Damals: Orkan Kurt zerstörte Bahnanlagen


Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

Hören
Drucken
Teilen
Unterhalb der Bergstation fielen reihenweise Bäume auf das Förderseil des Sessellifts.

Unterhalb der Bergstation fielen reihenweise Bäume auf das Förderseil des Sessellifts.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

31. Dezember: Wattwil. Die seit 8 Tagen andauernde nasse und föhnige Witterung, welche die Schneegrenze auf über 1000 Meter zurücktrieb, hatte verschiedenerlei Schädigungen im Gefolge. Über die Weihnachtstage bestand Hochwassergefahr; die Kellergeschosse tieferliegender Gebäude begannen sich bereits mit Wasser zu füllen und man glaubte, die Wassernot vor genau einem Jahr werde sich wiederholen. Glücklicherweise trat dann zeitweise Schneefall ein, was ein langsames Zurückgehen des Wasserstandes zur Folge hatte.

Die starken, andauernden Regengüsse verursachten auch mehrere Erdschlipfe, so an der Strasse nach der Wanne gegen das evang. Schulhaus; ein weit grösserer zerstörte unweit der Einmündung der Laadstrasse die Gemeindestrasse nach dem Rumpf in ihrer vollen Breite auf zirka 8 Meter. Für Fuhrwerk ist die Strasse gesperrt. In der Schwantlen hat der Föhnsturm eine mit Heu angefüllte Scheune des Herr Alder von den Fundamenten gehoben und verschoben.

Vor 50 Jahren

31. Dezember: Unterwasser. An einer ausserordentlichen Hauptversammlung der Mitglieder der Werbegemeinschaft Obertoggenburg wurde über die Verwirklichung der projektierten Luftseilbahn Iltios-Stöfeli-Chäserrugg beraten. Es wurde beschlossen, die Konzession um ein Jahr zu verlängern. Mit dem Bau dieser attraktiven Luftseilbahn unternimmt das oberste Toggenburg einen weiteren Schritt, diese touristisch interessant zu machen.

Vor 20 Jahren

27. Dezember: Toggenburg. Orkan Kurt zog über die Schweiz. Auch in unserer Region wurden unzählige Bäume geknickt und Häuser abgedeckt. Das Schienennetz in der Ostschweiz ist zusammengebrochen. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Im Obertoggenburg wurden Bergbahnen und Lifte beschädigt. Die Sesselbahn Alt St.Johann-Selamatt und der Zubringerlift Selamatt-Zinggen wurden stark beschädigt. «Kurt» hatte eine verheerende Geschwindigkeit.

Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Auf dem Säntis wurde mit 230 Stundenkilometern die höchste je gemessene Windgeschwindigkeit registriert. 206 km/h waren es bisher. Allerdings fielen 1990, beim Sturm «Viviane», die Windmesser aus. Es wird angenommen, dass damals ähnliche Verhältnisse herrschten. Auch im Raum Alttoggenburg und Neckertal verursachte der Orkan Kurt Gebäude- und Waldschäden.

29. Dezember: Toggenburg. Während sich auch nach dem 1. Januar angehende Eheleute im selben Rahmen wie bisher ihr Jawort geben werden, wird sich bei der Vorbereitung dazu einiges ändern. Einsprachen gegen Eheschliessungen sind nicht mehr möglich. Allerdings war deren Zahl auch bisher äusserst klein. Als Einsprache-Gründe wurde meist das Nicht-Einverständnis geltend gemacht. Erwachsene Kinder glaubten, dass ihr Vater oder ihre Mutter kein Recht auf eine späte Ehe hätten. Oder der angehende Schwiegersohn schien dem Vater (oder der Mutter) nicht gut genug für seine Tochter.

Auch schikanöse Einsprachen, die auf Verzögerung abzielten, habe es gegeben. Die blauen Eheverkündigungen aus den Anschlagekästen vor dem Gemeindehaus werden verschwinden. Doch nicht alle sind über die Abschaffung der öffentlichen Verkündigung gleichermassen glücklich. Vor allem ältere Leute äusserten sich, dass es schade sei, wenn man nicht mehr wisse, wer bald heiraten würde.

Vor 10 Jahren

28. Dezember: Wattwil. Drei unbekannte, bewaffnete Personen haben die Coop-Tankstelle an der Wilerstrasse überfallen. Die Räuber erbeuteten einige tausend Franken und flüchteten zuerst zu Fuss, dann in einem Auto. Verletzt wurde niemand.

28. Dezember: Wildhaus. Die zur Tradition gewordene Ausstellung der «Wildhauser Talente» mausert sich immer mehr zu einem Publikumsmagneten. Zu entdecken gab es einiges, haben die Wildhauser doch Talente in den verschiedensten Sparten. So gab es für die Kunstinteressierten einiges in Augenschein zu nehmen, vom versierten Handwerk – wie die verschiedenen Drechsler-Arbeiten von Josef Wenk oder die filigranen Scherenschnitte von Marianne Schönenberger-Knaus – bis hin zu Kunstwerken in klassischer Bildform – wie die Kühe und Landschaften von Fredi Hüppi oder die «Garten-Ansichten» von Annemarie Keller. Und auch klassische Fotografien von der Natur und seinen Bewohnern – wie jene von Ueli Wenk – konnte man studieren usw.

29. Dezember: Wattwil. Ein Einfamilienhaus in der Schomatten brannte zwischen Sonntag und Montag gleich zweimal. Die Kantonspolizei ermittelt derzeit die Brandursache und klärt, ob der zweite Brand hätte verhindert werden können. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben vorübergehend auswärts.

29. Dezember: Wildhaus. Siebeneinhalb Jahre stand Rolf Syz an der Spitze der Gemeinde Wildhaus. Seine Wiederwahlen schaffte er jeweils nur knapp, immer im zweiten Wahlgang. Am 31. Dezember gibt er sein Amt ab und geht in den Ruhestand.