Damals
Urgrossmutters Spazierfahrt nach Bütschwil

Aus vergangenen Zeiten – das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Von sechs Pferden wurde dieser Char-à-banc aus Frankreich gezogen. Er stand 1850–1920 hoch im Kurs. Die Bummler auf unserem Bild sind in knapp sechs Stunden von Oetwil am See ZH ins Toggenburg gefahren.

Von sechs Pferden wurde dieser Char-à-banc aus Frankreich gezogen. Er stand 1850–1920 hoch im Kurs. Die Bummler auf unserem Bild sind in knapp sechs Stunden von Oetwil am See ZH ins Toggenburg gefahren.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

21. Mai: Wattwil. Die Seuche greift weiter um sich! Seit unserem letzten Bericht hat sich die Maul- und Klauenseuche um einen 4. und 5. Fall vermehrt; sie scheint sich diesmal mehr ans Tal zu halten. Die zwei neuen Herde befinden sich im Dorfrayon und betreffen grössere Viehbestände, die zur Milchversorgung unserer Bewohner wesentlich beitragen. Mit Besorgnis sieht die Bauersame dem dieser Tage stattfindenden Alpauftrieb entgegen. Sehr ungehalten spricht sich dieselbe über den Weidgang des seit drei Wochen verseuchten Viehstandes im Bleiken aus. Dass der herbeigezogene Kantonstierarzt solches erlaubt, erscheint vielen unverständlich.

25. Mai: Neutoggenburg. Für die Jugend. Eine grosse Zahl von Schweizerkindern aus Stadt und Land wartet wiederum auf den glücklichen Tag, da sie in Familien Aufnahme finden und bei guter, einfacher Ernährung und angemessener Beschäftigung neue Kraft und Frische gewinnen kann. Wenn wir diese Kinder über die schwere Zeit hinausbringen, haben wir der Zukunft ein schönes Stück Volkskraft gerettet.

25. Mai: Bütschwil. Einen guten Fund hat letzter Tage ein Arbeiter gemacht, der mit einigen andern in den Kellerräumlichkeiten des s. Z. dem italienischen Baumeister Angelo Conconcelli gehörigen Hauses beim Bahnhof mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt war. Er fand in einer Zementröhre eine Dynamitpatrone. Mit aller Vorsicht machte er sich damit ins Freie, um bei einer allfälligen Explosion weniger zu riskieren. Wie staunte aber der vorsichtige Finder, als statt des vermeintlichen Explosivstoffes ein leibhaftiges Goldvögeli herausrollte. Mehr als 20 solcher blitzblanker und gegenwärtig so rarer Napoleönchen, ja sogar ein Hunderter, krochen aus der «Höllenmaschine» heraus. Und als die Arbeiter den Wunderkeller noch weiter durchsuchten, kam gar noch ein ganzes Bündel schöngeglätteter Banknoten zum Vorschein. Der Betrag des aufgefundenen Schatzes macht das nette Sümmchen von 3600 Franken aus. Man zerbricht sich nun den Kopf, wem der unerwartete Nachlass des einstigen armen Italienerknaben zukommt. In erster Linie dürfte sich die Steuerbehörde dafür interessieren.

