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Damals: Wattwils Wohnhäuser streben in die Höhe



Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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In Wattwil wird gebaut: Hochhaus im Rickenhof vor 50 Jahren.

In Wattwil wird gebaut: Hochhaus im Rickenhof vor 50 Jahren.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

6. Dezember: Wattwil. Wie sehr die Bodenpreise und damit auch die Pachtzinse in den letzten Jahren gestiegen sind, zeigt folgendes typisches Beispiel. Die hiesige Klosterverwaltung brachte Anfang letzter Woche ihr umfangreiches Grundstück in der Amtwiese auf öffentliche Pachtversteigerung. Der bisherige Pächter, Herr Grob, bezahlte zuletzt einen jährlichen Pachtzins von 1400 Franken. Nun ging das Gut um 5350 Franken an den neuen Pächter, Herr Hermann, Viehhändler beim Bahnhof Lichtensteig über.

6. Dezember: Wattwil. Ein seltenes Schauspiel bot sich den wenigen Passanten ein einem Vormittag im Bleikenquartier. Ein kapitaler Rehbock hatte sich beim «Adler» auf die Landstrasse verirrt und als dann ein Hund sich hinter ihm hermachte, flüchtete das geängstigte Tier bergwärts. Vermutlich wurde das seltene Wild von Jägern aus seinem Revier vertrieben.

6. Dezember: Wattwil. Aus den Verhandlungen des Gemeinderates von Wattwil. Aus 86 Bewerbern wird an die neu geschaffene Stelle des Gemeindekassiers und Buchhalters, Herr Krankenhausverwalter Hrch. Mettler, gewählt. Amtsantritt: 1. Dezember 1919.

Die Kreispostdirektion in St.Gallen beabsichtigt die Einstellung der Postfahrten zwischen Wattwil und Hemberg an Sonntagen, während des Winters. Nachdem aber die bisherigen schlechten Postverbindungen schon schädigend wirken, wird gegen die beabsichtigte weitere Einschränkung Stellung genommen und die Zustimmung zu derselben verweigert.

Vor 50 Jahren

8. Dezember: Lichtensteig. Die Glockenweihe oder Glockentaufe ist ein Ereignis, das sich nicht jedes Jahr wiederholt. Der Weg, den das neue Geläute zu seinem Bestimmungsort zurücklegen musste, war nicht gar weit, denn die Glockengiesserei Rickenbach liegt bekanntlich nur wenige Kilometer vom Städtchen weg. So traf die erwartete Last, auf drei Camions verladen, unter dem Geläute der reformierten Schwesterglocken, ziemlich pünktlich auf der Baustelle ein: erst die Glocken 2 und 3, dann die kleinen 4,5 und 6 und zuletzt die grosse Glocke, die «Dreifaltigkeitsglocke», die allein fünfeinhalb Tonnen wiegt.

Das Hochhaus in Wattwiler Schomatten im Bau vor 50 Jahren.

Das Hochhaus in Wattwiler Schomatten im Bau vor 50 Jahren.

Bild: PD

10. Dezember: Wattwil. Im Frühjahr 1970 werden die Betriebsangehörigen der Heberlein & Co AG ins erste der drei geplanten Hochhäuser im Rickenhof einziehen können. Das zweite steht im Oktober kommenden Jahres bezugsbereit. Nach Vollendung der drei Hochhäuser werden 120 Familien von Betriebsangehörigen im neuen Quartier wohnen. Die Immo Wattwil AG baut in der Schomatten ein Hochhaus. Die 1. Etappe ist auf den 1. März bezugsbereit, eine zweite folgt auf 1. April. Bis Ende Mai werden alle 33 Wohnungen (3 1/2- und 4 1/2-Zimmerwohnungen) besetzt sein.

