Damals: Scherzkrug eines Lichtensteiger Hafners

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Vorsicht beim Trinken! Wer aus diesem Scherzkrug trinken will, verkleckert sein Hemd. (Bild: PD)

Vorsicht beim Trinken! Wer aus diesem Scherzkrug trinken will, verkleckert sein Hemd. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

19. April: Wattwil. Ca. 40 erholungsbedürftige Wiener Kinder kamen hier an, die bei edelgesinnten und opferfreudigen Leuten in unserer Gemeinde während mehreren Wochen Aufnahme finde sollen. Eine grosse Volksmenge hatte sich am Bahnhofe zum Empfang der bedauernswerten Kleinen eingefunden. Ein Blick auf die Ankömmlinge bewies, dass dieselben wirklich erholungsbedürftig sind. Möge ihnen der Aufenthalt bei uns recht gut bekommen. Wie uns mitgeteilt wird, setzte sich dieser erste Transport ausschliesslich aus Kindern katholischer Konfession zusammen; ein weiterer aus evangelischen Kindern bestehend, wird demnächst erwartet.

23. April: Ebnat. Am Mittag brach in der hiesigen Bürstenfabrik ein Brand aus, der indessen bald bewältigt werden konnte.

23. April: Kirchberg. Es trafen die «Wiener Ferienkinder» ein, 32 an der Zahl, meistens Mädchen. Die nun ferne von dem Grossstadtbetriebe Kräftigung suchen und auch finden werden. Auch in Bazenhaid wurden 17 Kinder einquartiert.

23. April: Kirchberg. Der in Lampertswil gelegene grosse Bauernhof von Herrn Engensperger, der früher einen grossen Kundenkreis mit Milch versorgte, ist nun letzter Tage käuflich an ein Dreier-Konsortium übergegangen. Nebst dem umfangreichen Wiesland und einer grossen Viehhabegehört noch ein ansehnlicher Waldkomplex dazu, so dass das ganze Anwesen bei den heutigen Güter- und Viehpreisen eine respektable Summe gewertet ist.

Vor 50 Jahren

18. April: Wattwil. Wunder und Zeichen geschehen recht selten am Ostschweizer Wirtschaftsfirmament. Aber sie pflegen doch auch zu geschehen. Das Licht kam einmal mehr aus dem Toggenburg, wo beileibe kein armer Mann mehr sitzt, sondern der in letzter Zeit äusserst aktive, ja dynamische Heberlein-Konzern. Nachdem Heberlein vor noch nicht allzu langer Zeit den sogenannten Flurlinger Bindfadenkonzern, die «Arowa», in Botmässigkeit nahm und damit gleichzeitig eine im wesentlichen auf die gesamte Ostschweiz verteilte Industriegruppe vor fremden Einflüssen abschützte, kommt nun die wohl einmalige Nachricht, dass der Heberlein-Konzern auch die «Apag» Apparatebau AG im sanktgallischen Goldach von den Amerikanern gekauft und dem eigenen Verwaltungs- und Finanzbereich eingegliedert habe. Die Heberlein-Holding hat’s der Ostschweiz möglich gemacht, nämlich an sich selbst und an die Zukunft zu glauben.

18. April: Wildhaus. Kurdirektor für Wildhaus, diese Frage stellte sich der Kurverein bereits vor Jahren. Einerseits – so lauten die Argumente – gilt es, Wildhaus als Sommer- und Winterkurort zu fördern, anderseits, und das ist besonders wichtig, wünscht man eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde Alt St.Johann-Unterwasser. Dadurch könnte ein Obertoggenburgisches Fremdenverkehrszentrum als regionale Gesamtheit ausgebaut werden, das der durchschnittlichen, schweizerischen Konkurrenz standzuhalten vermag. Vor kurzem wurde dieses Anliegen von einer ausserordentlichen Generalversammlung gutgeheissen. Dem Beschluss zufolge, steht diese Stelle einer geeigneten Persönlichkeit offen. Mit diesem einschneidenden Schritt bleibt zu hoffen, dass sich die Ziele und Wünsche erfüllen.

