Das Coronavirus war beim Chössi-Theater zu Gast

Am 4. September fand die Mitgliederversammlung des Chössi-Theaters Lichtensteig statt. Obwohl formell ein Rückblick aufs Jahr 2019 im Fokus stand, drehte sich die Diskussion vor allem um die Zukunft.

Sascha Erni
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Das Coronavirus (Urban Kressibucher) erklärte den Anwesenden das Epidemiekonzept des Chössi-Theaters.

Das Coronavirus (Urban Kressibucher) erklärte den Anwesenden das Epidemiekonzept des Chössi-Theaters.

(Bild: Sascha Erni)

Eine kuriose Gestalt strich am Freitagabend durch das Chössi-Theater beim Bahnhof Lichtensteig. Das Coronavirus hatte sich selbst zur diesjährigen, um sechs Monate verspäteten Hauptversammlung eingeladen und wies die 28 Anwesenden auf das Epidemie-Konzept des Theaters hin. «Als Hauptprobe für den regulären Theaterbetrieb», wie es meinte.

Wer steht oder geht, trägt eine Maske; wer sitzt, muss nicht. Zum Beginn der Mitgliederversammlung verwandelte sich das Virus zurück in den Vereinspräsidenten Urban Kressibucher, der gewohnt konzentriert durch den Abend führte.

Eigentlich hätten sie die Mitgliederversammlung auch zeitnaher, im März, brieflich erledigen können. Aber dieses Jahr stünden gleich mehrere wichtige Informationen an, die der Vorstand den Mitgliedern lieber persönlich vortragen wollte.

Die meisten Küstler für den Frühling 2021 verpflichtet

Trotz der widrigen Umstände zeigten sich Vorstand und Programmteam zufrieden. So habe es kaum Abweichungen vom Budget 2019 gegeben, das Verhältnis zwischen Gagen und Einnahmen sei die letzten Jahre stabil geblieben, erklärte Rechnungsführer Peter Ledergerber.

Ilse Pauli vom Programmteam gab bekannt, dass bis auf eine Ausnahme alle Künstlerinnen und Künstler, deren Veranstaltungen coronabedingt ausgefallen sind, für die Frühjahrsaison 2021 verpflichtet werden konnten. Besonders stolz war der Vorstand auf das Kommunikationsdesign des Theaters. Urban Kressibucher präsentierte das neue Bildkonzept, das in Zusammenarbeit mit der Theatergruppe der Kantonsschule Wattwil entstanden ist.

Vorstand formiert sich neu

Auch die Planungsgruppe, die den Umbau des Theaters vorbereitet, wartete mit erfreulichen Neuigkeiten auf. Das Projekt wird unter dem Dach des neu gegründeten Trägervereins «Kulturmeile Lichtensteig» vorangetrieben, mit potenziell bedeutenden Konsequenzen fürs Bahnhofsquartier.

Eine neue, grosse Herausforderung zeichnete sich an diesem Abend aber trotzdem ab. Urban Kressibucher gab für 2021 seinen Rücktritt als Präsident bekannt. Nicht nur das; über die nächsten zwei Jahre werden nach und nach der gesamte Vorstand sowie das Programmteam das Heft aus der Hand geben. «Der Chössi-Vorstand bildet sich also neu», so Kressibucher.

Prozess muss beschleunigt werden

Die Reorganisation des Teams sei seit einigen Monaten in Vorbereitung. Während der Corona-Pause habe sich abgezeichnet, dass der Prozess schneller in Gang gebracht werden müsse. Entsprechend lädt der Verein nun für den 21. November zu einem Informationsanlass ein – und hofft, bis dahin mit einem breit gestreuten Aufruf geeignete Kandidaten für die neuen und kommenden Vakanzen zu finden.

Interessenten sind eingeladen, sich persönlich oder über Email auf info@choessi.ch zu melden. Eine Flyer-Aktion begleitet die Personalsuche.

«Lichtensteig braucht das Chössi»

Ansonsten verlief die Mitgliederversammlung ohne grosse Diskussionen. Die Rechnung 2019 und das Budget 2020 wurden einstimmig angenommen. Als erste in der grossen Vorstands-Rochade verabschiedete das Chössi Carmen Giezendanner – und selbstverständlich fand sich auch ein Kissen unter den Abschiedsgeschenken.

Das letzte Wort des Abends sollte Roland Walther gehören, der den Lichtensteiger Gemeinderat vertrat. Er sprach im Namen des Städtlis dem gesamten Chössi-Team einen «gewaltigen Mega-Mega-Dank» aus. Er sei froh, dass sie sich von Corona nicht ins Bockshorn jagen liessen. Denn: «Lichtensteig braucht das Chössi», ist er überzeugt.

Ein neuer Verein will die Zukunft des Chössi-Theaters sichern

Der Mitte Juli gegründete Verein «Kulturmeile Lichtensteig» entstand aus der Umbau-Arbeitsgruppe unter Leitung von Bruno Sutter. Während den Recherchen und Gesprächen in der Arbeitsgruppe habe sich gezeigt, dass das Chössi fest mit der Bahnhalle und dem gesamten Quartier verbunden sei – und umgekehrt.

Bruno Sutter (ganz rechts) stellte dem Vorstand und der Mitgliederversammlung erste Projektideen des neu gegründeten Vereins Kulturmeile Lichtensteig vor.

Bruno Sutter (ganz rechts) stellte dem Vorstand und der Mitgliederversammlung erste Projektideen des neu gegründeten Vereins Kulturmeile Lichtensteig vor.

(Bild: Sascha Erni)

In Folge erweiterte sich der Auftrag in der Projektgruppe, die nun das Konzept eines Kultur- und Veranstaltungszentrums erarbeiten sollte. «Als griffiger Name bot sich dabei, angelehnt an das bestehende regionale Raumkonzept, Kulturmeile Lichtensteig an», erklärt Bruno Sutter.

Erhalt und Sanierung der Bahnhalle

Als vorläufige Organisationsform lagerte das Team das Projekt in den gleichnamigen Trägerverein aus. Primäres Ziel des Vereins ist es gemäss Sutter, die Bahnhalle zu erhalten und zu sanieren. Aber auch weitere Projekte in diesem Umfeld sollen realisiert und betrieben werden können.

In der Startphase besteht der ehrenamtliche Vereinsvorstand aus Urban Kressibucher (Auftraggeber im Namen des Vereins Chössi-Theater), Bruno Sutter (Projektleiter), Mathias Müller (Vernetzung Politik und Kultur) sowie Stephan K. Haller (Vertreter Gofechössi).