Damals: Reitunfall überschattet Dreharbeiten am Salomonstempel

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Auf Gamplüt stellten sich 80 Jodlerinnen und Jodler für TV-Aufnahmen in Reih und Glied. (Bild: PD)

Auf Gamplüt stellten sich 80 Jodlerinnen und Jodler für TV-Aufnahmen in Reih und Glied. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

18. Januar: Wattwil. Ein nachträglicher Gang auf die aussichtsreiche Höhe des Köbelisberg lässt uns die furchtbare Gewalt, mit der der Sturm vom 5. Januar hier oben gewütet, mit aller Deutlichkeit vor Augen führen. Der Pächter des schmucken Bergwirtshauses kam am besagten Sonntag Morgen aus der Waldlichtung auf das Haus zugeschritten, als ihm ein mächtiger Windstoss das halbe Dach deselben entgegentrug. Wie durch ein Wunder blieb der nicht wenig Erschrockene unversehrt. Der Wind entführte eine Partie Zeitschriften und Flaschen sowie zirka 100 leere Zigarrenkistchen. Umschläge dieser Zeitschriften wurden nachträglich auf der Burg Lichtensteig, ja in Brunnadern gefunden, wohin sie der Wind gestreut hatte. Die Zigarrenkistchen blieben jedoch bis heute unauffindbar.

22. Januar: Lütisburg. Im «Riemensberg» ereignete sich ein bedauerlicher Unglücksfall. Mehrere Männer waren mit Holzfällen beschäftigt, als plötzlich eine Tanne im Falle so unglücklich einen Arbeiter traf, dass der Tod kurz darauf eintrat. Der Verunglückte hinterlässt mehrere Kinder. Ein zweiter Arbeiter kam mit leichteren Verletzungen davon. Gleichen Tages passierte auch in der Säge im «Guggenloch», unter der hohen Eisenbahnbrücke, ein Unglücksfall, indem einem Arbeiter drei Finger so angesägt wurden, dass ein bleibender Nachteil nicht ausgeschlossen ist.

Vor 50 Jahren

17. Januar: Toggenburg. Keine Milchkontingentierung. Der Bundesrat hat beschlossen von einer Milchkontingentierung auf den 1. Februar Abstand zu nehmen. Der Vorsteher des Eidgenössischen Volkrswirtschaftsdepartementes, Bundesrat Hans Schaffner, hat die Landesregierung orientiert, dass aufgrund der provisorischen Ergebnisse die Milchlieferungen im Landesdurchschnitt im Vergleich zum entsprechenden Monat des Vorjahres im November 1968 um 9,1 Prozent und im Dezember um 7,3 Prozent zurückgegangen sind. Das vom Bundesrat gesetzte Etappenziel betr. die Milcheinlieferungen ist damit erreicht worden. Sollten die Milcheinlieferungen im Durchschnitt der Monate Januar bis März 1969 nicht um weitere 6 Prozent zurückgehen, wird die Kontingentierung auf den 1. Mai 1969 in Kraft gesetzt werden.

20. Januar: Bütschwil/Libingen. Aufruf an die Bevölkerung: Vorsicht Tollwut! In der Gemeinde Bütschwil (Rosengarten) ist bei einem Fuchs Tollwut festgestellt worden und auch in Libingen (Gemeinde Mosnang) hat sich ein tollwutverdächtiger Fuchs gezeigt. Tollwut ist eine übertragbare, tödlich verlaufende Tierkrankheit, die auch den Menschen befallen kann. Neben Wildtieren, die beim derzeitigen Seuchenzug in erster Linie betroffen sind, können auch Haustiere erkranken. Von den Wildtieren und namentlich den Haus- und Nutztieren kann die Uebertragung der Krankheit auf den Menschen erfolgen. Der Erreger der Tollwut findet sich im Speichel erkrankter Tiere. Schon durch kleinste Hautverletzungen vor allem aber duch Bisswunden, kann der Erreger in den Körper des Menschen eindringen. Wildlebende Tiere ohne natürliche Scheu vor dem Menschen sind verdächtig.

Vor 20 Jahren

18. Januar: Toggenburg. Glück und Pech liegen nahe beieinander. So auch bei den Aussenaufnahmen für die Sendung «Top of Switzerland». Der Drehtag am Salomonstempel, in dessen Mittelpunkt die amerikanische Country-Sängerin Margo Rochelle stand, verlief durch das herrliche Winterwetter begünstigt, problemlos. Am Nachmittag aber wurden Szenen mit Pferden im Schnee gedreht. Dabei scheute das Haflinger-Pferd unvermittelt. Margo Rochelle stürzte vom Pferd und wurde dabei erheblich im Gesicht verletzt. Am nächsten Tag wurde die Umgebung der Sonnenterrasse Gamplüt von Trachtenleuten in Beschlag genommen. Aufgeboten wurden die Jodler und Jodlerinnen des Jodlerklubs Wattwil, die des Jodelchörlis Alperösli Wattwil, die vom Jodelchörli Hüsliberg Ebnat-Kappel, die der Jodlerclubs Bergfründ Ennetbühl und Männertreu Nesslau. Bild und Ton wurden getrennt aufgenommen. Die Fernsehleute zeigten sich nicht nur vom Tonmaterial und Winterwetter, sondern auch von den sangesfreudigen Toggenburgern und deren Können beeindruckt.

Vor 10 Jahren

22. Januar: Lichtensteig. Unter der Loretostrasse an der Thur steht das Gebäude der Thuro-Plast AG. Einst als Papierfabrik gebaut und lange als Textilfabrik genutzt, sind heute zahlreiche kleine Firmen, Vereine und ein Museum darin untergebracht. Der Konkurs der Thurotex AG war ein schwerer Schlag fürs Städtli. Die Thurotex AG geriet Anfang der 1980er-Jahre in finanzielle Schwierigkeiten. Im Januar 1982 konnte die Konkurseröffnung nicht mehr verhindert werden. Dies hatte fatale Konsequenzen. 219 Arbeiter, 151 davon mit Wohnsitz in Lichtensteig, wurden entlassen. 1984 kam die Liegenschaft Hof in die Hände der Plastik AG, Bad Ragaz. Seitdem vermietet die Besitzerin verschiedene Räume der Liegenschaft, so dass nach und nach das Gewerbezentrum Hof entstand. Fünf Jahre lang war im Bürotrakt sogar ein Durchgangsheim für Asylbewerber eingerichtet. Heute sind im Gebäude 16 produzierende Unternehmen darin ansässig, die 72 Arbeitsplätze anbieten.