Glosse
Jenseits der Kantonsgrenze heisst dieser Kirchberger Bach anders

Mails, Anrufe, Begegnungen – die Redaktorinnen und Redaktoren des «Toggenburger Tagblatts» erleben viel, das normalerweise keinen Eingang in die Berichterstattung findet. Einiges davon ist aber dennoch erzählenswert. Wie zum Beispiel der Bach, der von Kirchberg nach Rickenbach fliesst.

Ruben Schönenberger
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Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter. (Bild: PD)

Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter. (Bild: PD)

Wie der Name dieser Zeitung sagt, kümmern wir uns um das Toggenburg. Dann und wann müssen wir aber über den Tellerrand schauen, weil auch unsere Geschichten über diesen rausgehen. Zum Beispiel dann, wenn es um die Verkehrssituation im Zusammenhang mit der Autobahneinfahrt in Wil geht. Die Einfahrt liegt auf Wiler Grund, die Zufahrt geht über Thurgauer Boden und das Problem des Rückstaus dehnt sich manchmal bis ins Toggenburg aus.

Ebenfalls rund um diese Autobahn kommt es immer mal wieder zu Überschwemmungen. Im letzten Jahr wurde die A1 sogar überflutet. Die Gemeinden Wil, Rickenbach und Wilen haben sich deshalb zusammengetan, um die Hochwassergefahr zu bannen. Auf den vom Kanton Thurgau zur Verfügung gestellten Karten war auch der Alpbach eingezeichnet. Dieser soll von Kirchberg kommend nach Rickenbach fliessen. In der Redaktion löste das Verwirrung aus. Hatte man den Bach jahrelang fälschlicherweise als Altbach bezeichnet?

Ein Identitätswechsel auf offener Strecke

Wir machten uns auf Spurensuche und stellten schnell fest: Es ist bloss eine Frage des Kantons. Das Gewässer fliesst nämlich als Altbach in der Gemeinde Kirchberg, also auf St.Galler Grund, in Richtung Rickenbach, erreicht die Grenze zum Thurgau und fliesst fortan mit neuer Identität weiter.

Gemäss Martin Graf vom Schweizerdeutschen Wörterbuch «Idiotikon», das auch das Portal ortsnamen.ch betreibt, gehen beide Begriffe auf die selbe Bedeutung zurück. Verwiesen wird auf einen ehemaligen Bachlauf. Mit der Herkunft von einer Alp habe es jedenfalls nicht zu tun, auch wenn diese Bedeutung von der Bevölkerung wohl unterschwellig zugeschrieben werde.

Argumente gebe es für beide Schreibweisen, unglücklich sei vor allem, dass sich die beiden Kantone nicht abgesprochen hätten. Wir hingegen finden: Wenn die Schweiz irgendwo richtig gut ist, dann beim Kantönligeist. Kaum ist die Grenze erreicht, ist alles ganz anders.