Vor 20 Jahren

6. Dezember: Wattwil. Die Idee, den Toggenburger Wirtschaftspark Soorpark voranzutreiben, ist mit der Unterstützung der Regionalplanungsgruppe (Repla) auf bestem Wege. Das Aktienkapital, welches heute 240000 Franken beträgt, soll auf zwei Millionen Franken erhöht werden. Ein wichtiger Teil davon wurde mit der Erhöhung des Aktienkapitals der Repla von 10000 auf 200000 Franken erreicht. Die Soorpark AG möchte das einstige Webereigebäude übernehmen und weitervermieten. Dadurch kann der Toggenburger Wirtschaftspark Platz für noch mehr Kleinbetriebe und Jungunternehmer bieten.

8. Dezember: Bütschwil. Der Ausbau des Dorfbachs und Ottilienbachs ist in vollem Gange. Für den Durchlass unter dem «Schäfliplatz» waren Sanierungsarbeiten vorgesehen. Es wurde nun beschlossen diesem ursprünglichen Projekt einen Neubau vorzuziehen. Mit dem Neubau des Durchlasses können vor allem im Bereich der Verlegung von Werkleitungen Kosten eingespart werden. Der Perimeteranteil der Grundeigentümer bleibt unverändert. Die Mehrkosten werden durch Bund, Kanton und die Gemeinde übernommen.

Angesichts der erheblichen Schwierigkeiten bei der Sanierung gemäss genehmigtem Projekt und angesichts der im Vergleich zu den Vorteilen relativ geringen Mehrkosten sollte ein Neubau des ganzen Durchlasses realisiert werden. Vorteile beim Neubau sind insbesondere, dass dieser auf hundertjähriges Hochwasser dimensioniert werden kann, die Dorfkorporation Kosteneinsparungen bei ihrer Leitungsverlegung verzeichnen kann und dass ein gänzlich neuer Durchlass gegenüber einer Sanierung des alten Durchlasses eine wesentliche höhere Lebensdauer haben wird.

Vor 10 Jahren

10. Dezember: Wattwil. Geschenkbänder sind dieser Tage wieder sehr gefragt. Vom einfachen farbigen Band, über die mit Draht verstärkten Varianten, vom bedruckten Band bis hin zum edlen Satinband, die Auswahl ist riesig. Bänder werden aber nicht nur gebraucht, um Geschenke schön zu verpacken, sondern auch in der Industrie. Bis aus Fasermaterial solche Bänder entstehen, sind einige Arbeitsschritte nötig. Einige davon werden im Toggenburg durchgeführt.

Die Wattwiler Firma Bäumlin & Ernst AG (BEAG) stellt Texturgarne und Zwirne her, die in ihrer Mutterfirma, der Kuny AG in Küttigen (AG), zu Bändern weiterverarbeitet werden. Aber trotz vorweihnachtlicher Geschenkbändeli-Nachfrage schaut die Firma auf ein schlechtes Jahr zurück. Zu verdanken habe die BEAG das Überstehen der Krise auch den Mitarbeitern. «Sie haben trotz Kurzarbeit und der unsicheren Zeit einen Top-Job gemacht. Nur dank ihrem Engagement konnten wir nach wie vor unseren Qualitätsstandard erhalten und damit unsere Kunden weiterhin mit unseren Produkten überzeugen», sagt Bernd Schäfer, Geschäftsführer Bäumlin & Ernst AG.

10. Dezember: Toggenburg. Der Nachtbus, der seit Dezember 2008 zwischen Wil und Wildhaus in den Abendstunden verkehrt, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Rund 3520 Fahrgäste wurden in den letzten elf Monaten befördert. «Spitzenkurs» ist jeweils der letzte Bus mit Abfahrt in Wil um 1.03 Uhr mit durchschnittlich 30 Fahrgästen. Das Nachtangebot (Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag) entsteht in Zusammenarbeit von Südostbahn (SOB) und Busbetrieb Lichtensteig-Wattwil-Ebnat- Kappel (BLWE).