Daniel Oswald war seit Juli 2019 über 100 Mal auf dem Gipfel: «An guten Tagen fliege ich dem Speer entgegen»

Daniel Oswald will den Rekord von Heiri Mock brechen. Dazu muss er den Speer allerdings noch weit über 1000 Mal bezwingen.

Adi Lippuner
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Am 22. Oktober stand Daniel Oswald das 100. Mal auf dem 1951 Meter hohen Speer.

Am 22. Oktober stand Daniel Oswald das 100. Mal auf dem 1951 Meter hohen Speer.

Bild: PD

Immer wieder auf der gleichen Route auf den gleichen Berg steigen und dies als Schnell-Wanderer, das hat sich der im Kloster Neu St. Johann wohnende Daniel Oswald, genannt Danos, vorgenommen.

Am 18. Juli 2019 stand er zum ersten Mal auf dem 1951 Meter hohen Speer, dem höchsten Nagelfluh Berg Europas. Am 22. Oktober waren es bereits 100 Besteigungen «des Königs der Voralpen» – und seither kamen noch einige Touren dazu.

Daniel Oswald erfuhr auf einem seiner Streifzüge durch die Toggenburger Natur, dass der in Krummenau wohnende Heiri Mock bereits über 1500 Mal auf dem Speer war. Dafür benötigte der inzwischen 79-jährige 39 Jahre seines bisherigen Lebens.

Daniel Oswald ist 68 Jahre alt und will den Rekord möglichst rasch egalisieren.

«Ich weiss, dass dies ein sehr ehrgeiziges Ziel ist, aber der Grundstock mit über 100 Besteigungen ist gelegt.»

Immer der gleiche Weg

Gestartet wird die Tour immer beim Wohnort, dem Kloster Neu St. Johann. Dann geht’s via Ijental zur Alp Hengst, von dort über Bütz und Schildt zum Leiterli und dann hinauf auf den Speer.

«Meine beste, bisher erreichte Zeit für diese Strecke sind zwei Stunden und neun Minuten. Ich bin ein Schnell-Wanderer, benutze aber keine Wanderstöcke», so die Aussage von Daniel Oswald. «An guten Tagen fliege ich dem Speer förmlich entgegen, es gibt aber auch Tage, da benötige ich etwas mehr Zeit.» Für den ehrgeizigen Bergwanderer ist klar:

«Jede Tour beginnt im Tal und endet auf dem Gipfel, Aufstiegshilfen wie Taxifahrten durch Bekannte oder Freunde sowie Bergbahnen gehören nicht dazu.»

Und wenn er seine selbst ausgedachten Extratouren macht, stehen am gleichen Tag zwei Touren auf den Speer an. Daniel Oswald nennt dies den «Siebesiech», wobei er dann innerhalb von sechs Tagen sieben Mal auf den Speer wandert.

Die erste Tour früh am Morgen, Start noch bei Dunkelheit, am Vormittag zurück, ausruhen, verpflegen und am Nachmittag ein zweites Mal hinauf auf den Speer.

Eine gesunde Ernährung ist wichtig

Doch was braucht es, ausser ein bisschen «Verrücktheit», um sich einer solchen Herausforderung zu stellen? Beim Gespräch im Klostergarten betont Daniel Oswald, dass er schon als Kind in der freien Natur und sportlich unterwegs war.

Es folgten Herausforderungen auf dem Rennvelo, unter anderem die Rominger-Classic mit guten Resultaten und später dann ausgiebige Spaziergänge mit dem eigenen Hund. «Dann erfuhr ich vom Rekord von Heiri Mock und mein Ehrgeiz war geweckt.»

Daniel Oswald achtet auf seine Ernährung, Vollkornprodukte stehen regelmässig auf dem Speiseplan und auch Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium gehören dazu. «Auch Aufwärmen und nach der Tour ausgiebiges Dehnen der Muskulatur ist nötig», verrät er.

Auf die Tour nimmt er genügend Wasser, Früchte und ein Brötchen mit. Zwischen den verschiedenen Herausforderungen, sei es täglich auf den Speer oder gar am gleichen Tag zwei Mal, werden auch immer wieder Ruhetage eingelegt. An diesen Tagen widmet sich Danos seiner zweiten grossen Leidenschaft, der Musik und dem Komponieren.

Vom «Hausörgeli» zur Gitarre gefunden

Musik wurde bereits im Elternhaus von Daniel Oswald gross geschrieben. Aufgewachsen im Baselbiet, einige Zeit auch in Davos und Lenzerheide, war er schon als Jugendlicher vom Harmoniumspiel seiner Tante begeistert.

Über die Klarinette fand er später zur Gitarre und ist den Saiteninstrumenten treu geblieben. Musik machen, eigene Stücke komponieren und die auf seinem Youtoube-Kanal sowie auf Facebook veröffentlichen, gehören genauso zum Leben des Wahltoggenburgers wie die sportliche Herausforderung.

Zusammen mit seiner Ehefrau wählte Daniel Oswald im Jahr 2004 Nesslau als seinen Wohnort. Bis vor gut einem Jahr wohnten die beiden an der Hauptstrasse, um dann ins beschauliche Klosterquartier zu wechseln.

«Hier ist es himmlisch ruhig und für uns ein eigentlicher Kraftort. Zudem sind wir der Natur sehr nahe und geniessen diese Wohnqualität jeden Tag», wird mit Begeisterung erklärt.

Eine Leistungssteigerung angepeilt

Zurück zur sportlichen Herausforderung: Gut 100 Speerbesteigungen sind geschafft, in den kommenden Jahren will Daniel Oswald die Leistung wenn immer möglich noch steigern, um innerhalb einiger Jahre den Rekord von Heiri Mock zu brechen.

«Und wer weiss, vielleicht finden sich noch andere Bergwanderfreunde, die sich am Rekordvorhaben beteiligen. Es wäre doch spannend, wenn in der aktuell nicht ganz einfachen Zeit noch mehr Menschen die sportliche Bewegung in der Natur entdecken und so das Immunsystem stärken», sagt er mit einem fröhlichen Lachen.