Vor 50 Jahren

24. Mai: Bütschwil. Erstmals seit ihrer Gründung vor zwei Jahren hat die Ostschweizer Fahrsport-Vereinigung am vergangenen Samstag seine Freunde zu einer romantischen Sternfahrt eingeladen. Und gleich der erste Ausflug der «Rössler» wurde für den Veranstalter zu einem schönen Erfolg und für die Teilnehmer und Zuschauer zum Erlebnis. Ein richtiges Stück 19. Jahrhundert pilgerte da von allen Ecken der Ostschweiz gegen das Toggenburg. Oft weit ab von Asphalt und lärmigem Motorengebrumm trabten die über 90 Pferde mit ihren 48 Gespannen aus Urgrossmutters Zeiten durch die Gegend. Vom Einspänner bis zum stolzen Sechser und vom einachsigen Haflingerwagen bis zur Postkutsche der Linie Bern–Schwarzenburg war schier alles vertreten, was damals über unsere Lande rollte. Pünktlich trafen die Ausflügler von überall her am späten Nachmittag in Bütschwil ein, wo sie von vielen Pferdesportanhängern begeistert gefeiert wurden. Auf dem Aufeld stellten sich die illustren Gäste aus dem St.Gallischen, dem Thurgau, dem Schaffhausischen und dem Züribiet zur Begrüssung auf, ehe ihnen ihre Unterkünfte für die «Sternnacht» in verschiedenen Ställen und Gaststätten zugewiesen wurden. Am Abend trafen sich die Weltenbummler im «Schäfli», wo die Tanzkapelle «Fürstenland», Wil, und die St.Galler Reitermusik in historischer Aufmachung musikalische Kostbarkeiten servierten.

Vor 20 Jahren

25. Mai: Säntis. Bergrettung live auf dem Säntis. Der Schweizer Alpenclub SAC und die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega zeigen auf dem Erlebnisberg Säntis eine eindrückliche Demonstration zum Thema «Bergrettung heute». Die Rettungsleute sind live im Einsatz zu sehen und die Besucherinnen und Besucher können die spannende Arbeit von allen Aussichts- und Gipfelterrassen mitverfolgen. Der SAC zeigt am Gebäude und auf dem felsigen Gipfel eine Gleitschirm-Rettung, einen Verletztenabtransport am Boden mit improvisierter Seilbahn. Auch Lawinenhunde können an der Arbeit gesehen werden.

25. Mai: Bütschwil. Altes Handwerk will gelernt sein. Dem gesamtschweizerischen «Sensekursangebot» von Bioterra Schweiz war letztes Jahr ein Grosserfolg beschieden. Das alte Handwerk wird von Freizeitmäherinnen und -mähern neu entdeckt – Blumenwiesen rund ums Haus animieren sie dazu. Das grosse Interesse im letzten Jahr bewog den Natur- und Vogelschutzverein Bütschwil und die Bioterra-Gruppe Toggenburg, wiederum einen Kurs für das Mähen und Dengelen anzubieten. So hat sich am letzten Samstagmorgen eine motivierte Gruppe von Frauen und Männern beim Kursleiter Toni Baumann auf der Rüti eingefunden, mit dabei die eigene Sense.

Vor 10 Jahren

20. Mai: Hemberg. Grünes Licht fürs Bergrennen. Die Gemeinde Hemberg bewilligte für die Durchführung des Rennens die Benützung eines 1,8 Kilometer langen Abschnitts der Gemeindestrasse zwischen Bächli und Hemberg. Auch das Sicherheits- und Justizdepartement St.Gallen hat in Zusammenarbeit mit weiteren kantonalen Stellen die Bewilligung für den Anlass erteilt. Jedoch kann «ein Berechtigter gegen die Verfügung beim Verwaltungsgericht Rekurs einlegen», so Max Schlanser, Leiter des kantonalen Rechtsdienstes. Dazu müsse aber eine enge räumliche Nähe zum Sachverhalt vorliegen und ein materieller Grund angegeben werden. Als Beispiel nennt er eine Privatperson, die an der Rennstrecke wohnt. Verbände sind gemäss Max Schlanser nur am Rande beschwerdeberechtigt.

23. Mai: Necker. «Schau mal, wie das Wasser sauber ist», rief ein Junge seinem Bruder zu. Sie blickten übers Geländer in das Endklärbecken der ARA Necker. Dieses Wasser fliesst in den Necker zurück. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Von der Abwasserbrühe zum Neckerwasser – diesen Vorgang beschrieb Klärwärter Paul Knaus viele Male am Tag der offenen Tür. Er befand es für sehr wichtig, den Leuten zu erklären, wie die Kläranlage funktioniert und dass der Betriebsablauf gute Ergebnisse liefert.