18. April: Toggenburg. Ein alter Spruch, der da heisst «Der April macht was er will», scheint sich dieses Jahr wieder einmal zu bewahrheiten. Hin und wieder ein sonniger Tag, dann wieder Tage mit heftigsten Regenschauern oder Schneegestöber wie mitten im Winter.

Vor 20 Jahren

20. April: Wattwil. Vor 50 Jahren eröffneten die Verantwortlichen die Abteilung Spinnerei/Zwirnerei. Grund genug für die Schweizerische Textil-, Bekleidungs- und Modefachschule (STF) während vier Tagen zu feiern und über die Zukunft nachzudenken. Auch die Bevölkerung ist herzlich eingeladen. Damit will die STF den Kontakt zur Toggenburger Bevölkerung pflegen. Gleichzeitig führt die Textilia Wattwil ihren Altherrentag und die Jubiläums-GV durch. Die Studentenverbindung feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Wie die meisten Studentenverbindungen hat auch die Textilia mit Mitgliederschwund zu kämpfen.

21. April: Wattwil. Der Brunnen auf dem Wattwiler Klosterhügel soll 56 Meter tief werden. Seit einem Monat sind ein Luzerner Bohrmeister und sein Hilfsbohrmeister bereits in Wattwil. Mit einem schweren Bagger haben sie in dieser Zeit ein rund fünfzig Meter tiefes Loch gegraben und mit einem Eisenrohr gesichert. Bis zur Tiefe von 27 Metern hat der Brunnen einen Durchmesser von 1,5 Meter. Bis zur endgültigen Tiefe von 56,4 Meter – bis dahin hat es wasserdurchlässige Schichten – werden nun Rohre mit einem Durchmesser von 1,3 Meter langsam in die Tiefe geschoben. Der neue Brunnen – er wird für mehr Trinkwasser gebraucht – soll 56,4 Meter tief werden.

Vor 10 Jahren

18. April: Lichtensteig. Aus der Schatzkammer des Toggenburger Museums. Dass dieser Krug aus dem 18. Jahrhundert ein Scherzkrug ist, sieht man nicht den ersten Blick. Soll man auch nicht, denn dann würde die «lustige» oder «böse» Überraschung hinfällig. Wer genau hinsieht, bemerkt aber: Unterhalb des Lippenrandes, über dem lachenden Gesicht, ist das Gefäss an mehreren Stellen mit Löchern durchbohrt, sodass der Inhalt des gefüllten Kruges nicht ausgeschenkt werden kann, ohne dass er zu allen Löchern zuvor herausfliesst. Auch gegenwärtig werden Scherz-Trinkgläser verkauft. So gibt es Cognacgläser, deren Inhalt in einer Doppelwandung des Glases steckt, so dass sein Inhalt nicht getrunken werden kann.

22. April: Mosnang. Ausnahmebewilligung für Kindergarten in Libingen. Der Schulrat hat vom kantonalen Bildungsdepartement die Bewilligung erhalten, den Kindergarten in Libingen auch im Schuljahr 2009/2010 als unterdotierte Klasse zu führen. Zu diesem positiven Entscheid ganz wesentlich beigetragen hat die grosse Flexibilität der Lehrkräfte, einen Teil der Lektionen mit den Erst- und Zweitklässlern zusammenzulegen und so Lektionen und Kosten zu reduzieren. Auch liess sich das Bildungsdepartement von der hohen pädagogischen Qualität von Kindergarten und Schule Libingen überzeugen. Im Weiteren wurde positiv zur Kenntnis genommen, dass Mosnang sich mit der Gründung der Einheitsgemeinde selber um eine optimale Schulstruktur bemüht und die Weiterführung des Kindergartens in Libingen vom Schul- und vom Gemeinderat Mosnang unterstützt wird.

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