Damals: Störbrenner macht in Nesslau Halt

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Störbrenner Toni Schönenberger hat seine mobile Schnapsbrennanlage aufgestellt. (Bild: PD)

Störbrenner Toni Schönenberger hat seine mobile Schnapsbrennanlage aufgestellt. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

14. Juni: Wattwil. Passanten entdeckten in der Thur bei der Au die Leiche eines Mannes, welche in der Person eines Taglöhners aus dem Schmidberg erkannt und geborgen wurde. Oekonomische Bedrängnis und körperliche Gebrechen haben den anfangs der 40er Jahre stehenden Mann in den Tod getrieben.

14. Juni: Wattwil. Mit dem letzten Abendzug langten eine Anzahl Münchner Kinder hier an, welche in verschiedenen Toggenburger Gemeinden zu mehrwöchigem Aufenthalte verteilt wurden. Zu hoffen ist, dass auch bei diesen sehr erholungsbedürftigen Kindern die gesunde Bergluft und kräftige Nahrung das ihrige beitragen, um die Kinder neugestärkt in ihre Heimat zurückgehen können.

Vor 50 Jahren

18. Juni: Lichtensteig. Nachts um ca. 22.25 Uhr war in Lichtensteig ein heftiger Knall zu vernehmen, der männiglich aufschreckte. Der Brand konnte innert kurzer Zeit gelöscht werden. Später traf der Erkennungsdienst der Kantonspolizei aus St. Gallen ein. Aus allem, was den Worten dieser Männer zu entnehmen war, muss es sich um einen Sprengstoffanschlag handeln. Ueber die Täterschaft und den Grund des Anschlages herrscht noch Unklarheit. Bezirksammann Beda Baumgartner betonte, dass es leicht Tote hätte geben können, denn Treppenhaus und Eingang wurden durch die Wucht der Explosion zerstört. Der Schaden ist hoch. Im Hause wohnte z.Zt. eine Italienerfamilie.

18. Juni: Wattwil. Zwei «heisse» Heustöcke. Von einer Kommissionssitzung weg wurden in der Nacht 12 Mann der Feuerwehr Wattwil von Kommandant Hans Zuber zu zwei landwirtschaftlichen Heimwesen delegiert. Bei Landwirt Scherrer, Schönenberg, und bei Landwirt Steinbacher beim Krankenhaus waren die Heustöcke derart erhitzt, dass man sie sofort auseinanderreissen musste. Je sechs Mann nahmen sich dieser Arbeit an. Am Morgen um sieben Uhr wurde beim Heimwesen von Landwirt Steinbacher die Arbeit erneut aufgenommen, denn Messungen ergaben immer noch eine Temperatur von 88 Grad Celsius.

Vor 20 Jahren

16. Juni: Nesslau. Die gute Obsternte im Toggenburg des letzten Jahres bekommt auch der Störbrenner Toni Schönenberger zu spüren. Er mag sich auch im Obertoggenburg dem Ansturm der Kundschaft kaum zu erwehren. Seit einigen Tagen ist es um die Scheune beim Bürgerheim eine Spur lärmiger geworden. Bauern aus dem mittleren und oberen Toggenburg karren Dutzende der blauen Fässer, die mit Kern- und Steinobst-Maische gefüllt sind, herbei. Toni Schönenberger hat seine 23 Jahre alte mobile Brennanlage installiert. Der Brennholzstapel wird grösser und grösser, denn es ist Tradition, dass die Kundschaft neben der Maische gleich auch noch das Brennholz mitbringen würde, verrät Toni Schönenberger, der seit 39 Jahren als Störbrenner unterwegs ist. Ein Stromanschluss für den Betrieb der Pumpen, Holz oder Öl und Frischwasser genügen, um die Anlage in Betrieb zu nehmen. Die einzelnen Chargen werden in die 250-Liter-Häfen gepumpt, das Brenngut erhitzt. Der Alkohol verflüchtigt sich und wird im Kühlsystem der Destillieranlage wieder verflüssigt. Aus einem Sud von 200 Litern könnten je nach Qualität der Maische bis zu 20 Liter trinkfertiger Alkohol gewonnen werden, verriet der Störbrenner. Dafür werden rund drei Stunden gebraucht. Der Brennpreis pro Liter 50-prozentigem Alkohol betrage um die fünf Franken, war in Erfahrung zu bringen.

Vor 10 Jahren

13. Juni: Brunnadern. Mister Schweiz, André Reithebuch stand im Brunnödliger Zirkuszelt im Mittelpunkt des Interesses. André Reithebuch schreibt Autogrammkarten und nimmt sich Zeit für kleine Gespräche. Brunnadern und das Neckertal, das kenne er aus der Zeit, als er in Wattwil die Berufsschule für Zimmerleute besuchte. Oft sei er mit seinen Kollegen über die Wasserfluh gefahren.

16. Juni: Wattwil. Die St.Galler Kulturstiftung vergab vier Anerkennungspreise. Zwei davon gingen ins Toggenburg, nämlich zum Bildhauer Stefan Gort und zum Orchesterleiter Hermann Ostendarp. Stiftungsrat Rolf Hohmeister würdigte an der Preisverleihung die archaischen Holzskulpturen des in Wattwil wohnhaften Stefan Gort. Diese würden auf geheimnisvolle Weise aus dem von der Natur geformten Rohstoff herausgeschält. Die Laudatio für Hermann Ostendarp hielt Stiftungsrat Hans Büchler. Der Orchesterleiter habe in der Vernetzung der Musikschule und der Kantonsschule ein vierstufiges Orchestermodell geschaffen, das musikalische Jugendliche fördert, ohne sie zu überfordern.