Damals: Schmuck aus menschlichem Haar im Toggenburger Museum zu sehen

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Eine Halskette, zwei Ohrhänger und eine Brosche aus menschlichem Haar, ausgestellt im Toggenburger Museum. (Bild: PD)

Eine Halskette, zwei Ohrhänger und eine Brosche aus menschlichem Haar, ausgestellt im Toggenburger Museum. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

12. Juli: Wattwil. Freiwillige Fährnis-Versteigerung. Auf Verlangen von Herrn Peter Schweizer, alt Armenvater, in der Schomatten, gelangen bei seinem Wohnhause nachbezeichnete Fährnisse gegen Bezahlung auf freiwillige öffentliche Versteigerung:

1 vollständiges Matratzenbett, 2 Kasten, 1 Nachtstuhl, 1 Krankentisch,
1 Tafeltisch, 3 kleinere Tische, 2 Kanapee, 6 Stühle, 4 Bänke, 2 Koffer,
1 Schuhgestell, 1 Kleiderständer, 1 Kleiderhalter, 1 Feldstecher,
1 Revolver, 1 Schirmständer, 1 Musikdose mit 6 Platten, 2 silberne Tabakspfeifen, 2 Taschenuhren, 3 Wanduhren, 1 Weckeruhr,
1 Beerenpresse und Mühle, 1 Gartenbank, 2 Feldsessel, 2 Vogelkäfige, Bett- und Leibwäsche, wollene Decken. Sämtliches Küchengeschirr,
2 Lampen, 1 Bügeleisen, 1 eisener Aschenbecher, Dengelgeschirr,
1 Kartoffelhurd, 1 Zweiräder-Karren, Pickel, Schaufeln, Sägen, Äxte und Beile, Baumgeschirr, 2 Mostfässer à 160 Liter, wovon eines voll mit gutem Most, nebst vielem Ungenannten mehr.

Vor 50 Jahren

16. Juli: Wattwil. Der Gemeinderat hat die Bürgerschaft wiederholt auf das Bedürfnis der Neuerstellung eines Gewerbeschulhauses und eines Verwaltungsgebäudes hingewiesen. Die Studien hinsichtlich der Raumprogramme und Standorte beider öffentlicher Gebäude sind abgeschlossen.

Zur Gestaltung des Quartiers Thurau mit einem Gewerbeschulhaus, einem Verwaltungsgebäude und Autoabstellplätzen werden die Architekten der Bezirke Gaster, See, Ober-, Neu-, Alt-, und Untertoggenburg und Wil zu einem Ideenwettbewerb eingeladen. Bis Jahresende dürften die Ergebnisse bekannt sein, sodass die Bürgerschaft zu gegebener Zeit über das weitere Vorgehen Beschluss fassen kann.

16. Juli: Schwägalp. Voller Überraschung liess sich Frau Onje Bruggermann-Steenhuis aus Appingendam (Holland) im Vorraum der Talstation Schwägalp einen Blumenstrauss in die Arme drücken und die zahlreich auf sie einstürmenden Fragen über sich ergehen. Der Grund dieses aufregenden Tuns: Frau Bruggermann war die 5'000'000. Passagierin der Säntis Schwebebahn.

Selbstverständlich wurden auch die beiden «Pechvögel» in die Feier einbezogen, nämlich Frau Bente Larsen aus Kopenhagen als 4'999'999. Passagierin sowie Henk von Kampen, ein Niederländer, als 5'000'001. Passagier. Ein kleiner Rückblick auf die vergangenen «Millionäre» zeigt den Aufschwung der Säntisbahn in den letzten Jahren. Erst 1950 wurde die erste Million erreicht, die zweite folgte 1957, die dritte 1962 und die vierte 1966.

Vor 20 Jahren

14. Juli: Oberhelfenschwil. «Wenn der Wind der Veränderung bläst, so bauen einige einen Schutz, andere Windmühlen». Dieses chinesische Sprichwort möchte Walter Büchi am Freudenbergerweg umsetzen.

Mit der Arbeitsgemeinschaft Aventa erstellt er ein Windkraftwerk, das Elektrizität für mindestens zwei Haushalte liefert. Auf dem Freudenberg steht das Visier für die geplante Anlage. An der 18 Meter hohen Visierstange liefern Windmesser jetzt schon Daten über die Windströmungen.

Walter Büchi ging behutsam vor, denn er war sich bewusst, dass es ein heikles Thema ist. Er eröffnete das Projekt zuerst den betreffenden Grundeigentümern. Sie standen diesem Vorhaben sofort positiv gegenüber. Beim Planungsamt des Kantons St.Gallen und den einspruchsberechtigten Organisationen gab es keine Opposition.

In sehr kurzer Zeit erteilte der Gemeinderat von Oberhelfenschwil die Bewilligung für dieses nicht alltägliche Bauvorhaben Windkraftwerk im Toggenburg.

Vor 10 Jahren

11. Juli: Toggenburg. Schmuck und Andenken aus den Haaren eines geliebten Menschen gefertigt, galten bis ins 20. Jahrhundert als Sinnbild einer innigen Beziehung zwischen zwei Menschen. Dem Haar haftet etwas Mystisches, Rätselhaftes und Magisches an. Unerklärliche Kräfte wurden ihm zugeschrieben. Die einfachsten und bekanntesten Formen solcher Haarreliquien sind Haare oder Locken, die in Anhänger-Medaillons eingeschlossen oder auf Briefe geklebt wurden.

Die Herstellung von Haararbeiten setzte im 18. Jahrhundert ein, erlebte im 19. Jahrhundert eine Hochblüte, um dann nach dem Ersten Weltkrieg zu verschwinden. Mit der Französischen Revolution endete die barocke Haarmode; die riesigen, aufwendigen Haartürme waren unmodisch geworden und machten die Coiffeure brotlos.

Diese schufen als Reaktion auf diese Entwicklung kunstvolle Haarkunstarbeiten, die sie in Bijouterien verkauften. Im Zeitalter der Biedermeier – in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – wurde mit diesen Freundschafts- und Liebesbezeugungen ein wahrer Kult getrieben.

13. Juli: Mogelsberg. Seit Ende Juni ist das Resorthotel Mogelsberg geschlossen. Per Inserat sucht die Besitzerin, Agob AG, einen neuen Pächter oder einen Käufer für die Liegenschaft. Versprochen wird eine gute Auslastung und Vorbuchungen bis Ende Jahr.

Gemäss der Generalunternehmung Agob sei der Rücklauf auf das Inserat so gross, dass im Moment keine weiteren Inserate geschaltet würden. Zuerst müssten die eingegangenen Interessenten bearbeitet werden.