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Damals: Siegerprojekt für Spitalerweiterung


Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Die Gesamtansicht des Spitals Wattwil mit dem Erweiterungsbau links im Bild.

Die Gesamtansicht des Spitals Wattwil mit dem Erweiterungsbau links im Bild.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

24. Januar: Wattwil. Krankenhaus Wattwil. Nachdem die bauliche Erweiterung und Verbesserung unseres Krankenhauses immer mehr zum Bedürfnis geworden, dies aber mit enormen Kosten verbunden ist, soll an der, von Gemeinderat und Krankenhauskommission angeordneten, öffentlichen Versammlung darüber beraten werden, ob die Anstalt eventuell dem Staate übergeben oder mit vermehrter kantonaler Subvention als Gemeinde-Institution weitergeführt soll.

Da es sich also um eine hochwichtige Frage handelt, ist zu erwarten, dass die, im Inseratenteil angekündigte Versammlung, an welcher über die ganze Angelegenheit orientiert werden soll, aus allen Teilen unserer Bevölkerung recht zahlreich besucht werde. In gleicher Sache findet am Sonntagnachmittag eine Versammlung von Vertretern sämtlicher Gemeinden des Toggenburgs, von Wildhaus bis Wil und des Neckertals statt, um auch die Frage der materiellen und moralischen Unterstützung unserer Anstalt durch diese interessierten Gemeinden zu diskutieren.

Es sind hinzu eingeladen worden: Delegationen sämtlicher Gemeinde- und Ortsverwaltungsräte, die Herren Vertreter im grossen Rate und das in diesem Rayon wohnende Aerztepersonal.

28. Januar: Wattwil. In Ergänzung des Berichtes über die Versammlung vom Sonntag über die Krankenhausfrage sei der Wortlaut der gefassten Resolution hier noch wörtlich mitgeteilt: «Sämtliche zur Besprechung der Wattwiler Krankenhausfrage am 25. Januar 1920 in Wattwil versammelten Gemeindevertreter, Grossräte und Aerzte des Toggenburgs sind der festen Meinung, es sei sowohl eine gerechte moralische wie finanzielle Pflicht des Staates alle Gegenden des Kantons gleichmässig zu berücksichtigen.

Sie müssten auf das energischste Protest erheben, wenn der Staat für den Ausbau der bereits bestehenden staatlichen Krankenanstalten ein Budget von annähernd 10 Millionen Franken auf dem Steuerwege decken wollte, ohne auch der toggenburgischen Bevölkerung durch weitgehendes genügendes finanzielles Entgegenkommen an der absolut notwendigen Erweiterung des Krankenhauses Wattwil mitzuhelfen, und dies um so mehr, als das Krankenhaus Wattwil bereits während dreier Dezennien (ohne wesentliche entsprechende staatliche Unterstützung als toggenburgisches Spital dem Kanton eine grosse Last abgenommen hat».

Vor 50 Jahren

28. Januar: Ebnat-Kappel. Das neue Altersheim wird 36 bis 38 Betten zur Verfügung haben. Die Studiengruppe «Personelles» des geplanten Alters- und Pflegeheims Ebnat-Kappel hat eine Umfrage, wer im Alters- und Pflegeheim eintreten möchte, durchgeführt. Aufgrund der Ergebnisse (53 Prozent füllten die Fragebogen aus, die 47 Prozent wurden in den Raumbedarfszahlen nicht berücksichtigt) wird dem Gemeinderat vorgeschlagen, ein Altersheim mit 36 bis 38 Betten zu planen. Eine weitere Ausbaumöglichkeit soll bei der Planung berücksichtigt werden. Es sind 26 bis 28 Einzelzimmer sowie 5 Ehepaarzimmer vorgesehen.

Vor 20 Jahren

25. Januar: Kirchberg. Dezentralisierungen sind das Mittel, mit dem das Kirchberger Leitbild die Entwicklung der Gemeinde mit ihrer schwierigen Struktur (fünf Dörfer und rund hundert Weiler) vorantreiben will. Ein wichtiges Instrument dazu ist das Dörferforum. Nun werden auch die einzelnen Korporationen gestärkt. «Ist es im Zeitalter der Globalisierung nicht ein Rückfall in die Steinzeit, die Eigenheiten der Dörfer zu pflegen?», fragt Christoph Häne selbstkritisch und hält die Antwort schon bereit.

Nach dem Yin und Yang nehme auch der Gegenpol der Zentralisierungen zu, was im Kirchberger Leitbild zum Ausdruck kommt. Jedes Dorf soll sich gemäss seinem Charakter entwickeln können, um seiner Mentalität und Kultur gerecht zu werden. Häne ist sich der Gefahr der Eigendynamik bewusst und erinnert an frühere Autonomiebestrebungen («freies Bazenheid»). Die Kunst dieser Gratwanderung besteht darin, dass sich die Dörfer selbstständig fühlen und gleichzeitig ein Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander entwickeln können.

Vor 10 Jahren

26. Januar: Wattwil. Das Spital Wattwil wird für 85 Millionen Franken erweitert. Seit zehn Jahren fliessen wegen einem faktischen Baumoratorium kaum Gelder in die Spitalbauten des Kantons St.Gallen. Entsprechend hoch ist der Nachholbedarf bei Bestehenden für Sanierungen und Erneuerungen. Die Fachleute schätzen diesen Bedarf auf gut eine Milliarde Franken.

Neben dem Kantonsspital in St.Gallen hat der Kanton acht Regionalspitäler: Flawil, Wil, Wattwil, Uznach, Walenstadt, Grabs, Altstätten sowie Rorschach. Seit der Neuorientierung der St.Galler Spitalpolitik (Stichwort Quadriga 2) ist das Schreckgespenst einer Schliessung des Spitals Wattwil vertrieben und Wattwil ist wieder langfristig auf der Investition-Liste des Kantons.