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Das Gesundheitszentrum Unterengadin ist ein Modell für periphere Regionen wie für das Toggenburg

Im Unterengadin wurde vor zehn Jahren ein Gesundheitszentrum geschaffen, als die Schliessung des Regionalspitals drohte. Ein solches Modell würde auch für das Spital Wattwil gerne gesehen.
Martin Knoepfel
Im Winter ist es nicht aussergewöhnlich, dass Rettungshelikopter mehrmals am Tag mit verletzten Wintersportlern an Bord beim Spital Scuol landen. (Bild: PD)

Im Winter ist es nicht aussergewöhnlich, dass Rettungshelikopter mehrmals am Tag mit verletzten Wintersportlern an Bord beim Spital Scuol landen. (Bild: PD)

Die Landschaft ist ähnlich dem Toggenburg. Die Berge sind etwas höher und der Fluss, der sich durchs Tal schlängelt, etwas breiter. Es ist der Inn, und die öffentlichen Gebäude sind zweisprachig beschriftet, Romanisch und Deutsch. Das «Toggenburger Tagblatt» besuchte vor kurzem das Gesundheitszentrum Unterengadin in Scuol, aber nicht für Sprachstudien, sondern weil das CSEB Vorbild für das Konzept «Spital Wattwil 2021» bildet.

Das von Scuol nächstgelegene Spital in Samedan ist rund eine Autostunde entfernt. Ins Zentrumsspital Chur sind es mindestens zwei Stunden. Wenn die Alpenpässe gesperrt sind und die Rega nicht fliegen kann, ist das Unterengadin aus der Sicht von Patienten abgeschlossen. Darauf weist Joachim Koppenberg, Vorsitzender der Geschäftsleitung und Chefarzt für Anästhesie, hin.

Kanton bekennt sich zur dezentralen Versorgung

«In der heutigen Form gäbe es das Spital nicht mehr ohne das Gesundheitszentrum», ist Joachim Koppenberg, damals wie heute Spitaldirektor, überzeugt. «Damals» heisst 2005, als die Existenz des Spitals auf der Kippe stand. Seit dem 1.Januar 2007 sind die wichtigen Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen in der Region im CSEB vereinigt.

Joachim Koppenberg. (Bild: PD)

Joachim Koppenberg. (Bild: PD)

«Ein Spital allein macht noch kein Gesundheitszentrum. Nötig ist die Vernetzung aller Anbieter entlang der Behandlungskette unter einem Dach», sagt Joachim Koppenberg. Das entspreche zugleich den Bedürfnissen der Patienten. Er ist überzeugt, dass Gesundheitszentren ein taugliches Modell für die Versorgung peripherer Regionen sind. Seit 2013 bekennt sich der Kanton in einem Leitbild zur dezentralen Gesundheitsversorgung.

Er nennt zahlreiche Vorzüge des Modells. So würden Fixkosten im Hintergrund auf mehr Betriebe verteilt. Als Beispiele erwähnt er die IT, die Haustechnik und das Rechnungswesen.

«Wir haben das Angebot seit 2007 ausbauen können, und wir sind für die Region günstiger als damals. Das Spital des CSEB ist in Graubünden das mit Abstand günstigste Spital, vor der ähnlich organisierten Klinik im Prättigau. Es liegt auch landesweit bei den Kosten unter dem Durchschnitt».

Patienten liegen weniger lange im Spital

Die mittlere Aufenthaltsdauer der Spitalpatienten lag 2018 bei 4,3 Tagen. Landesweit waren es 5,4 Tage. «Da alles aus einer Kasse bezahlt wird, kann man anders an einen Fall herangehen und mehr in eine Behandlung investieren, um später Kosten zu sparen. Auch der Übergang vom Spital ins Pflegeheim ist hier viel einfacher. Das ist ein radikal anderer Ansatz als die Zusammenlegung von Spitälern», sagt Joachim Koppenberg.

Über die Jahre sei das Ergebnis eine rote oder schwarze Null, obwohl ein neuer Operationssaal gebaut und 2016 eine Rehabilitationsklinik eröffnet wurde. Das Spital habe eine hohe Akzeptanz in der Region, sagt Joachim Koppenberg. Das zeige sich auch darin, dass die Einheimischen für planbare Operationen nicht auswärtige Kliniken wählten.

