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Damals: Schulhaus Wintersberg ohne Kinder


Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Die Schulkinder vom Schulhaus Wintersberg müssen ins Dorf Ebnat-Kappel zur Schule.

Die Schulkinder vom Schulhaus Wintersberg müssen ins Dorf Ebnat-Kappel zur Schule.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

11. Februar: Ebnat. Ende letzter Woche ist die Grippe in hiesiger Gegend ziemlich stark aufgetreten. Der Realschulunterricht musste infolge Erkrankung der beiden Lehrer eingestellt werden. Einzelne Geschäfte weisen bis zur Hälfte Arbeiterabsenzen auf. In manchen Familien liegen 2 bis 3 Familienglieder krank darnieder.

11. Februar: Verschiedenes. Der Monat Februar hat nicht nur die Besonderheit, dass er der Februar eines Schaltjahres ist, sondern die viel seltenere Eigentümlichkeit, dass er fünf Sonntage zählt, was seit vierzig Jahren nicht mehr der Fall war und innerhalb 400 Jahren sich nur dreizehnmal ereignete: im 17. Jahrhundert 1604, 1632, 1660, 1668; im 18. Jahrhundert 1728, 1756, 1784; im 19. Jahrhundert 1824, 1852, 1880; im 20. Jahrhundert 1920, 1948, 1976.

Vor 50 Jahren

6. Februar: Säntis. Neues Rekordergebnis der Säntis-Bahn. Mit 354892 beförderten Passagieren wurde im vergangenen Jahr wiederum ein Rekordergebnis erzielt. Es sind dies nämlich 58585 Personen mehr als im Jahre 1968 und 40844 Personen mehr als im letzten Rekordjahr 1967. Am 16. Juli 1969 konnte die fünfmillionste Passagierin der Bahn begrüsst werden. Seit Bestehen der Bahn im Jahre 1935 haben die Kabinen eine Strecke zurückgelegt, die zusammen einer Mond-Hin- und Rückreise entspricht, nämlich über 766000 Kilometer.

11. Februar: Wattwil. 800 Kinder strömten zum Volkshaus an die traditionelle, von der Frauenkommission organisierte Kinderfasnacht. Zum Anfang unterhielt der spannende Film «Abenteuer am Mississippi» nach dem Buch «Huckleberry Finn» die mäuschenstille Kinderschar. Im zweiten Teil wirbelten die kleinen Fasnächtler lustig durcheinander. Es regnete Konfetti, lange Papierschlangen wurden durch den ganzen Saal gezogen und Käpseli-Pistolen knallten. Ausgelassen und fröhlich ging’s an diesem Narrentreiben zu und her.

Vor 20 Jahren

7. Februar: Toggenburg. Sind Wahlen etwa Krieg? Es scheint so. Man spricht vom heftigen Wahlkampf, von Scharmützeln von links und rechts, vor politischen Gegnern, die über Leichen und anderlei Dinge gehen. Man hört von harten persönlichen Angriffen, von unfairen Attacken, Schlägen unter die Gürtellinie und Grabenkriegen. Da ist von Heckenschützen, von Überläufern, Verrätern und Drahtziehern die Rede. Napoleon Bonaparte hätte seine Freude daran gehabt. Bejubelt werden gewonnene, betrauert verlorene Schlachten. Schadenfreude und Trauer liegen eng beieinander.

Es wird Herzblut vergossen. Andere haben Blut gerochen. Da ist es zu hören, dass man sich nicht auf Lorbeeren ausruhen solle, denn der Kampf um die Gunst der Wähler gehe weiter, Aussprüche wie «Wir müssen wach bleiben» und «Wehret den Anfängen» erinnern uns an das Umfeld der Schlacht am Morgarten. Freiheitsliebe, Traditionen, Zuverlässigkeit und Vertrauen werden auf jene Banner geschrieben, die in die Schlacht getragen werden. Andererseits spricht man von politischer Fairness. In die Pfanne gehauen werden soll keiner mehr.

Das haben sich die zu Förderern aufgestiegenen Drahtzieher zu Herzen genommen. Es wird gerühmt und gelobt, dem noch unschlüssigen Wähler die Qual der Wahl und damit gleich ein Dutzend schlaflose Nächte beschert. Doch urplötzlich ist Schluss. Der Alltag kehrt wieder. Die Spuren der Wahlpropaganda werden getilgt. Und, wenn nur ein Zehntel aller Versprechen gehalten werden, gehen wir goldigen Zeiten entgegen. Die Schmetterlinge fliegen wieder.

Vor 10 Jahren

10. Februar: Ebnat-Kappel. Lange schon beschäftigte sich der Schulrat mit der Zukunft der Aussenschule im Wintersberg. Die bestehenden Mehrjahrgangsklassen – die 4. Bis 6. Klasse wurde im selben Zimmer von einer Lehrperson unterrichtet – weiterzuführen, um den pädagogischen Ansprüchen nachzukommen, wäre mit einem grossen organisatorischen Aufwand verbunden und würde gegenüber einer Klassenschliessung im Dorf in keinem Verhältnis stehen.

Weil aufgrund der gesunkenen Schülerzahlen auf das kommende Schuljahr in Ebnat-Kappel eine Mittelstufenklasse geschlossen werden muss, hing das Damoklesschwert über diesen Mehrjahrgangsklassen und damit über dem Schulhaus Wintersberg.

12. Februar: Lichtensteig. An der Bürgerversammlung entscheiden die Lichtensteiger über die Vereinigung der Schulgemeinde und der Politischen Gemeinde. Der Stadtpräsident Roger Hochreutener, die Schulratspräsidentin Trudy Meier und die Parteipräsidenten werben gemeinsam für diesen Antrag. Stimmen die Lichtensteiger der Einheitsgemeinde zu, werden im Herbst Wahlen von Gemeinde-, Schulrat und GPK durchgeführt, denn die Einheitsgemeinde soll am 1. Januar 2011 starten.

Für die Behörden ist der Zeitpunkt mitten in der Legislatur übrigens ideal. Einerseits, weil Behördenmitglieder noch ihre Erfahrung in die Ratstätigkeit einbringen konnten, andererseits weil es einige Zeit brauche, bis die neue Organisationsform umgesetzt ist.