Damals
Toggenburger demonstrieren bei «Wetten dass..?» den Zimmermannsklatsch – und gewinnen ihre Wette

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Fototermin der Hemberger Zimmermänner mit dem Showmaster Thomas Gottschalk.

Fototermin der Hemberger Zimmermänner mit dem Showmaster Thomas Gottschalk.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

19. Februar: Wattwil. Der Webschule Wattwil sind aus der Liquidation des Reinvermögens der Einfuhrgenossenschaft für die schweizerische Stickerei-Industrie in St.Gallen 40'000 Franken zugesprochen worden. Daneben sind noch eine beträchtliche Anzahl anderer gemeinnütziger Institutionen der Kantone St.Gallen und Appenzell, vornehmlich der Textilbranche, mit ansehnlichen Zuwendungen bedacht worden.

23. Februar: Wattwil. Letzte Woche ist auf dem «Näppis Uli-Stein» neben der Thurbrücke das von der Firma Rüetschi, Aarau, in Bronze ausgeführte Reliefbild eingesetzt worden. Dasselbe scheint sehr gut gelungen zu sein, indem die Hauptmerkmale: die hohe Denkerstirne, das scharfe Auge, die kühne Nasenlinie, das kräftige Kinn und die abschüssigen Achseln in anderthalbfacher Vergrösserung deutlich hervortreten. Darunter steht: «Ulrich Bräkker, genannt Näppis Uli, der arme Mann im Toggenburg. 1735–1798.» Von einer öffentlichen Denksteinenthüllung an Ort und Stelle wird Umgang genommen. Dagegen findet am 13. März im Schosse der Sonntagsgesellschaft im Saale zur «Toggenburg» eine schlichte Feier statt, an welcher Herr Reallehrer S. Völlmy aufgrund einlässlicher Quellenstudien das Lebensbild des Näppis Uli im Lichte der Gegenwart entrollen wird.

Vor 50 Jahren

24. Februar: Wattwil. Am vergangenen Samstagabend, punkt 20 Uhr, besetzten die Wattwiler Männerchörler die Hoteleingänge zu den originell dekorierten Restaurationsräumen im Jakobshof und in der Toggenburg. Dies war das Startzeichen zum traditionellen Wattwiler Maskenball, mit dem Motto «Circus Party». Schnell verwandelte sich die Toggenburg in ein buntes Faschingshaus. Im Restaurant unterhielten sich die ruhigeren Besucher bei Handharmonikaklängen und Schunkelliedern. Im Sitzungszimmer war das «Circus-Buffet» installiert. Der Saal selbst zeigte sich den Gästen neu umgruppiert und wirkte recht aufgelockert. Die Tanzrhythmen der Kapelle «Donald» hielten hier das Fasnachtsvolk in Bewegung. Im Saal und dem Restaurant Jakobshof tanzte männiglich zu den Klängen des Trios Capri. Ein Gittertunnel verlockte die Durstigen zur Bar, die sich der Gestaltung entsprechend in eine «Raubtiertränke» verwandelt hatte. Am meisten freuten sich aber alle echten Fasnächtler an der zirkulierend musizierenden Guggenmusik, den «Wadewiler Sumpfomikern».

24. Februar: Lichtensteig. Aus den Gemeinderatsverhandlungen. Schwimmbad: Die Schlussabrechnung über den Neubau des Schwimmbades wird vom Gemeinderat genehmigt. Gemeindekrankenkasse: Im Hinblick auf die massive Erhöhung der Spitaltaxen wurde ab 1. Januar 1971 ein neuer Prämientarif beschlossen.

Vor 20 Jahren

19. Februar: Hemberg. Hemberger Zimmermänner gewannen ihre Wette in der Fernsehsendung «Wetten dass..?». «Wetten, dass wir innerhalb von drei Minuten einen Dachstock aufbauen können.» So tönte vereinfacht die Aufgabe, die sich die acht Zimmermänner gestellt hatten und die sie vor Millionenpublikum in der Sendung «Wetten dass..?» ausführten. Noch wenige Minuten fehlen, bis es an diesem Samstag zum ersten Mal heisst: «Topp, die Wette gilt». Auf der Bühne peitscht Thomas Gottschalk als Drehscheibe der Sendung die Stimmung im Publikum wie gewohnt mit seinen lockeren Sprüchen an und fordert die Live-Zuschauerinnen und -Zuschauer zum Applaus heraus. Es gilt die Saal-Wette zu bestimmen. Im Backstage-Bereich warten acht stämmige Zimmerleute in ihrer Berufstracht auf das Kommando, das sie für wenige Minuten ins grelle Scheinwerferlicht rückt. Nach kurzem Smalltalk gibt Thomas Gottschalk das Kommando zum Start. Ruhig und sehr besonnen machen sich die Zimmerleute ans Werk und montieren innerhalb von drei Minuten einen Dachstuhl. Die acht Mannen schwingen sich auf das Gebälk und demonstrieren den Zimmermannsklatsch. «Fest gerüst gebaut und auf seinen Kameraden vertraut», heisst es darin. Was könnte idealer die Teamarbeit beschreiben. Die von den Wettkandidaten vorgegebene Zeit ist verstrichen und die Wette gewonnen.

24. Februar: Wattwil. Die Heberlein Textil AG gibt auf. Der Markt sei derart zusammengebrochen, dass eine Zukunft nicht mehr möglich sei. Per Ende Mai wird der Wattwiler Traditionsbetrieb geschlossen und die letzten 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Für das Toggenburg eine Tragödie.

Vor 10 Jahren

18. Februar: Ebnat-Kappel. Es kommt ja nicht oft vor, dass ein katholischer Mönch – dem Zölibat verpflichtet – den Orden zugunsten einer Frau respektive der Liebe, verlässt und komplett neu anfängt. Dies jedoch hat Benno Kehl gemacht. Er hat zwar, so seine Worte, nicht dem Orden den Rücken gekehrt, an den er immer noch glaubt, sondern er hat ganz einfach ausgedrückt, «eine andere Lebensform gewählt». Aber, wie war es denn, als er seinen Entscheid getroffen hat? «Einige meiner Mitbrüder haben mich beglückwünscht, wegen meinem Mut, andere wiederum haben seither nicht mehr mit mir gesprochen», erklärte er, der am Mittwochabend auf Einladung der beiden christlichen Landeskirchen in Ebnat-Kappel zu Gast war. Und noch was: «Ich habe auch dem Papst geschrieben, bis jetzt warte ich auf eine Antwort.» Benno Kehl nimmt es locker und meint, dass eben auch in Rom viel zu tun sei.

18. Februar: Lichtensteig/Brunnadern. Der über 3,5 Kilometer lange Wasserfluhtunnel zwischen Herisau und Wattwil ist einspurig. Westlich ist ihm ein kurzer Tunnel von rund 40 Metern Länge vorgelagert, der die Staatsstrasse nach Lichtensteig unterquert. Nach über 100 Jahren Lebensdauer sind beide Tunnel in die Jahre gekommen und bedürfen daher einer umfassenden baulichen Instandsetzung. Auf einem Drittel der Tunnellänge wird neben dem Gewölbe auch die Tunnelsohle saniert. Im Hinblick auf die Einführung der Doppelstockzüge wird der Tunnel entsprechend ausgebaut. Gleichzeitig wird er an die heutigen Sicherheitsstandards angepasst. Die Bau- und Montagearbeiten sind in den Jahren 2011 und 2012 geplant.