Das doppelte Toggenburg: Eines liegt in der Ostschweiz, das andere in Nordamerika

Das Toggenburg ist nicht einzigartig, zumindest dem Namen nach nicht. In den USA gibt es ein Skigebiet namens Toggenburg Mountain. Mit dem Namen enden aber bereits die Gemeinsamkeiten.

Sabine Camedda
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Skigebiete Toggenburg im Vergleich

Das Skigebiet von Toggenburg Mountain in den USA. Bild:snowbrains.com

Auf der einen Seite des Ozeans heissen die Skipisten Ruestel, Holdere und Munggepfiff, auf der anderen Seite des Atlantiks flitzen die Skifahrer über die Luftsprünge des Steinbocks (Capricorn Caper), den Geissenpfad (Goat’s Path) und den Knieklopfer (Kneeknocker).

Die Gemeinsamkeit der Pisten ist, dass alle zu einem Skigebiet namens Toggenburg gehören. Die einen zum Toggenburg in der Ostschweiz, die anderen zu Toggenburg Mountain im Bundesstaat New York in den USA. Der amerikanische Skiort, hat seinen Namen von «unserem» Toggenburg. Die Gründer Eugene Hickey und Harry Ehle benannten ihre Skistation nach den Toggenburger Geissen.

Skiresort Toggenburg Mountain

Skitradition hier, moderner Skiort dort

Mit dem gleichen Namen ist die auffälligste Gemeinsamkeit der beiden Toggenburg bereits genannt. Während der Steiner Sägermeister Ulrich Forrer bereits 1902 die ersten Ski fabrizierte und das älteste dokumentierte Schülerskirennen in Wildhaus 1913 ausgetragen wurde, reichen die Wurzeln des amerikanischen Skiorts Toggenburg nur bis in die 1950er Jahre zurück. Wo damals eine Ziegenfarm stand, ist heute ein Skiort mit einigen Häusern, fünf Liften und 24 Pisten.

Unterschiede gibt es ebenfalls bei den Betriebszeiten. Wie viele «unserer» Toggenburger lieben es, möglichst mit der ersten Bahn auf den Berg zu fahren und die ersten Schwünge in die frisch präparierten Pisten zu ziehen? Wer in den USA aufs erste Bähnli möchte, kann länger schlafen, die Lifte öffnen erst um 10 Uhr, am Wochenende immerhin bereits um 9 Uhr. Dafür ist am Montagvormittag kein Betrieb.

Und der Skitag dauert in den USA länger. Während in der Schweiz die Anlagen nach spätestens neun Stunden abgeschaltet werden, dauert das Pistenvergnügen in Toggenburg Mountain 11 Stunden, an den Wochenenden sogar 13 Stunden.

Fehlender Schnee? Kein Thema in Toggenburg Mountain

Diese Saison ist für Toggenburg Mountain eine besondere. Noch nie in der Geschichte des Skiorts konnte der Betrieb so früh, nämlich Mitte November, starten. Das sei rund ein Monat früher als gewohnt, hiess es in einem Bericht im lokalen Fernsehen. Doch die Amerikaner können nicht nur auf die Hilfe von Frau Holle zählen, sondern nutzen auch die technische Beschneiung. Jedoch, so scheint es, war es im Staate New York wesentlich kälter als in der Ostschweiz.

Die Kälte ist für einige der Wintersportler in den USA ein grosses Problem. So erklärt es sich, dass das Sportgeschäft in Toggenburg Mountain rund 50 Prozent des Umsatzes mit dem Verkauf von Accessoires macht, die gegen die Kälte schützen. Hoch im Kurs stehen Skibrillen und Hauben, welche die Ohren und einen Teil des Gesichts abdecken. Diese, so loben die Verkäufer, nützen nicht nur den Skifahrern und Snowboardern, sondern auch beim Fahren auf dem Schneetöff.

Prämiertes Restaurant im Skiresort

Womit wir bei einem weiteren Thema wären, den Aktivitäten neben der Piste. Rennen mit Schneemobilen und Pond Skim – dabei versuchen die Skifahrer auf der Piste so viel Schwung zu bekommen, dass sie mit den Ski über einen Pool fahren können – sind beliebte Nebenbeschäftigungen im amerikanischen Toggenburg.

Lobende Worte gibt es auch für das Restaurant Foggy Google. Es wird stolz als Gewinner von einer Auszeichnung präsentiert und bekommt von den Gästen immer wieder die höchste Bewertung auf entsprechenden Internetseiten.

So unterschiedlich die Skidestinationen auch sind, letztlich haben beide das selbe Ziel: Die Gäste sollen ihren Skitag geniessen und Spass auf den Pisten haben. Hüben wie drüben.

Überblick der Geschichte

  • Eröffnung Das Skigebiet Toggenburg Mountain in den USA wurde 1953 eröffnet. Nach und nach sind mehrere Sektionen dazu gekommen, das Skigebiet ist gewachsen. Heute gibt es fünf Anlagen und 24 Pisten.
  • Situation Drei Jahre nach der Eröffnung bestand Toggenburg Mountain aus einer breiten offenen Piste. Sie war dort, wo heute die «Main» und die «Doc’s Run» Piste zu finden sind. Mit der Zeit gab es zusätzliche Pisten, heute gibt es deren zehn. Einige der Pistennamen sind schon seit einiger Zeit verschwunden, andere haben bis heute überlebt.
  • Der Name Toggenburg Am Ursprung des Skigebiets Toggenburg Mountain stand eine Geissenzucht. Die Gründer Eugene Hickey und Harry Ehle mieteten eine solche, um dort ihr Skigebiet zu bauen. Sie nannten es Toggenburg, wie die Region in der Schweiz, welche für ihre Milchziegenrasse bekannt ist.
  • Brand Ein Feuer hat die Lodge im Jahr 1988 komplett zerstört.
  • Besitzerwechsel Einige Zeit nach der Gründung durch Eugene Hickey und Harry Ehle ersetzte Frank Mueller letzteren als Besitzer. Schon kurze Zeit später übernahm Hickey Muellers Anteile. Die Familie Hickey verkaufte Toggenburg Mountain im Jahr 2015 an Marc Stemerman und John Meier, die Besitzer des Greek Peak Mountain Resorts.
  • Internetseite Mehr Informationen zum Skiresort Toggenburg gibt es unter www.skitog.com