trägt den Titel «Restaurant Krone und Corona – wie geht das?» Ergänzt wird das Jahrbuch mit Porträts von Iso Niedermann, einst Primarlehrer und heute Journalist, sowie Christoph Gämperli, der «bescheidene Ölscheich».

Viele Rückmeldungen erhalten

Herausgeber Markus Egli freut sich über die vielen Rückmeldungen, die er erhalten hat.

Markus Egli bedauert, dass die Ausgabe 2020 des Jonschwiler Jahrbuchs die letzte sein wird.

Markus Egli bedauert, dass die Ausgabe 2020 des Jonschwiler Jahrbuchs die letzte sein wird.

Bild: Philipp Stutz
«Allgemein wird bedauert, dass das Jahrbuch nicht mehr erscheinen wird.»

Der 72-Jährige will aber seine Hände nicht einfach in den Schoss legen. «Mein Interesse gilt der Fotografie, und in diesem Bereich will ich mich weiter entwickeln.» Und er hat noch weitere Pläne: «Ich möchte meine Lebensgeschichte gerne in Form eines Romans niederschreiben.»