Dank Greifwerkzeug aus 3D-Drucker keine Türfallen mehr anfassen: Wattwiler begegnet Corona mit Kreativität

Die Coronazwangspause hat der Pascal Walther genützt und ein Greifwerkzeug entwickelt, das mit dem 3D-Drucker hergestellt werden kann. Er ist nicht der einzige Wattwiler, der kreative Lösung in der Coronakrise entwickelt.

Sascha Erni
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Pascal Walthers Greifwerkzeug ist auf den Einsatz im Alltag ausgelegt.

Pascal Walthers Greifwerkzeug ist auf den Einsatz im Alltag ausgelegt.

Bild: PD

Eigentlich stünde nächste Woche Pascal Walthers Abschlussprüfung an der Schule für Gestaltung (GBS) in St.Gallen an. Ob daraus etwas werden wird, weiss zur Zeit noch niemand. Der junge Industriedesigner aus Wattwil nutzt die Coronazwangspause aber kreativ: Er hat ein Greifwerkzeug entwickelt, das helfen soll, den durch die Pandemie gestiegenen Hygiene-Anforderungen gerecht zu werden.

Das Greifwerkzeug ist einfach, aber effektiv.

Das Greifwerkzeug ist einfach, aber effektiv.

Bild: PD

Das leichte, handliche Gerät entsteht in 15 Stunden im Filament-Verfahren aus dem 3D-Drucker. Geld verdienen möchte der findige Student damit nicht. Er werde das Design wohl als Open-Source freigeben, erklärt er im Gespräch. Viel wichtiger sei es ihm, dass sich andere Tüftler inspiriert fühlen, in der gegenwärtigen Situation kreativ und aktiv zu werden.

3D-Drucker als Arbeitsmittel

«Es war eine Spontanidee», erzählt der 23-Jährige. Er hätte letzte Woche ein Päckchen zur Post bringen müssen. Dabei sei ihm bewusst geworden, was man im normalen Alltag alles so anfasst: Türfallen, Griffe, Schalter, Einlass-Knöpfe für Parkhäuser, Klingeln und vieles mehr. Als Industriedesign-Student sei es für ihn naheliegend gewesen, einen Entwurf zu zeichnen und am Computer auszuarbeiten.

Der 3D-Drucker erstellt das Greifwerkzeug Schicht für Schicht.

Der 3D-Drucker erstellt das Greifwerkzeug Schicht für Schicht.

Bild: Sascha Erni

Seine Eltern betreiben in Wattwil die Design- und Kommunikationsagentur «2plus» – inklusive 3D-Drucker für das Erstellen von Prototypen. Also machte sich Pascal Walther an die Produktion. Die Funktionsweise dokumentierte er in einem Instagram-Video, das bereits über 6000 Zugriffe erzielte.

Nicht die Hardware, sondern die Software ist die Hürde

Walther weiss, dass er Glück hat, Zugriff auf einen 3D-Drucker zu haben. Seines Wissens nach gibt es in der Region noch keine so genannten «Fabs», Dienstleistungsbetriebe also, in denen Kunden ihre eigenen 3D-Modelle ausdrucken können.

Pascal Walther nutzt die Pause vor seiner Abschlussprüfung kreativ.

Pascal Walther nutzt die Pause vor seiner Abschlussprüfung kreativ.

Bild: Sascha Erni

Ausserdem sei nicht der Drucker die grösste Hürde für solche Prototypen, sondern der Umgang mit der Software. Falls jemand eine gute Idee habe, die sich im 3D-Druck realisieren liesse, dürfe man sich also gerne bei ihm melden. «Solche Zusammenarbeiten sind immer eine spannende Sache.» Und wohl auch nötig, wie er mit Blick auf die in Italien im 3D-Druck erstellten Ventile für Beatmungsmaschinen ergänzt.

Wattwiler Kreative trotzen Corona

Pascal Walther ist nicht der einzige Wattwiler, der der Coronakrise mit Kreativität und handwerklichem Können begegnet. So hat die Situation etwa auch Daniela Vetsch vom Atelier «A4» an den Arbeitstisch gebracht. Als Textildesignerin und Fachlehrerin für textiles Schaffen ist sie mit Nadel und Faden versiert und näht zur Zeit 160 Mundschutze pro Tag. Diese gibt sie kostenlos an diejenigen Menschen ab, die sie gebrauchen können.

Die Arbeitsschritte hat sie auf Facebook veröffentlicht. «Ich rufe dazu auf, mitzuhelfen», so Vetsch, «ich verschicke auch gerne Muster.» Dass die Masken nicht den Standards für Operationsmasken entsprechen sei ihr natürlich bewusst, so Vetsch, aber sie böten auch laut dem Immunologen Beda Stadler als einfache Hygiene-Masken ausreichenden Schutz, bis die Medizinaltechnik-Hersteller die Produktion hochgefahren haben.

Weitere Informationen unter: www.pascal-walther.ch und www.facebook.com/dvetschboehi

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