Mit dem Spital Oberengadin in Samedan gibt es eine Zusammenarbeit im Bereich der Radiologie. Eine Fusion der beiden Kliniken wird nicht angestrebt. Eine Kooperation existiert mit dem Kantonsspital St.Gallen für die Behandlung von Schlaganfallpatienten. Dank Telemedizin seien die Behandlungsergebnisse ebenso gut wie in St.Gallen, sagt Joachim Koppenberg.

Die Menschen wollten zu Hause alt werden und sterben, sagt Joachim Koppenberg. Deshalb habe man die Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger ausgebaut, mit einer 24-Stunden-Hotline, um die Zahl verfrühter Eintritte ins Pflegeheim zu senken.

Neue Angebote wurden realisiert

Der neue Operationssaal hat neue Angebote ermöglicht, etwa in der orthopädischen und in der Bauchchirurgie. Das CESB hat Chirurgen mit kleinen Pensen verpflichten können, zum Beispiel eine Woche im Monat. Daneben sind diese Spezialisten noch in anderen Spitälern tätig. Es handelt sich also nicht um Belegärzte.

Die planbaren Operationen dieser Chirurgen werden auf die betreffenden Wochen angesetzt. Wenn sie in der Klinik sind, leisten diese Spezialisten ebenfalls Notfalldienst. «Wir sind ein Grundversorger- und Notfallspital», sagt Joachim Koppenberg. Er bezweifelt, dass dieses Modell funktionieren würde, wenn Belegärzte tagsüber arbeiten und nur die festangestellten Ärzte den Notfalldienst leisten.

Das CESB will den Gesundheitstourismus fördern und so neue Patienten gewinnen. Familien, die demente Angehörige zu Hause betreuen, können diese während der Ferien in der Region temporär im Pflegeheim unterbringen. Die Spitex-Dienste kümmern sich auch um Feriengäste. Das CSEB hat zusammen mit Touristikern einen Führer mit Hotels und Restaurants angeregt, die gluten- oder laktosefrei kochen.

Patientenzahl hat sich fast verdoppelt

Die Zahl ambulanter und stationärer Patienten im Spital in Scuol ist seit 2007 um jeweils fast 50 Prozent gestiegen. Das geht aus einem Bericht der Uni St.Gallen hervor. Letztes Jahr zählte die Klinik 1424 stationäre Patienten, davon 859 aus dem Unterengadin. 70 Patienten kamen aus anderen Regionen des Kantons Graubünden. Diese Gruppe hat sich seit 2006 mehr als verdreifacht.

Verdoppelt hat sich die Zahl stationärer Patienten aus den anderen Kantonen der Schweiz, von 176 auf 388 Personen. Konstant blieb die Zahl ausländischer Patienten. Bei diesen handelt es sich vor allem um Touristen, die in den Ferien erkranken oder verunfallen. Dank den Touristen zählt das Spital 20 bis 25 Prozent Privatversicherte. Diese sind finanziell interessant.

Hohe Zufriedenheit der Patienten

Wie steht es um die Qualität der Behandlungen im Gesundheitszentrum Unterengadin (CSEB)? Der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) misst die Qualität mittels diverser Indikatoren.


Einer dieser Indikatoren ist die Häufigkeit von Wundinfektionen nach Operationen. Dabei liegt das CSEB in der Statistik von 2017 bei allen erhobenen Eingriffen im grünen Bereich. Das bedeutet, es gab weniger Wundinfektionen als im Mittel der Schweizer Spitäler.

Schwerkranke und Verletzte vor allem in Zentrumsspitälern

Bei den potenziell vermeidbaren Wiedereinweisungen nach Behandlungen stammen die Zahlen von 2016. Auch hier findet man das CSEB im grünen Bereich. Die Statistik berücksichtigt, dass schwerkranke oder verletzte Patienten vor allem in die Zentrumsspitäler eingewiesen werden.

Joachim Koppenberg weist darauf hin, dass im CSEB der Anteil der Weiterbildungsausgaben an der Lohnsumme in den letzten Jahren gut 1,6 Prozent erreichte. Ein Prozent sei gut und zwei Prozent seien sehr gut.
Eine Publikation der Uni St.Gallen hält fest, dass das CSEB im Urteil der Zuweiser besser dasteht als der Durchschnitt der Spitäler. Das gelte für alle erhobenen Kriterien.

Gemäss einer anderen Publikation in einer internationalen Fachzeitschrift sind 86 Prozent bis 92 Prozent der Patienten mit dem CSEB sehr zufrieden. Das CSEB habe für die Region Unterengadin substanzielle sozioökonomische Vorteile gebracht, heisst es in den Schlussfolgerungen dieses Aufsatzes. (mkn)

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