Damit sicher keiner giftig ist: Die Pilzkontrollen im Toggenburg werden ausgebaut

Nur ein Viertel der in der Schweiz wachsenden Pilze ist essbar. Pilzkontrollen helfen bei der Bestimmung. In Wattwil entstehen neue Angebote.

Fränzi Göggel
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Das genaue Betrachten der Pilze ist nur eine der Voraussetzungen für eine perfekte Bestimmung, ob es sich um einen Speisepilz handelt. (Bild: Fränzi Göggel)

Das genaue Betrachten der Pilze ist nur eine der Voraussetzungen für eine perfekte Bestimmung, ob es sich um einen Speisepilz handelt. (Bild: Fränzi Göggel)

Mit dem Ende des Sommers kommt der Beginn der Pilzsammelzeit. Um zu verhindern, dass nach dem erfolgreichen Sammeln giftige Pilze im Kochtopf landen, können Sammler eine Pilzkontrolle aufsuchen. Bisher führte nur Marijke Frater in der Schwand, Ebnat-Kappel, solche Kontrollen durch. Ab Montag wird das Angebot im Toggenburg nun erweitert.

Im Untergeschoss des Gemeindehauses in Wattwil werden die amtlichen Pilzkontrolleure Ottilia Widmer und Marcel Baumberger das Sammelgut kontrollieren, freigeben oder bei Erfordernis kompostieren. Zentral gelegen ist die Pilzkontrollstelle auch für Pilzler aus den umliegenden Gemeinden gut erreichbar. Das Angebot kann ohne Voranmeldung jeweils am Montag und am Donnerstag von 18 bis 19.30 Uhr genützt werden, voraussichtlich bis zur ersten Novemberwoche. Die Pilzkontrolle in der Schwand bleibt bestehen, ist aber nur auf Anmeldung betreut.

Pilzkontrolleure haben eine grosse Verantwortung

Die beiden Pilzkontrolleure Marcel Baumberger und Ottilia Widmer empfehlen auch einfache Pilzrezepte zum Nachkochen. (Bild: PD)

Die beiden Pilzkontrolleure Marcel Baumberger und Ottilia Widmer empfehlen auch einfache Pilzrezepte zum Nachkochen. (Bild: PD)

Durch ihren erlernten Beruf als Koch und die Freude an der Natur entdeckte Ottilia Widmer die Leidenschaft für Pilze. 2006, im selben Jahr wie Marcel Baumberger, trat sie dem Pilzverein Toggenburg bei. Beim Wandern erweiterten beide ihre Kenntnisse.

«Hans Frei, der langjährige Pilzkontrolleur des Vereins, wollte 2008 altershalber zurücktreten», erzählt Marcel Baumberger. «Da wurde ich gefragt, ob ich die Ausbildung zum Pilzkontrolleur machen wolle. Das war die strengste Zeit meines Lebens».

Pilz vorsichtig aus dem Boden drehen

Was als Pilz wahrgenommen wird, ist nur der Fruchtkörper. Im Boden oder auf Holz breitet sich das Myzel, ein watteartiges, fädiges Geflecht, aus. Oft leben Pilze und Bäume in einer Symbiose. Der Baum kann dank dem Pilzmyzel Nährstoffe und Wasser besser aus dem Boden aufnehmen, der Pilz erhält dafür vom Baum Glukose.

«Damit das zarte Flechtwerk beim Sammeln nicht verletzt wird, dreht man den Pilz vorsichtig aus dem Boden. Die Stielbasis eines Pilzes ist ein wichtiger Bestandteil für die Bestimmung», erklärt der Pilzkontrolleur Marcel Baumberger. Er fügt an, dass giftige, madige oder zerfressene Pilze bitte im Wald stehen gelassen werden. Diese erfüllen eine wichtige Aufgabe im biologischen Kreislauf. (fgö)

Der Pilzkontrolleur-Prüfungskurs des Vereins amtlicher Pilzkontrollorgane (Vapko) dauert eine Woche und findet immer Ende September in der landwirtschaftlichen Schule Plantahof in Landquart statt. Der Lehrgang stellt höchste Ansprüche an die Teilnehmer.

Jährliche Wiederholungskurse vertiefen das Wissen und geben Einblick in neue Verfahrenstechniken der Pilzbestimmung.

Idee in kürzester Zeit verwirklicht

Vor einem Jahr, zum 40. Geburtstag des Pilzvereins Toggenburg, entstand die Idee einer Pilzkontrolle in Wattwil. «Jetzt haben wir das innerhalb eines Monats realisiert», erzählt Marcel Baumberger. «Ottilia Widmer ist seit sieben Jahren amtliche Pilzkontrolleurin und sehr versiert», lobt er seine Berufskollegin.

Kommt jemand mit einer grossen Auswahl an Pilzen und möchte diese statt in der Pfanne nur zur eigenen Weiterbildung bestimmt haben, empfehlen die beiden den Pilzverein Toggenburg. Im Clublokal des Restaurants Adler in Wattwil finden regelmässig Bestimmungsabende statt.

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