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Simon Walther: «Das gleiche Bild gibt es nicht zweimal»

Landschaften während der Schneeschmelze, abgehängte Skiliftbügel und liegen gelassene Christbäume – während viele solche Bilder einfach übersehen, bannt sie Simon Walther auf Fotos. Und macht daraus ein Buch – «Zwischensaison».
Sabine Schmid
Mobiler Arbeitsplatz: Simon Walther ist oft mit seinem Bus unterwegs. Darin kann er seine Fotos bearbeiten und auch übernachten. (Bild: Beat Belser)

Mobiler Arbeitsplatz: Simon Walther ist oft mit seinem Bus unterwegs. Darin kann er seine Fotos bearbeiten und auch übernachten. (Bild: Beat Belser)

Geboren wurde die Idee im Fextal, einem Seitental vom Engadin. Simon Walther machte von seinem «Base-Camp» in Maloja eine Wanderung in dieses abgelegene Tal. «Die Wintersaison war vorbei, ich war alleine unterwegs», erzählt er. Da packte er seine Kamera aus und machte Landschaftsbilder. Die übrig gebliebenen Schneeflecken gaben der Landschaft ein sonderbares Muster, die als Schwarz-Weiss-Bilder besonders gut wirken.

Konkreter wurde die Idee wenig später auf einem anderen Spaziergang. «Hinter dem Hotel Maloja-Palace sah ich einen Whirlpool, dessen Wasser zu einem riesigen Eisberg gefroren war», sagt Walther. Dann sah er verschlossene Hoteltüren, daneben einen mit einem Rest Lametta behängten Christbaum und ein Paar kaputte Ski, und ihm war klar, dass er der Idee nachgehen und die «Zwischensaison» in einem Bildband zeigen will.

Einige geplante Entdeckungsreisen

Das Thema brachte mit sich, dass sich Simon Walther nur eine beschränkte Zeit im Jahr mit Fotos für das Buch beschäftigen konnte. Und dies, wie er betont, neben seinem Arbeitsalltag in seiner eigenen Agentur für Corporate Design und Kommunikation. Da er in Wattwil und Maloja tätig ist, fotografierte er im Engadin und im Toggenburg. Weitere Fototouren verband er mit Aufträgen seiner Kunden. «Im letzten Frühling, als ich mit dem Buch in die Endphase kam, ging ich bewusst auf Entdeckungsreisen, um Sujets zu finden, die ich unbedingt im Buch haben wollte», erzählt Simon Walther.

Mit der allerletzten Bahn, die im Winter gefahren ist, liess er sich beispielsweise auf die Käserstatt im Skigebiet Hasliberg bringen. Mehrmals ist der Wattwiler mit Schneeschuhen eine Skipiste hinauf gelaufen, wo er vielleicht noch Pistenarbeiter beim Aufräumen gesehen hat, vielleicht auch niemanden mehr. Ausser einmal ein Wildtier. Ohne zu wissen, was ihn erwartet, ging Simon Walther nach dem Ende der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz ins Zielgelände. Entstanden ist ein Stillleben von einem stehen gebliebenen WC-Häuschen und einem abgestellten Schneetöff. «Ich habe einige Orte noch nie vorher gesehen und wusste nicht, was ich dort finden werde», erzählt Simon Walther. Manchmal habe er auch den richtigen Zeitpunkt verpasst, und es war nichts mehr zu sehen.

Die Churfirsten und vorne der Neuenalpspitz in der Abenddämmerung. (Bild: Simon Walther)

Die Churfirsten und vorne der Neuenalpspitz in der Abenddämmerung.
(Bild: Simon Walther)

Kaum sagt er diesen Satz, fällt ihm eine Anekdote zu einem weiteren Bild ein. Er sass mit seiner Frau Evi, die ihn oftmals auf seinen Fototouren begleitet, auf dem Gornergrat beim Essen. «Da schaute ich aus dem Fenster und sah das Matterhorn in total schönem Licht.» Simon Walther liess das Essen stehen, um diese Stimmung im Bild festzuhalten. «Zum Glück hatte ich meine Ausrüstung schon parat. Wenn ich die Kamera erst hätte installieren müssen, hätte ich es nicht mehr geschafft», sagt er. Auch wenn einige Bilder als melancholisch oder trostlos angesehen werden, Simon Walther möchte damit nicht die Tourismusorte anklagen. «Ich möchte vielmehr zeigen, dass eine Region auch spannend sein kann, wenn die Lichter nach der Saison ausgegangen sind.»

Faszination entscheidet, ob es ein Bild gibt

Simon Walther ist überzeugt, dass es wenig Bilder gibt wie seine. Selbst in der Alpenmalerei ist der Übergang der Jahreszeiten nicht oft festgehalten. Er bewegt sich bewusst abseits des Massentourismus, besucht keine Hotspots, und wenn er unterwegs ist, ist niemand sonst unterwegs. Das habe mit sich gebracht, dass manchmal ein Weg nicht begehbar war und er umkehren musste, ohne ein Bild gemacht zu haben. «Ich drücke sehr bewusst auf den Auslöser meiner Kamera», erklärt der Fotograf.

Das Bild muss in sich stimmen, es muss ihn faszinieren. «Winteraufnahmen sind zwar schön, aber es muss etwas passieren», sagt er. Darum fasziniert ihn das Spiel von Fels und Schnee oder aber Pfützen aus Schmelzwasser, in denen sich ein Teil der Umgebung spiegelt. An die meisten Stellen ist Simon Walther nur einmal hingegangen. «Wenn das Bild gut ist, lohnt sich der Aufwand nicht. Das gleiche Bild gibt es nicht zweimal. Aber trotzdem kann auch ich immer wieder Neues entdecken.»

Hunderte von Bildern sind zusammengekommen

In drei Jahren, das letzte Bild hat er im Mai 2018 wieder im Fextal gemacht, sind Hunderte von Bildern zusammengekommen. Er habe sie fortlaufend in ein Buchlayout eingefügt und so gesehen, welche Bilder noch fehlen, erklärt Simon Walther. Einige Fotos haben eine Geschichte, darum wollte er sie unbedingt im Buch haben. Er habe aber auch das Zusammenspiel gesucht, damit sich die Bilder inhaltlich ergänzen. Für diese Arbeit sei es vorteilhaft, dass er das Layout in der eigenen Agentur gestalten und die Vorstufen-Arbeiten selbst erledigen konnte, sagt Simon Walther.

Übrigens, die Bilder im Buch «Zwischensaison» sind allesamt im Frühling entstanden. Für die Bilder zwischen Sommer und Winter hat Simon Walther bereits eine neue Idee. Die sei aber noch nicht spruchreif, sagt er und schmunzelt.

100 Bilder, die die Zwischensaison dokumentieren

Drei Jahre lang war der Wattwiler Fotograf Simon Walther während der Zwischensaison in Schweizer Tourismusregionen unterwegs. Nun erscheinen seine oft melancholischen, teilweise auch absurden Fotos zusammen mit eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen in einem Buch im AS-Verlag. Auf 128 Seiten sind 100 teilweise doppelseitige Aufnahmen zu sehen, einige sind farbig, andere sind schwarz-weiss. Für das Layout zeichnet der Fotograf selbst verantwortlich. Die Vernissage findet am Donnerstag, 29. November, um 18 Uhr in «Säntis – Das Hotel» auf der Schwägalp statt. Anmeldungen auf der untenstehenden Internetseite sind erwünscht. (sas/pd)

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